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Straßenbahn durch das Neuenheimer Feld

Der aktuelle Stand findet sich am Ende dieser Seite.

Die Straßenbahnanbindung des Uni-Campus hat eine lange Geschichte. Schon seit den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts wird  dafür eine Trasse auf der Straße "Im Neuenheimer Feld" vertraglich freigehalten. 1994 beschloss der Gemeinderat zum ersten Mal, statt der Busse eine leistungsfähige, moderne Straßenbahn für die inzwischen 12 000 Beschäftigten und 15 000 Studenten im Neuenheimer Feld zu bauen. Dies scheiterte seither am Widerstand der Uni-Spitze. Im Folgenden ist die Geschichte seit 2008 dokumentiert. Der jeweils aktuelle Stand findet sich am Ende des Textes.

April 2008: Es ist kaum zwei Jahre her, dass der Bau eines Nordzubringers durch das Handschuhsheimer Feld verhindert werden konnte, da erscheint eine neue Bedrohung für das für unsere Stadt so wichtige Naherholungs- und Gemüseanbaugebiet. Die Universität stellt sich stur und will die Straßenbahnanbindung nicht da, wo ihre Fahrgäste hin wollen, sondern nur über den Klausenpfad. Dies wäre langfristig der Einstieg in eine Bebauung des Handschuhsheimer Feldes nördlich des Klausenpfads. Eine Straßenbahntrasse über den Klausenpfad  wurde bereits am 23.11.2004 und am 21.10.2005 von den Bezirksbeiräten Neuenheim und Handschuhsheim abgelehnt. Diese beschlossen in einer gemeinsamen Sitzung einstimmig, dass die neue Straßenbahn über die Straße "Im Neuenheimer Feld" geführt werden soll. Die Alternativvariante über den Klausenpfad sollte nicht mehr weiterverfolgt werden. Auch der Stadtentwicklungs- und Verkehrsausschuss beschloss am 25.10.2005 mit einer Mehrheit von 10 zu 4, dass die neue Straßenbahn über die Straße "Im NHF" geführt werden soll.

Oberbürgermeister Dr. Würzner hatte vor seiner Wahl im November 2006 noch klar erklärt: „Ich habe immer wieder gebetsmühlenartig gesagt, eine Straßenbahn durch das Neuenheimer Feld ist richtig und notwendig, und eine randliche Erschließung (also durch den Klausenpfad, Anm. d. Red.) ist nicht zielführend.“ (RNZ, Nov. 2006)

Am 31.3.2008 gab OB Würzner jedoch dem Widerstand der Universität nach und stimmte in einem Gespräch mit Rektor Eitel einer Straßenbahntrasse über den Klausenpfad nördlich des Uni-Heizwerks am Rand des Handschuhsheimer Feldes, fernab der Fahrgastziele, zu.

Der Sachverhalt wird in einem Artikel der RNZ vom 9.4.2008 zusammengefasst:

Zwei Tage später antwortete Uni-Rektor Prof. Dr. Eitel in der RNZ am 11.4.2008:

Wie lange währt ein Augenblick ?

Mit seinen Aussagen "Im Augenblick gibt es dafür keine Pläne." und "Die Frage stellt sich im Moment nicht." kann Unirektor Eitel die Befürchtungen nicht zerstreuen. Er widerlegt damit nur Argumente, die niemand behauptet hatte. Das Problem ist nicht, dass die Universität sich im Moment in das Handschuhsheimer Feld ausdehnen will, sondern dass der Ausbau des Klausenpfads mit einer Straßenbahn langfristig Begehrlichkeiten wecken würde und eine beidseitige Bebauung zur Folge hätte.

Immerhin ist für OB Würzner die Mittelerschließung des Neuenheimer Feldes immer noch die erste Wahl. Er scheint aber die Hoffnung aufgegeben zu haben, diese realisieren zu können. Die Trassenführung über den Klausenpfad bezeichnet er als "Kompromiss". Dies wäre jedoch kein Kompromiss, sondern eine deutliche Verschlechterung im Vergleich zu heute:
 
bulletDie Straßenbahn würde bei der Trasse Klausenpfad nicht "die ersten Streckenmeter", sondern auf einer Strecke von 1200 Metern (!) fernab der Fahrgastziele und ohne Haltestelle fahren. Die neue Straßenbahn könnte wichtige Ziele (Hörsäle und Institute von Geologie/Mineralogie, Zoologie, Chemie, Bioquant) nicht bedienen.
bulletDie Fahrgäste könnten zwar noch, wie heute auch, zu den Haltestellen in der Berliner Straße laufen. Dort müssten sie aber im Vergleich zu heute immer doppelt so lange (!) warten, bis eine Straßenbahn kommt, da nicht mehr zwei, sondern nur noch eine Linie fahren würde.
bulletHeute wird das Neuenheimer Feld mit 12 Haltestellen erschlossen. Durch den Bau der Straßenbahn würden davon nach der jetzigen Planung 7 (Trasse Klausenpfad) bzw. 5 Haltestellen (Trasse Straße INF) ersatzlos entfallen. Viele Fahrgäste hätten jeden Tag längere Wege zur Haltestelle.
bulletIm südlichen und westlichen Bereich des Neuenheimer Felds würde sich für die Fahrgäste im Vergleich zu heute eine deutliche Verschlechterung durch ersatzlosen Wegfall der Haltestellen "Chirurgische Klinik", "Kinderklinik/Botanischer Garten" und "Zoo" ergeben. Die Straßenbahn würde im gleichen 10 Minuten-Takt fahren wie heute der Bus. Heute wird  zur Rush-Hour der Takt zusätzlich mit Einsatzbussen verkürzt. Auch diese Verkürzung der Wartezeiten gerade in der Zeit, wenn die meisten Fahrgäste fahren, würde durch die Straßenbahn entfallen.
bulletDurch die Straßenbahn im Neuenheimer Feld entfiele u.a. die Uni-Buslinie 32 ersatzlos, die heute eine attraktive Direktverbindung im 10-min-Takt zwischen den Uni-Instituten in der Altstadt (Uniplatz), dem Altklinikum (Bergheimer Straße; zukünftige Uni-Institute und Hörsäle) und dem Uni-Campus im Neuenheimer Feld darstellt.
bulletFür diese Verschlechterungen der verkehrlichen Erschließung des Neuenheimer Felds müsste der Steuerzahler insgesamt 35 Millionen Euro zahlen. (!)

Raffinierte Strategie der Universität

Beim Lesen des Artikels wird klar, wie die Strategie der Universität aussieht:

Die Universität will seit langer Zeit eine Anbindung des Neuenheimer Feldes über eine 5. Neckarbrücke oder über einen Nordzubringer. Mit dem UVU-Gutachten wurden diese Pläne zunächst einmal gestoppt. Sie sind aber nicht aufgegeben. Jetzt will man anscheinend scheibchenweise vorgehen:

  1. Zunächst eine Straßenbahntrasse auf dem Klausenpfad oder, falls der Gemeinderat dem nicht zustimmt, zunächst nur eine Stichstrecke von Süden.
  2. Beides hat den Effekt, dass die neue Straßenbahn die Hauptziele im Neuenheimer Feld kaum bedienen kann und die Straßenbahnbedienung über die Berliner Straße verschlechtert wird. Und eine schlecht ausgelastete Straßenbahn erfüllt in dieser Strategie genau ihren Zweck: Mit dem Bau der Straßenbahn hat man den Auflagen des UVU-Gutachtens Genüge getan, aber gleichzeitig "nachgewiesen", dass Jobticket, Parkraumbewirtschaftung und Straßenbahn nicht ausreichen.
  3. Jetzt kann man dann erneut "über eine Brücke" nachdenken und erhofft sich Chancen, diese auf diesem Weg durchsetzen zu können. An dieser Stelle aber wird die Strategie der Universität nicht aufgehen. Ein Eingriff in das europäische Naturschutzgebiet Alt-Neckar ist juristisch nur dann möglich, wenn er 1. unbedingt notwendig ist und wenn 2. keine Alternativen bestehen. Die erste Bedingung wird erfüllt sein, wenn die Straßenbahn auf zielferner Trasse gebaut wurde. Die zweite Bedingung wird nicht erfüllt sein, da ein Anschluss an die Autobahn auch über einen Nordzubringer möglich wäre und das Handschuhsheimer Feld kein FFH-Gebiet ist und auch keine Anstrengungen unternommen werden, es unter Schutz zu stellen, obwohl es nach dem UVU-Gutachten ökologisch ähnlich wertvoll ist wie das FFH-Gebiet Altneckar. Die Blockade-Strategie der Universität gegen eine sinnvolle Straßenbahntrasse führt deshalb letztlich zu einem Nordzubringer durchs Handschuhsheimer Feld !
  4. Falls der Gemeinderat jetzt zunächst einmal nur eine Stichstrecke von Süden beschließt (nach dem Motto "besser als gar nichts"), wird die Verkehrsanbindung ebenfalls nicht gut sein, insbesondere von Norden her. Wenn man in einigen Jahren deshalb den Straßenbahnring schließen will und muss, wird die Universität wieder genauso kompromisslos sein wie heute. Wenn dann die Trasse auf den Klausenpfad gelegt wird, hat man denselben Effekt: Die Erschließung ist deutlich schlechter als heute und der Weg für den Nordzubringer ist juristisch frei.
  5. Und gleichzeitig ist der Klausenpfad mit der Straßenbahn dann ausgebaut. Dies ermöglicht städtebaulich eine Expansion der Universität nach Norden ins Handschuhsheimer Feld, da eine Straßenbahntrasse immer eine beidseitige Bebauung nach sich zieht.

Diese raffinierte Strategie hatte sich bereits bei der Vorstellung des UVU-Gutachtens vor zweieinhalb Jahren im Oktober 2005 angekündigt.

Zum Glück ist die Mehrheit der Gemeinderätinnen und Gemeinderäte standhaft und lässt sich nicht erpressen.

Am Tag der nichtöffentlichen Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses am 17.4.2008 erklärt Unirektor Eitel in der RNZ noch einmal, dass die Straßenbahn entweder auf dem Klausenpfad kommt oder gar nicht.

 

Der letzte Satz ist der Schlüssel zur Lösung des Problems: Warum soll man der Universität unbedingt etwas aufdrücken, was sie nicht will und dafür noch sehr viel Geld ausgeben ?

Lieber Geld sparen als Verschlechterungen

Falls die Straßenbahn nach dem Willen der Universität nur über den Klausenpfad möglich ist, ist sie nicht mehr sinnvoll, genauso wenig wie eine reine Stichstrecke, da sie die für einen wirtschaftlichen Betrieb erforderlichen Fahrgastzahlen nicht erreicht und für die Fahrgäste im Vergleich zu heute im wesentlichen nur Verschlechterungen bringt.

Dann wäre es besser, das Geld dafür (35 Millionen Euro; für die Stichstrecke 30 Millionen Euro) jetzt zu sparen, vielleicht gibt es in Zukunft bessere Zeiten für einen sinnvollen Ausbau der Straßenbahn. Mit einem Bruchteil der Kosten könnte bis dahin z.B. die Optimierung des Busverkehrs und der Straßenbahnen in der Berliner Straße vorgezogen werden. Hier wären deutliche Verbesserungen nötig und möglich. Einige Beispiele:
 
bulletVerlängerung der Straßenbahnlinie 24  bis Schriesheim (und später bis Weinheim): Dadurch entfielen für Pendler ins Neuenheimer Feld pro Tag zwei Umsteigevorgänge und die Fahrzeit von den Orten an der Bergstraße an den Hauptbahnhof Heidelberg wäre 5 Minuten kürzer.
bulletSanierung der Haltestellen in der Berliner Straße: Es ist heute für Fahrgäste an der Haltestelle Jahnstraße gefährlich und unangenehm, auf dem viel zu schmalen Bord zwischen schnell fahrenden Autos und den Schienen auf die Straßenbahn zu warten.
bulletVerbesserung der Pünktlichkeit: die Straßenbahnen und Busse zum Neuenheimer Feld fahren heute oft mit großen Verspätungen. Dadurch gehen Anschlüsse z.B. am Hauptbahnhof zur S-Bahn verloren.
bulletLösung des Stauproblems bei der Ausfahrt der Busse aus der Kirchnerstraße: Allein an dieser Stelle, die durch eine Busumfahrung der Schranke leicht gelöst werden könnte, fährt der Bus 32 als Zubringer zur S-Bahn regelmäßig zur Rush-Hour Verspätungen von 2 bis 5 Minuten ein.
bulletDurch eine Beschleunigung des ÖPNV nach dem Vorbild anderer Städte könnten die Fahrzeiten deutlich verkürzt und mehrere Millionen Euro Betriebskosten pro Jahr eingespart werden.
bulletDurch ein dringend notwendiges 2. Umsetzgleis am Bismarckplatz muss die Verspätungsanfälligkeit der Straßenbahnen reduziert werden.

In eine ähnliche Richtung geht ein Beschluss der Fachschaftskonferenz der Universität Heidelberg vom 15. April 2008. Darin stellt die Vertretung der 25 000 Studierenden der Universität fest:

"1. Wir lehnen die Trassenführung nach der „Variante Hommelhoff“ ab.
Bis zur Durchsetzung der von der Stadt vorgeschlagenen Trasse befürworten wir Fortführung und Verbesserung des Busverkehrs auf Basis der Linien 31 und 32.

2. Die von der Uni vorgeschlagene Trassenführung nützt den Studierenden nicht. Sie umfährt den Zentralen Bereich des Campus und verläuft in großer Entfernung zu den Hörsaalgebäuden der Physik und Chemie."

Die Bürgerinnen und Bürger müssen also wachsam bleiben. Das Konzept der Uni-Straßenbahn steht auf den Tagesordnungen des Stadtentwicklungsausschusses am 17.4.2008, 8.5.2008 und 10.6.2008 , einer gemeinsamen Sitzung der Bezirksbeiräte Neuenheim und Handschuhsheim am 6.5.2008 und der Gemeinderatsitzung am 29.5.2008 und 26.6.2008.

Aktueller Stand: Am 6.5.08 lehnte der Bezirksbeirat Neuenheim mit 10 Nein-Stimmen und 1 Enthaltung und der Bezirksbeirat Handschuhsheim mit 12 Nein-Stimmen und 0 Enthaltungen die Straßenbahntrasse Klausenpfad ab. Stattdessen wurde die Verwaltung beauftragt, die Straßenbahn nur noch auf der Trasse Straße Im Neuenheimer Feld  weiter zu planen.

Am 8.5.2008 vertagte der Stadtentwicklungsausschusses die Entscheidung auf den 10.Juni 2008.

Im Stadtentwicklungsausschuss am 10.6.08 wurde die Beschlussvorlage für eine Straßenbahn über den Klausenpfad von Oberbürgermeister Dr. Eckart Würzner zurückgezogen.

RNZ 20.1.2009

Uni-Spitze bewegt sich nicht

Von Timo Teufert.

Ende November hat Oberbürgermeister Eckart Würzner noch einmal versucht, Uni-Rektor Bernhard Eitel von einer Straßenbahntrasse durch die Straße "Im Neuenheimer Feld", wie sie der Gemeinderat favorisiert, zu überzeugen. Doch der Uni-Chef stellt sich stur: Er besteht auf der Trasse über den Klausenpfad und will auch den Autoverkehr über kurz oder lang dorthin verlegen. Das geht aus einer Vorlage der Stadt hervor, die heute im Stadtentwicklungs- und Verkehrsausschuss vorgestellt wird.

Eitel verwies in dem Gespräch darauf, dass das Verkehrskonzept der Universität eine äußere Erschließung vom Klausenpfad vorsehe. Das gelte für den Autoverkehr ebenso wie für Bus und Bahn. Eine Straßenbahntrasse durch die Straße "Im Neuenheimer Feld" würde den Campus zu stark zerschneiden, so der Rektor. Denn die Institute, die südlich und nördlich der Straße liegen, wären dann durch einen 15 Meter breiten Korridor von Straße und Schienen von einander getrennt. Der Campus-Charakter wäre dadurch empfindlich gestört, dies sei für die Universität nicht akzeptabel. Vielmehr sei geplant, die Straße mittelfristig zu einer grünen Achse innerhalb des Campus zu entwickeln.

Der Gemeinderat hatte sich geschlossen für die Strecke durch die Straße "Im Neuenheimer Feld" entschieden, weil sie nicht nur bei den Investitions- und Betriebskosten besser abschneidet als die Trasse durch den Klausenpfad, sondern auch den Campus besser erschließen würde. Um die empfindlichen Geräte und Messungen in den Instituten entlang der Strecke nicht zu stören, wurden bereits neue Straßenbahnen bestellt, die in den betreffenden Streckenabschnitten mit einem Energiespeicher ohne Oberleitung fahren können.

Die Stadt will nun ein Gutachten in Auftrag geben, das aufzeigen soll, durch welche Maßnahmen das Überqueren der Gleistrasse in der Straße "Im Neuenheimer Feld" erleichtert werden kann. "Es sieht so aus, als ob die Straßenbahn ins Neuenheimer Feld scheitern wird", hieß es gestern in Gemeinderatskreisen. Beim Verhalten der Universität dränge sich der Verdacht auf, dass die Uni den Campus doch ins Handschuhsheimer Feld erweitern wolle und dafür eine Erschließung über den Klausenpfad benötige.

 

RNZ 3.2.2009

Stadt macht wieder Druck auf die Universität

hö. Die Stadt probiert es immer wieder: Im nächsten Monat, am 19. März, will der Gemeinderat darüber beraten, wie die geplante Straßenbahn ins Neuenheimer Feld verlaufen soll: entweder über den Klausenpfad (was die Universität will) oder über die Straße "Im Neuenheimer Feld" (was die Stadt will). Und aller Voraussicht nach gibt es eine erdrückende Mehrheit gegen den Klausenpfad. Bei einer Pressekonferenz sagte Oberbürgermeister Eckart Würzner gestern: "Die Situation ist nicht einfach, aber es zeichnet sich ab, dass die Straße ,Im Neuenheimer Feld’ die beste Anbindung gewährleistet und die besten Aussichten auf eine Förderung seitens des Landes hat." Auf die Frage, ob er die Universitätsspitze, namentlich Rektor Bernhard Eitel, schon davon überzeugt habe, meinte Würzner: "Noch nicht." Eine Nachfrage der RNZ beim Rektorat der Universität allerdings ergab, dass Eitel offenbar nicht daran denkt, es sich noch einmal zu überlegen: "Es gibt von unserer Seite keine Neuigkeiten", hieß es aus dem Rektorat.

Da hilft es auch nichts, dass die Stadt immer wieder die Vorteile ihrer Variante preist: Die Strecke mitten durch das Neuenheimer Feld ist kürzer, hat keine Kurven wie am Klausenpfad, macht die Straßenbahn schneller und bringt mehr Leuten etwas. Die von der Universität befürchteten elektromagnetische Störungen werde es allein deswegen nicht geben, weil an den Stellen, wo es Forschungsinstitute gibt, die neue Straßenbahn ohne Oberleitungen auskäme – dank der Supercap-Bahnen, die solange auf Batteriebetrieb umschalten. Eigentlich ist nur noch seitens der Universität das "Zerschneidungsargument" übriggeblieben: Eine Trasse mitten durch das Neuenheimer Feld würde den Campus durchschneiden.

Aber im Grunde geht es darum, dass sich die Universität von ihrem alten Erschließungskonzept für das Neuenheimer Feld verabschieden müsste. Das sieht die Erschließung vom Rand aus, also vom Klausenpfad, vor. In diese Pläne hätte auch bestens die Fünfte Neckarquerung bei Wieblingen gepasst, die die Autos direkt von der Autobahn auf den Klausenpfad gebracht hätte. Aber die von der Uni-Spitze so ersehnte Brücke wurde durch ein städtisches Gutachten und durch eine nicht vorhandene Mehrheit im Gemeinderat torpediert. Und der anhaltende Widerstand gegen die Straßenbahn "mittendurch" zeigt, dass die Universität weiter an ihren Klausenpfad-Plänen, so überholt sie sein mögen, festhält.

Würzners Erklärung gestern beendet auch einen Schwenk, den er vor einem halben Jahr vollführt hatte. Damals hatte er sich überraschenderweise mit Eitel auf die Trassenführung auf dem Klausenpfad geeinigt. Doch diese Variante wurde immer kostspieliger, sie müsste scharfe Kurven machen, um den Technologiepark zu umfahren. Würzner begründet seinen gestrigen Rück-Schwenk so: "Das war die einzige Trassenführung, die die Universität akzeptiert hätte. Und ich habe ein großes Interesse, dass die Straßenbahn überhaupt kommt. Aber es bleibt dabei: Die Straßenbahn durch die Straße ,Im Neuenheimer Feld’ ist die bessere Lösung."

3.3.2009: Oberbürgermeister Dr. Würzner hatte für den Stadtentwicklungs- und Verkehrsausschuss eine Vorlage erarbeitet, nach der die Trasse über die Straße "Im Neuenheimer Feld" ausgewählt und für diese Trasse ein Planfeststellungsverfahren in die Wege geleitet werden sollte. Darin könnten alle offenen Fragen von der dafür zuständigen neutralen Planfeststellungsbehörde, dem Regierungspräsidium Nordbaden, geklärt werden.

Während GAL, SPD und Grüne klare Zustimmung signalisierten, stellte Klaus Pflüger für die FWV jedoch den Antrag auf Vertagung, weil eine Gesamtkostenberechnung fehle. Dieser Antrag wurde von CDU, FDP und HEIDELBERGERN unterstützt. Frau Essig (CDU) stellte heraus, dass eine Straßenbahnerschließung des Neuenheimer Felds in Konkurrenz zu anderen Großprojekten in Heidelberg stünde (z.B. Neckarufertunnel). Herr Rehm von den HEIDELBERGERN möchte auch eine Stichstrecke geprüft haben. (Dies wäre für Handschuhsheim und die Bergstraße eine massive Verschlechterung der ÖPNV-Anbindung und würde eine Zunahme des Autoverkehrs bewirken.) Frau Hommelhof von der FDP ist ganz gegen eine Straßenbahn auf der Straße "Im Neuenheimer Feld" und möchte diese wenn überhaupt nur auf dem Klausenpfad.

Damit wurde die Entscheidung zum wiederholten Male vertagt. Die anwesenden Vertreter von FWV, CDU und HEIDELBERGER haben den Beschlussvorschlag nicht verstanden, obwohl ihn der Oberbürgermeister klar erklärte: Es ging nicht um eine Bauentscheidung, vor der selbstverständlich eine genaue Gesamtkostenberechnung vorliegen muss, sondern lediglich um die Auswahl und den Beschluss für eine "Straßenbahntrasse zur Erschließung des Neuenheimer Feldes", wie es auch im ersten Satz des Beschlussvorschlags steht. Mit der Auswahl des Trassenverlaufs hätte die RNV dann endlich in das Planfeststellungsverfahren gehen können und das Verfahren fortgeführt werden können. In dem Planfeststellungsverfahren werden alle technischen Fragen behandelt und eventuell Auflagen erlassen. Erst danach kann dann eine Gesamtkostenberechnung erstellt und über den Bau entschieden werden.

RNZ 13.3.2009

Verkehrsminister für Campustrasse

tt. Das Land Baden-Württemberg hat nach einer Anfrage des SPD-Abgeordneten Hans Georg Junginger klargestellt, dass es die Bedenken der Universität gegen eine Trassenführung der Straßenbahn ins Neuenheimer Feld durch den Campus und damit durch die Straße "Im Neuenheimer Feld" nicht für unüberwindlich hält. Das belegt eine aktuelle Stellungnahme von Innenminister Heribert Rech (CDU), der auch für Verkehr und Straßenwesen zuständig ist.

Besonders hinsichtlich der befürchteten Beeinträchtigung sensibler wissenschaftlicher Messinstrumente durch eine Straßenbahn führt das Ministerium aus, dass sämtliche bisher zu diesem Thema erstellten Gutachten das Ergebnis hatten, dass eine verträgliche Umsetzung des Tram-Projektes durch die Straße "Im Neuenheimer Feld" durchaus möglich sei, sofern entsprechende Schutzmaßnahmen ergriffen würden. Konkret ging es dabei vor allem um Fragen zu den Erschütterungen durch die Bahnen sowie zu der elektromagnetischen Verträglichkeit der Oberleitungen. Beide Probleme lassen sich laut Gutachten technisch beheben. So sei es beispielsweise möglich, "die kritischen Bereichen der Institute bei Bedarf stromlos durchfahren zu können", weil die Rhein-Neckar-Verkehrs GmbH (RNV) Stadtbahnen mit der so genannten Supercaps-Technologie beschafft hat, die in kurzen Abschnitten ohne Oberleitung fahren können. Zu prüfen sei noch, inwiefern eine Stärkung des Campus-Charakters in der Straße "Im Neuenheimer Feld" mit der Straßenbahn zu vereinbaren sei, heißt es in der Antwort des Innenministeriums.

"Die Stellungnahme des Ministers belegt, dass das Land die Bedenken der Uni nicht als unüberwindbare Hindernisse für eine Trassenführung durch das Neuenheimer Feld ansieht. Das Land hat sich mit keinem Wort gegen einen Straßenbahnverlauf durch den Campus positioniert, das sollte auch der Uni zu denken geben", kommentiert Grünen-Landtagsabgeordnete Theresia Bauer. Die Planung für die Straßenbahn müsse jetzt zügig vorangebracht werden. Sie fordert deshalb, dass der Stadtentwicklungs- und Verkehrsausschuss am 2. April ein eindeutiges Votum für die Straßenbahn abgeben sollte.

 

2.4.2009: Der Stadtentwicklungs- und Verkehrsausschuss beschließt endlich die Einleitung des Planfeststellungsverfahrens für eine Straßenbahnerschließung des Universitäts-Campus auf der Trasse "Straße Im Neuenheimer Feld" mit 9 Ja-Stimmen (GAL, GRÜNEN, Bunte Linke, SPD, FWV und als einziger der CDU Heinz Reutlinger gegen 5 Nein-Stimmen (CDU, FDP und HEIDELBERGER).

Damit findet eine 15-jährige Diskussion ihr vorläufiges Ende. Dem Beschluss gingen ausführliche Diskussionen voraus. Während Prof. Sonntag (CDU) die geplante Straßenbahn ohne weitere Begründung als "nicht zeitgemäß" deklarierte, erläuterten Irmtraud Spinnler (SPD), Peter Holschuh (GAL), Christian Weiss (GRÜNE) und Dr. Weiler Lorenz (Bunte Linke), dass das hohe Verkehrsaufkommen nur mit einer modernen Straßenbahn abgewickelt werden kann. Martin in der Beek (RNV-Geschäftsführer) legte dar, dass z.Zt. weltweit rund 50 Städte neue moderne Straßenbahnlinien bauen, darunter z.B. Freiburg allein drei mit der NHF-Straßenbahn vergleichbare. Karl Emer (SPD) berichtete, dass Landesinnenminister Heribert Rech die technischen Probleme als gelöst ansieht und die Straßenbahn befürwortet.

Wolfgang Lachenauer lehnte für die HEIDELBERGER die Vorlage von Oberbürgermeister Dr. Würzner rundweg ab. Er argumentierte, man dürfe keinen Beschluss fassen, nach dem sich die Universität nicht weiter ausdehnen könne. Wolfgang Lachenauer brachte wieder eine Stichstrecke in die Diskussion, die jedoch die Verkehrsstaus in Handschuhsheim verschlimmern würde, weil dann die Linie 21 als Umsteigerlinie von der OEG nicht mehr bis Handschuhheim fahren würde. Peter Holschuh von der GAL erinnerte dagegen an die klaren einstimmigen Beschlüsse der Bezirksbeiräte Handschuhsheims und Neuenheims, denen man folgen solle. Klaus Pflüger (FWV) erklärte, dass alle Argumente der Universität durch die Gutachten widerlegt seien und dass die Freien Wähler dem Trassenvorschlag durch den Campus zustimmen werden.

Zum Schluss zog Heinz Reutlinger, seit 1965 Gemeinderat der CDU, ein bewegendes Resümee: "Ich war schon immer für die Straßenbahn Im Neuenheimer Feld auf dieser Trasse, es gab heute keine neuen Argumente dagegen. Entschuldigen Sie jetzt meine klaren Worte: Ich fühlte mich in den letzten Jahren total verarscht. Die Universität hat nicht mit offenen Karten gespielt, sie wollte von Anfang an diese Trasse nicht. Die von ihr vorgebrachten Argumente waren nicht ehrlich. Immer wenn ein Argument widerlegt war, kam ein neues. Die Trasse ist gut für die Menschen, die dort arbeiten und gut für die Menschen in der Stadt und deshalb werde ich heute für diese Trasse stimmen." Es ist schade, dass Heinz Reutlinger im Juni 2009 nicht mehr für den nächsten Gemeinderat kandidieren wird.

Endgültig wird der Gemeinderat am 21.4.2009 ab 16:30 Uhr über die Trasse entscheiden. Diese Sitzung wird öffentlich sein.

 

21.4.2009: Der Gemeindrat beschließt mit Vierfünftel-Mehrheit (30:7:2) endlich die Straßenbahnerschließung des Uni-Campus auf der Straße "Im Neuenheimer Feld". Damit geht eine 15 Jahre lange Diskussion erfolgreich zu Ende.

Alle Mitglieder der SPD, der GAL, der GRÜNEN, der FWV, der generation HD, der Bunten Linken und Oberbürgermeister Dr. Würzner stimmten für den Beschluss. Von der CDU stimmten Kristina Essig, Margret Dotter, Heinz Reutlinger, Otto Wickenhäuser und Ernst Gund dafür, während Jan Gradel, Prof. Dr. Hans-Günther Sonntag, Klaus Weirich und Monika Frey-Eger die Beschlussvorlage von Oberbürgermeister Dr. Würzner ablehnten. Werner Pfisterer, der im Vorfeld der Gemeinderatsentscheidung den Beschluss in der Öffentlichkeit heftig abgelehnt hatte, war nicht anwesend. Von der FDP stimmte nur Dr. Annette Trabold dafür, obwohl die FDP die Straßenbahn auf dieser Trasse in ihrem Wahlprogramm hat. Margret Hommelhoff (FDP) lehnte die Straßenbahn vehement ab und Karl Breer (FDP) enthielt sich. Die HEIDELBERGER lehnten den Beschluss ab. Wolfgang Lachenauer forderte zum wiederholten Mal die Straßenbahn nur als Stichstrecke, was für Handschuhsheim und die Bergstraße die bekannten gravierenden Nachteile (Verkehrszunahme auf der Dossenheimer Landstraße und Berliner Straße) hätte.

Vor der Abstimmung platzte noch eine kleine Bombe, als bekannt wurde, dass Uni-Rektor Prof. Eitel in den letzten Tagen vor der Abstimmung verschiedene Gemeinderäte angerufen und signalisiert hatte, dass die Universität einer Straßenbahn auf der Trasse Straße "Im Neuenheimer Feld" eventuell zustimmen könne, wenn gleichzeitig der Klausenpfad für den Autoverkehr ausgebaut würde. Mit diesem Vorgehen bestätigte Rektor Eitel indirekt, dass die in den letzten Jahren von der Universitätsleitung gegen die Straßenbahn vorgetragenen Argumente wie elektromagnetische Felder oder Erschütterungen, mit denen die Straßenbahn bisher verhindert wurde und wegen der mehrere teure Gutachten erstellt wurden, vorgeschobene Argumente waren. Zum Glück ließ sich vom Gemeindrat niemand auf einen solchen Kuhhandel ein. Es ist jedoch zu befürchten, dass die Universität auch in Zukunft in dieser Frage nicht locker lassen wird, um langfristig eine Ausdehnung ins Handschuhsheimer Feld vorzubereiten anstatt auf dem Campus flächensparender zu bauen.

Nach diesem Gemeinderatsbeschluss kann die RNV jetzt die Planung für die Straßenbahn auf der Trasse Straße INF fortführen und das Planfeststellungsverfahren beim Regierungspräsidium Nordbaden beantragen.

Bericht des Rhein-Neckar-Fernsehens

 

Am 21./22.11.2009 erschien in der RNZ ein Artikel über die Finanzierung des geplanten Neckarufertunnels, der aufhorchen lässt. Darin erklärt der für Zuschüsse des Landes zuständige Ministerialrat Klaiber, dass sich Heidelberg entscheiden müsse, für welches Projekt es Geld aus Stuttgart wolle.

Man erinnert sich, dass bereits im März die CDU im Gemeinderat die Befürchtung äußerte, dass zwischen der geplanten Straßenbahnanbindung des Uni-Campus und dem Neckarufertunnel eine finanzielle Konkurrenz besteht. Da der Neckarufertunnel mindestens 180 Millionen € (davon 120 Millionen € Zuschüsse) kosten soll, könnte er tatsächlich die dringend notwendige Entlastung durch die Straßenbahnanbindung des Uni-Campus verhindern oder auf viele Jahre verzögern.

 

Rhein-Neckar-Zeitung 02.12.2009:    
Straßenbahn: Eitel ist kompromissbereit                                    

Von Holger Buchwald und Timo Teufert

Lange hat sich die Universität gegen eine Straßenbahntrasse durch die Straße "Im Neuenheimer Feld" gewehrt. Jetzt scheint Uni-Rektor Bernhard Eitel kompromissbereit zu sein. Im RNZ-Gespräch erläutert er seine Vorstellungen einer Strecke durch den Campus und seinen Lösungsvorschlag für den Autoverkehr.

Können Sie mit dem Gemeinderatsbeschluss zur Straßenbahn ins Neuenheimer Feld eigentlich leben? Bis jetzt sagt der Beschluss ja nur, dass der Gemeinderat die Straßenbahn will. Auf dieser Basis hat der Oberbürgermeister jetzt ein Mandat, sich der Sache anzunehmen. Egal was am Ende dabei herauskommt, die Position der Universität ist ganz simpel: Wir wehren uns nicht gegen eine Campus-Bahn, wir sind sogar sehr dafür, wenn sie bestimmte Voraussetzungen erfüllt.

Was heißt das genau? Sie darf nicht kontaminieren, zum Beispiel im Sinne von Erschütterungen und Magnetfeldern. Aber da herrscht weitgehend Konsens. Und dann kann ich nicht akzeptieren, dass die Bahn den Campus zerschneidet. Im Augenblick ist geplant, die Bahn mit 50 Studentenkilometern über den belebten Campus fahren zu lassen und das auf einer zweigleisigen Trasse, die Sie absperren müssen. Niemand würde auf die Idee kommen, eine Straßenbahn mit dieser Geschwindigkeit durch eine Fußgängerzone fahren zu lassen. Und man will zusätzlich den Individualverkehr weiter über die Straße "Im Neuenheimer Feld" fahren lassen. Und da wird es absurd.

Warum? Entweder, das Argument ist richtig, dass die Bahn die Menschen rein in das und wieder raus aus dem Neuenheimer Feld bringt. Dann brauche ich den Individualverkehr nicht mehr in der jetzigen Form. Oder aber das Argument ist nicht richtig, dann brauche ich aber keine Straßenbahn.

Und was stellen Sie sich vor? Ich will, dass die Straße "Im Neuenheimer Feld" zurückgebaut wird zu einer reinen Innencampus-Erschließungsstraße zum Beispiel für Feuerwehr und Krankenwagen. Und ich will dann dort eine Straßenbahn zwischen Berliner Straße und Versorgungszentrum Medizin, die als Campus-Bahn fährt. Mit einem begehbaren Gleisbett, egal ob Rasen oder Stein, über das die Studenten gehen können ohne die Gefahr, dass sie eine Bahn mit 50 Stundenkilometern erfasst. Dann kann man mit mir über alles reden. Der Campus ist mit Tausenden von Studenten wie ein innerstädtischer Bereich, da kann ich mir keine zweigleisige Trasse wie auf der Berliner Straße vorstellen.

Sie möchten dann die Autos über den Klausenpfad führen? Der Individualverkehr soll raus auf die Klausenpfadtrasse, wenn es sein muss auch nur bis zum Versorgungszentrum.

Gibt es Reaktionen von der Stadt? Das wäre ja durchaus ein Kompromiss. Der Oberbürgermeister und der Baubürgermeister sehen die Chancen. Der Campus Neuenheimer Feld ist "der" Campus in Deutschland. Das ist ein Pfund, das Heidelberg wirtschaftlich und wissenschaftlich gar nicht hoch genug einschätzen kann. Und da draußen haben wir jetzt schon einen Verkehrsstrom zum Zoo und den anderen Einrichtungen am Neckar, die mit der Universität wenig zu tun haben. Was wir nicht zulassen können, ist, dass die Stadt ihre Erschließungsprobleme einseitig über den Campus und die Universität abfedert.

Und die fünfte Neckarquerung? Die fünfte Neckarquerung wäre sicherlich überlegenswert. Aber das ist eine politische Entscheidung der Stadt. Da mische ich mich nicht ein.

Ist der Klausenpfad denn die Bebauungsgrenze für Sie? Ja, alles andere ist doch Utopie. Aber wenn wir die neuen Bauprojekte auf den Freiflächen innerhalb des Campus realisieren, dann brauchen wir mit der Campus-Bahn eine Verkehrsführung des verbleibenden Individualverkehrs über den Klausenpfad. Denn es gibt jetzt schon Institute, für die wir kaum noch die erforderlichen technischen Voraussetzungen gewährleisten können, weil die Erschütterungen von der Berliner Straße so groß sind. Wir bauen aber in Zukunft immer sensiblere Geräte, für die der Verkehr eine immer größere Beeinträchtigung darstellt. Nimmt man keine Rücksichten auf die Bedürfnisse der Universität, dann sägt man in Heidelberg an dem Ast, auf dem man sitzt, von Arbeitsplätzen bis hin zu wissenschaftlicher Reputation. 80 Prozent der Heidelberger leben direkt und indirekt von Wissenschaft und Forschung. In unseren Berufungen in den Naturwissenschaften und in der Medizin sind wir in erster Linie so erfolgreich gerade wegen der hervorragenden interdisziplinären Vernetzung auf dem Campus Neuenheim, deshalb wollen exzellente Forscher nach Heidelberg. Der internationale Ruf Heidelbergs beruht nicht zuletzt auf diesem Campus.

 

Nachdem die Universität eine Straßenbahnerschließung des Uni-Campus über ein Jahrzehnt mit vorgeschobenen technischen Argumenten verhindert hat, lässt sie dieses Argument jetzt nach dem eindeutigen Beschluss des Gemeinderats fallen. Allerdings versucht Rektor Eitel noch einmal, die Straßenbahn dazu zu benutzen, um die Pläne der Universität nach Norden durchzusetzen. Die von ihm dafür vorgebrachten Argumente sind genauso wenig stichhaltig: Der Verkehr zum Zoo, zu den Sportstätten, zum Schwimmbad und zum Schwimmbad Musikclub findet zu anderen Zeiten statt als die Rush-Hour des Unigeländes. Insofern ergänzen sich diese Verkehre ideal. Es wäre absurd, dafür eine eigene zusätzliche Straße durch das Handschuhsheimer Feld zu bauen.

Bemerkenswert ist außerdem die Plattheit der Argumentation des Direktors eines Geographischen Instituts: " Entweder, das Argument ist richtig, dass die Bahn die Menschen rein in das und wieder raus aus dem Neuenheimer Feld bringt. Dann brauche ich den Individualverkehr nicht mehr in der jetzigen Form. Oder aber das Argument ist nicht richtig, dann brauche ich aber keine Straßenbahn." Es zeigt, dass dem Uni-Rektorat die Argumente ausgehen.

 

Mannheimer Morgen 16. September 2010

Nahverkehr: Am 22. September beschäftigt sich der Stadtentwicklungs- und Verkehrsausschuss mit der Erschließung des Geländes
Straßenbahn nimmt Kurs aufs Feld

Von unserem Redaktionsmitglied Daniel Bernock

Die Stadt will die schon seit Jahren diskutierte Anbindung des Neuenheimer Feldes an das Straßenbahnnetz voranbringen: Das Thema steht auf der Tagesordnung des Stadtentwicklungs- und Verkehrsausschusses, der am Mittwoch, 22. September über den aktuellen Stand der Verhandlungen informiert wird. Zum ersten Mal werden konkrete Daten genannt: Laut Informationsvorlage der Stadt Heidelberg könnte der frühestmögliche Baubeginn voraussichtlich Ende 2012 sein.

Die Universität steht dem Umbau der Straße "Im Neuenheimer Feld" weiterhin kritisch gegenüber: "Wir sind durchaus für eine Erschließung des Feldes, jedoch durch den Klausenpfad", sagt die Pressesprecherin der Universität, Marietta Fuhrmann-Koch. Die Bahnlinie durch die Straße "Im Neuenheimer Feld" durchschneide den Campus und damit die Forschung.

Trasse nicht durch Klausenpfad

Auch in dem Ausschuss sind die Mitglieder geteilter Meinung. Schon viel zu lange wird über die Anbindung des Gebiets diskutiert, findet Christian Weiss vom Bündnis 90/Die Grünen: "Wir sind mit dem ganzen Zeitablauf nicht zufrieden. Die Straßenbahn im Neuenheimer Feld muss jetzt angegangen werden." Er findet die Zweifel der Universität unberechtigt. "Die Straßenbahn in Mannheim durchschneidet doch auch nicht die Planken." Auch Irmtraud Spinnler von der SPD steht der Erschließung positiv gegenüber: "Die Ängste der Universität und der Klinik sind unberechtigt und wurden durch Gutachten bereits ausgeräumt." Sie ist froh, dass sich endlich eine Mehrheit gefunden hat und die "richtige Trasse" nun festgelegt wurde. Diese soll durch die Straße "Im Neuenheimer Feld" verlaufen und nicht wie von der Uni-Klinik gefordert durch den Klausenpfad. Dr. Jan Gradel von der CDU zweifelt an der Wirtschaftlichkeit der neuen Bahnstrecke: "Straßenbahnen sind immer defizitär. Es macht wenig Sinn - gegen den Willen des Grundstücksbesitzers - eine Bahn im Kreis fahren zu lassen." Für ihn würde eine fünfte Neckarüberquerung Sinn machen, mit der die Bahn Anschluss in Wieblingen hätte. Er zweifelt daran, dass mehr Fahrgäste die Tram nutzen würden als bisher den Bus. Spinnler sieht das anders: "Die Busse haben einfach nicht genügend Kapazitäten." Vor allem für Patienten der Klinik böten Bahnen viel mehr Platz und Komfort. "Auch der Freizeitverkehr zum Zoo und zum Schwimmbad wird durch die Erschließung viel besser abgedeckt", sagt sie.

Um die sensiblen Geräte in Klinik und Universität nicht zu irritieren, nahm die Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (RNV) Züge mit Supercap-Technologie in Betrieb. Diese Bahnen können ohne Strom aus der Oberleitung fahren und sollen speziell auf der Neubaustrecke ins Feld eingesetzt werden.

Im Dezember 2010 soll der Antrag auf Planfeststellung beim Regierungspräsidium in Karlsruhe eingereicht werden. Hierfür werden momentan noch Gutachten zur elektromagnetischen Verträglichkeit, Lärm und Erschütterung erarbeitet, außerdem ein verkehrstechnisches Gutachten und ein landschaftspflegerischer Begleitplan. Am 30. September wird die Erschließung des Neuenheimer Feldes wieder im Gemeinderat thematisiert.

 

Nachdem der Universitätsleitung schon vor einiger Zeit die Argumente gegen eine Straßenbahnerschließung des Neuenheimer Feldes ausgegangen waren, hat sie nun ein neues entdeckt. Pünktlich, nachdem die Fahrbahndecke der westlichen Berliner Straße erneuert wurde, fordert die Universitätsleitung jetzt u.a., als Voraussetzung für eine Straßenbahnerschließung die "Fahrbahndecke auf der Berliner Straße durch einen besonders lärmarmen Belag " wieder auszutauschen...

 

"Wir gehen den Weg weiter"           RNZ 29.9.2010

mün. Oberbürgermeister Eckart Würzner will wie geplant das Planfeststellungsverfahren für die Straßenbahntrasse durch den Campus im Neuenheimer Feld beim Regierungspräsidium beantragen. Daran ändere auch der Brief der Universität, mehrerer Institute und Forschungseinrichtungen nichts, der vergangene Woche bekannt wurde. Darin hatten die Leiter der Einrichtungen gefordert, dass auch die Berliner Straße am Rande des Campus weniger Lärm und Erschütterungen verursachen dürfe. Es wurde gedroht, dass man dann doch im Handschuhsheimer Feld neue Labore bauen müsste, um besser forschen zu können.

"Die Erschütterungen gibt es, seit die Straße gebaut ist und dort die Straßenbahn fährt", sagte Würzner. Außerdem sorge jede Baumaßnahme in der Berliner Straße, wie etwa für das geplante Campus-Hotel, für Erschütterungen. "Das Schreiben der Universität hat sehr viele Punkte aufgeworfen, die im Vorfeld nicht genannt wurden", gab sich das Stadtoberhaupt diplomatisch, nicht alle hätten etwas mit der geplanten Straßenbahn zu tun. "Wir sind daran interessiert, das Projekt im Konsens zu realisieren", so Würzner, unterschiedliche Meinungen könnten im Planfeststellungsverfahren geklärt werden. Im letzten Jahr noch hatten Unirektor Bernhard Eitel und Unibauamtsleiter Rolf Stroux erklärt, bei einem autofreien Campus könne man sich dort eine Straßenbahn vorstellen. Würzner glaubt: "Diese Position seitens des Rektorats besteht noch immer." Er sieht den Gemeinderat im laufenden Verfahren an seiner Seite und sagt deshalb: "Wir haben eine klare Entscheidung getroffen, den Weg werden wir jetzt weitergehen."

Mannheimer Morgen 14. Dezember 2010

Nahverkehr: Antrag auf Linie ins Neuenheimer Feld abgegeben
Campusbahn rückt näher

Die Stadt Heidelberg will die sogenannte "Campus-Linie" endgültig durch die Straße Im Neuenheimer Feld führen. Dieser Trassenverlauf steht im Antrag zur Planfeststellung, den Oberbürgermeister Dr. Eckart Würzner mit Vertretern des ÖPNV nun an das Regierungspräsidium übergeben hat. Die neue Straßenbahn soll das Universitätsgebiet im Neuenheimer Feld mit dem Campus Bergheim und der Altstadt verbinden und den Auto-Verkehr nachhaltig reduzieren.

Die Universität pochte bis zuletzt auf eine Trasse durch den weiter nördlich verlaufenden Klausenpfad, weil diese den Campus nicht zerschneide. Außerdem fürchtete die Uni wegen elektromagnetischer Strahlung und Erschütterungen durch die Straßenbahn eine Beeinträchtigung der Forschung. In beiden Punkten kam die Stadt der Ruperto Carola weit entgegen. So schaffte die Rhein-Neckar-Verkehr GmbH spezielle Bahnen an, die auf sensiblen Streckenabschnitten teilweise ganz ohne Strom fahren können. Der Zerschneidung des Campus wolle man durch eine besondere Gestaltung der Gleise vorbeugen: So werden alle Haltestellen barrierefrei ausgebaut, auf Geländer entlang der Trasse könne weitgehend verzichtet werden und das Gleisbett soll durchgehend begehbar sein. tir

Erfreulich ist, dass Oberbürgermeister Dr. Eckart Würzner den vom Gemeinderat beschlossenen Weg einer Prüfung aller Fragen durch die zuständige Behörde, das Regierungspräsidium Nordbaden, konsequent weitergeht.

Am 12. April 2011 erschien im Mannheimer Morgen ein interessanter Artikel, aus dem sich Schlüsse über die langfristige Perspektive der Universitätsspitze ziehen lassen. Weil die meisten Bauten der letzten Jahrzehnte im Neuenheimer Feld aufgrund eines veralteten Bebauungsplans nur 2 bis 3-stöckig und damit extrem flächenverbrauchend gebaut wurden, stößt die Universität langsam an Grenzen.

Anstatt jedoch mit einer langfristigen Ausdehnung ins Handschuhsheimer Feld zu rechnen, sollte stattdessen besser die zulässige Geschoßflächenzahl im Bebauungsplan Neuenheimer Feld erhöht und die Flächen im Campus II in der Bahnstadt genutzt werden.

Prof. Eitel verweist in diesem Interview zum wiederholten Mal auf "Verträge aus den 60er Jahren", die angeblich einer Straßenbahn durch das Neuenheimer Feld entgegenstehen würden. Dass es genau umgekehrt ist, lässt sich in einer Veröffentlichung dieser bisher geheim gehaltenen Verträge im Jahrbuch Handschuhsheim 2011 nachlesen. 

Der Klausenpfad ist schon wieder vom Tisch          RNZ 22.2.2013

mün. Unirektor Prof. Bernhard Eitel war gekommen, Uni-Bauamtsleiter Rolf Stroux ebenfalls. Hinter verschlossenen Türen warben sie am Mittwoch für die vertrauliche Beschlussvorlage von Oberbürgermeister Eckart Würzner, dass man darüber reden müsse, ob der Autoverkehr im Neuenheimer Feld doch in den Klausenpfad verlegt wird. Ohne Erfolg.

Würzners Sprecher Achim Fischer betont, dass es keine inhaltliche Diskussion über die Verkehrsverlagerung geben sollte. Vielmehr ging es im Stadtentwicklungsausschuss des Gemeinderates um die Verfahrensfrage, wie man mit dem konkreten Wunsch der Hochschuleinrichtungen umgehe. Dem OB hatte eine öffentliche Diskussion mit Bürgerschaft und politischen Gremien vorgeschwebt. Die Verfahrensfrage ließ er aber nur hinter verschlossenen Türen diskutieren. In dem Ausschuss haben die Konservativen mit Würzner die Mehrheit. Laut Fischer habe das Gremium den Vorschlag "positiv aufgegriffen", aber ohne einen Beschluss der Politik solle jetzt im Rahmen eines "Masterplanes" für den Verkehr im Campus darüber gesprochen werden.

Sitzungsteilnehmer erzählen den Ablauf der Diskussion etwas anders. Als Würzners vertraulicher Beschlussvorschlag über einen Antrag in die öffentliche Sitzung des Gemeinderates gehoben werden sollte, da habe er sich auf die Position zurückgezogen, man könne das Thema auch ohne politischen Beschluss diskutieren. Man habe den Eindruck gehabt, Würzner stehe der Frage einer Verkehrsverlagerung in den Klausenpfad nicht unbedingt positiv gegenüber. Denn das würde Aufruhr in Handschuhsheim bedeuten, weil man dort fürchtet, das Freigelände könnte von der Uni beansprucht werden; eine Diskussion vor dem anstehenden Kommunal- und OB-Wahlkampf, die ungelegen käme.

Jetzt sei das Thema Autoverkehr im Klausenpfad erst einmal vom Tisch, heißt es aus dem Gremium. Die Fraktion Bündnis90/Die Grünen hatte schon im Vorfeld mit dem Slogan "Hände weg vom Handschuhsheimer Feld" gegen Würzners Antrag getrommelt: Dies wäre ein erster Schritt zur Bebauung des Areals. Die SPD-Fraktion kritisiert, Würzner habe nebenbei in einer vertraulichen Sitzung eine "Kehrtwende in der Verkehrspolitik" einläuten wollen. Um eine Ausdehnung der Hochschule ins Handschuhsheimer Feld zu verhindern, dürfe der Klausenpfad für den Autoverkehr nicht ausgebaut werden.

 

Rhein-Neckar-Zeitung Online 24.06.2014

Die geplante Campus-Straßenbahn nimmt wichtigste Hürde

Das Regierungspräsidium übergibt den Planfeststellungsbescheid für das Neuenheimer Feld - Ob die Uni dagegen klagt, bleibt noch offen

Von Micha Hörnle

Soll die Straßenbahn ins Neuenheimer Feld nach 22 Jahren Diskussion wirklich kommen? Regierungspräsidium, Stadt und die Nahverkehrsunternehmen RNV und HSB sind sich da sicher. Denn gestern übergab Regierungspräsidentin Nicolette Kressl den Planfeststellungsbescheid für die neue, 2,5 Kilometer lange Trasse der Linie 21 durch das Campusareal. Damit ist eine der beiden Voraussetzungen erfüllt, damit die Arbeiten vergeben werden können - die andere ist ein Zuschussbescheid des Bundes (der wird gegen Jahresende erwartet). Denn schließlich gehört die etwa 37,5-Millionen-Euro teure Straßenbahn ins Neuenheimer Feld zum Gesamtpaket "Mobilitätsnetz", mit dem das Tramnetz für über 160 Millionen Euro bis 2019 ausgebaut werden soll.

Der hartnäckige Widerstand der Uni gegen die Straßenbahntrasse spielte gestern kaum eine Rolle - eher indirekt, als Kressl sagte, dass die neue Linie "bei all den unterschiedlichen Betrachtungen, die es gegeben hat oder gibt, viel Akzeptanz finden wird". Ansonsten sprach man von einem "Meilenstein für den Nahverkehr in Heidelberg" (OB Eckart Würzner), einem "wichtigen Tag für die HSB" (HSB-Chef Michael Jäger) oder davon, dass "die neue Straßenbahn helfen soll, den Verkehr im boomenden Neuenheimer Feld zu bewältigen" (RNV-Geschäftsführer Martin in der Beek). Auch für Kressl "besteht die Notwendigkeit, hier die Infrastruktur zu verbessern": "15.000 Beschäftigte, 14.000 Studenten, 93.000 Patienten, 69.000 Übernachtungen in der Jugendherberge und 600.000 Zoobesucher sprechen eine deutliche Sprache."

Die Uni war gestern nicht eingeladen, und so hieß es knapp aus dem Rektorat: "Wir kennen den Inhalt des Planfeststellungsbeschlusses nicht und können uns deswegen auch noch nicht äußern." Zumindest steht die immer wieder von Unirektor Bernhard Eitel angekündigte Klage gegen die Trasse im Raum - auch wenn Stadt und Nahverkehrsunternehmen nicht mehr damit rechnen: "Die Einwendungen der Universität wurden berücksichtigt", so Würzner gegenüber der RNZ: "Die Planungen wurden geändert, es gibt noch mehr erschütterungslose Gleisanlagen und stromfreie Trassen, die die den Elektrosmog für die Institute vermeiden. Außerdem bin ich fest davon überzeugt, dass die Straßenbahn für die Kliniken einen riesigen Mehrwert bedeutet. Meine Gespräche mit dem Rektor waren von einer grundsätzlichen Akzeptanz der Straßenbahn gegenüber geprägt."

Wenn die Uni nun nicht doch noch Steine in den Weg legt, erwartet man für Frühjahr 2015 den ersten Spatenstich. Ab 2017 soll die neue Tram dann 10.000 zusätzliche Fahrgäste in den Campus transportieren.

 
Lesermeinung  
 
Von Peter am Dienstag, 24.06.2014 um 12:22 Uhr
Die geplante Campus-Straßenbahn nimmt wichtigste Hürde

Die Uni könnte wohl kaum einen peinlicheren Schritt unternehmen, als gegen dieses Geschenk von Stadt und Land auch noch zu klagen?
Sie steuert doch schließlich keinen Cent zu diesem Projekt bei, das die Verkehrsinfrastruktur ihrer Einrichtungen wesentlich verbessern wird?
Ob man nicht sogar etwas wie Dankbarkeit von Seiten der Universitätsleitung erwarten könnte?

 

 

 

 

Rhein-Neckar-Zeitung Online 25.07.2014

Universität klagt gegen die Straßenbahn ins Neuenheimer Feld

Die Uni reicht Klage gegen die Planung ein - Rektor Eitel sieht die Existenz des Botanischen Gartens und ganzer Institute gefährdet

Von Holger Buchwald

Fast schien es so, als sei die Straßenbahn ins Neuenheimer Feld schon aufs Gleis gesetzt. Stadt und Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (RNV) zumindest waren bester Dinge, als Regierungspräsidentin Nicolette Kressl ihnen am 23. Juni den Planfeststellungsbescheid für das Millionenprojekt übergab. "Die Einwendungen der Universität wurden berücksichtigt", hatte Oberbürgermeister Eckart Würzner damals noch behauptet, er rechne nicht mit einer Klage. Doch dem widersprach Rektor Bernhard Eitel gestern heftig. Auf einige elementare Forderungen der Ruperto Carola sei überhaupt nicht eingegangen worden. Daher habe man sich dazu entschlossen, gemeinsam mit dem Max-Planck-Institut für öffentliches Recht vor dem Verwaltungsgericht gegen den Bescheid zu klagen.

"Wir sind gar nicht grundsätzlich gegen die Straßenbahn, solange unsere Belange berücksichtigt werden", betonte Eitel auf einer eilig anberaumten Pressekonferenz in der Alten Universität. Die aktuellen Planungen verletzen in seinen Augen das Eigentum der Ruperto Carola und verstoßen damit gegen Artikel 14 des Grundgesetzes. Das Neuenheimer Feld sei der Universität als Sondernutzungsgebiet zur Verfügung gestellt worden. Durch den Planfeststellungsbescheid werde die Hochschule nun ihres Selbstgestaltungsrechts und ihrer Entwicklungsmöglichkeiten beraubt.

Konkret werden die Befürchtungen Eitels am Beispiel des Botanischen Gartens. Nach den bisherigen Plänen soll die Straßenbahntrasse nämlich nördlich des Hofmeisterwegs verlaufen. Dadurch würden der Lehr- und Forschungseinrichtung aber 1500 Quadratmeter Fläche weggenommen, so deren Leiter Prof. Marcus Koch. Weitere 3500 Quadratmeter wären nur noch eingeschränkt nutzbar. Die nachgebaute Alpenlandschaft würde angeschnitten, aber auch viele Bäume des Buchenwaldes und des Arboretums sowie die als Ring angelegten Lehrwege müssten der Tram weichen. Koch: "Das ist ein großer Bereich für Forschung und Lehre, der komplett wegfällt." Jährlich kommen nach seinen Angaben 50.000 Besucher in den Botanischen Garten, weitere 70.000 Gäste stellen die Studenten und Mitarbeiter der universitären Einrichtungen im Neuenheimer Feld, 5000 Kinder und Jugendliche besuchen die "Grüne Schule".

Alexander Matt, Baudezernent der Universität, hat einen Vorschlag parat, wie der Botanische Garten gerettet werden könnte. Das Gebäude "Im Neuenheimer Feld 154" könnte abgerissen werden und die Bahn dorthin verlegt werden. Und das wäre in seinen Augen sogar kostenneutral. Schließlich wurde der Wert der Gartenlandschaft im Jahr 2007 auf rund zwei Millionen Euro geschätzt.

Ganze Institute sieht Rektor Eitel entlang der Straße "Im Neuenheimer Feld" gefährdet, wenn der Planfeststellungsbescheid so umgesetzt werden sollte. Die Universität lobt zwar, dass die Planer der Straßenbahn im Bereich der Kopfklinik und des DKFZ auf hochempfindliche Untersuchungsgeräte Rücksicht genommen haben, dort ohne Oberleitungen auskommen und auch die Erschütterungen mit allen Mitteln abfedern wollen. Ähnliches ist im Bereich der Geowissenschaften und des Physikalisch-Chemischen Instituts aber nicht vorgesehen. Die Folgen für die Grundlagenforschung dort wären enorm, wie Dr. Thomas Ludwig erklärt. Experimente mit dem Rastertunnelmikroskop oder der großen Ionensonde, die erst kürzlich für 4,5 Millionen Euro angeschafft wurde, seien dann praktisch nicht mehr möglich.

Dabei bringe, so Rektor Eitel, die Straßenbahn ins Neuenheimer Feld gar nicht den gewünschten Effekt. Laut einem Gutachten der Verkehrspolizei, das ebenfalls in den Planfeststellungsbescheid einfloss, werde der Autoverkehr durch die Tram nur in geringem Maße reduziert. Die Stadt wolle mit der Bahn vor allem den Zoo und andere städtischen Einrichtungen einbinden, so der Rektor. Die Uni werde sich der Straßenbahn trotzdem nicht verschließen, wenn die demokratische Mehrheit diese wolle. Die Tram müsse aber überall in den sensiblen Bereichen strom- und erschütterungsfrei fahren: "Wir klagen nicht, weil es uns Spaß macht, sondern weil wir es nicht anders verantworten können." Die Klageschrift ist fast fertig. Bis zum 30. Juli muss sie eingereicht werden.

     
Lesermeinung
 
Von trambahn am Freitag, 25.07.2014 um 08:53 Uhr
Uni: Nichts gegen die Tram - aber nicht hier

Nein, die Strassenbahn bringt nichts. Zumindest nicht für diejenigen, die Sonderrechte und Sonderparkplätze haben. Wie gewöhnliche Angestellte, Patienten und Studenten in die hinteren Ecken des Feldes kommen sollen, ist ja den oberen egal.
Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, wie das funktionieren soll wenn die Chirurgie auch noch in den am schlechtesten erreichbaren Teil des Feldes verlegt wird?
Der Bus ist doch einfach zu nichts zu gebrauchen, weil sein Fahrplan völlig zufällig ist und jedweder Anschluss am Hbf verpasst wird.
Wenn die Uni und die Stadt hier nicht an einem Strang ziehen, sehe ich schwarz für den Klinik- und Wissenschaftsstandort.

Von Mitleser am Freitag, 25.07.2014 um 09:44 Uhr
Das "Heidelberger Sommertheater" ist also eröffnet.
Lehnen wir uns entspannt zurück und genießen die Aufführung.

AW: Uni: Nichts gegen die Tram - aber nicht hier - wie immer - 25.07.2014 09:58
also auch hier wie immer, dort sollen also teile des Botanische Garten platt gemacht werden, die letzte grüne Lunge in diesem massiv zugebauten Gebiet, Wahnsinn...wer plant diesen irrsinn?

Uni: Nichts gegen die Tram - aber nicht hier - Beobachter - 25.07.2014 10:04
Die Hintergründe des Sommertheaters lassen sich gut hier nachvollziehen:
http://www.tiefburg.de/strab-nhf.htm
Amüsant ist u.a. die Wandlungsfähigkeit der Argumenatation der Uni-Oberen gegen die Straßenbahn. Botanischer Garten kam bisher noch nie.

AW: Uni: Nichts gegen die Tram - aber nicht hier - Kartoffelsalat - 25.07.2014 10:13

"Botanischer Garten kam bisher noch nie."
Ist halt Elite-Uni. Innovativ ohne Ende.
     

AW: Uni: Nichts gegen die Tram - aber nicht hier - trambahn - 25.07.2014 19:21

Innovativ wäre das hier:
http://www.rothenhoefer-wiesloch.de/bahn/Aerobus.html
OK, ist von 1975, aber es gäbe keine Probleme mit Erschütterungen und der Platzbedarf wäre geringer. Und jetzt komm bitte keiner mit hässlich und so, die Mittermeierstrasse ist ja so wie sie ist auch nicht wirklich schön.
        

AW: Universität klagt gegen die Straßenbahn ins Neuenheimer Feld - Beschäftigte - 25.07.2014 20:10

In Wikipedia lese ich dazu:
"Als hauptsächliche Nachteile gelten ... sowie die mühsame Evakuation der Fahrgäste im Notfall....
Bei einer der ersten Probefahrten musste der damalige Mannheimer Bürgermeister Ludwig Ratzel wegen eines technischen Defekts mühsam mit einer Drehleiter aus einer stehengebliebenen Bahn befreit werden."
Na ja, ich glaub, für mich wär das nix.

Heiliger Florian: Im Prinzip ja, aber dann doch nicht - Fahrer - 25.07.2014 10:05
Ein Quadratkilometer dicht gepackte Lehr- und Arbeitsplätze und keine Verkehrsinfrastruktur. Keine.
Das kann echt nur eine Elfenbeinturm-Eliteuni.

Uni: Nichts gegen die Tram - aber nicht hier - Highdelberger Leser - 25.07.2014 10:28
Jetzt wird wieder die nächste Sau durchs Dorf getrieben.
Ist man mit den ursprünglichen Argumenten nicht durchgekommen, werden sich irgendwelche fadenscheinigen neuen Argumente aus den Fingern gesogen.
Die feinen Herrn Uniprofessoren und Führungspersönlichkeiten können ja auch schön mit ihren dicken Schlitten zur Universität fahren. Die "normalen" Studenen, Mitarbeiter und Besucher dürfen sich dann gerne weiter in volle Busse quetschen, hat die ja nicht zu kratzen.
Infrastrukturprojekte in Heidelberg, ein Ding der Unmöglichkeit...

Universität klagt gegen die Straßenbahn ins Neuenheimer Feld - Franz Noack - 25.07.2014 16:18
Da wird jetzt geklagt bis alle schreien: Wir brauchen die 5te Neckarquerung! Dann haben haben die "Herrn" ihr Ziel erreicht...Wenn man bedenkt, dass vor Jahren, für 25 Millionen Euro neue Straßenbahnen für diese Strecke gekauft wurden und die nie eingesetzt werden....fragt man sich schon, wer bezahlt das?! Die dummen Fahrgäste?! Parkraumbewirschaftung,Jobticket für was? Ich frage mich schon: Was machen die Verantwortlichen eigentlich beruflich?!

 

Näheres zum Thema ist im Jahrbuch 2013 des Stadtteilvereins Handschuhsheim zu lesen.


18. Dezember 2014
: Der VGH gibt im vorläufigen Eilverfahren den Klägern gegen die Straßenbahn Recht. Dadurch kann die Rhein-Neckar-Verkehr GmbH vom Planfeststellungsbeschluss des Regierungspräsidiums Karlsruhe vom 10. Juni 2014 für den Neubau der Straßenbahnlinie Im Neuenheimer Feld ("Universitätslinie“) vorläufig keinen Gebrauch machen.

Februar 2015: Um sich mit den Klägern gegen die Straßenbahn außergerichtlich zu einigen, verhandelt Oberbürgermeister Dr. Eckart Würzner und die Stadtverwaltung mit den Klägern und kommt ihnen weit entgegen. Zusätzlich zum Planfeststellungsbeschluss des Regierungspräsidiums soll

bulletdie Trasse zwischen Kopfklinik und Mathematikon statt hochelastischer Lagerung in dem noch besseren Masse-Feder-System gelagert werden,
bulletim Bereich der Institute Rechenzentrum, Physikalische Chemie und Geowissenschaften bis zum Mathematikon ein stromloser Abschnitt eingerichtet werden
bulleteine geänderte Trassenführung außerhalb des Botanischen Gartens und
bulleteine Geschwindigkeitsbegrenzung im Streckenbereich zwischen Kopfklinik und der Haltestelle Geowissenschaften / Technologiepark von 31 km/h für die Straßenbahn angeordnet werden.
bulletDer Forderung des MPI auf eine zweite Ausfahrt nach Norden wird nachgekommen.

Diese Vorgehensweise wird am 5.3.2015 von einer großen Mehrheit des Gemeinderats mit 37 Ja- gegen 6 Nein--Stimmen gebilligt. In einer nicht-öffentlichen Gemeinderatssitzung am Tag zuvor erklärten allerdings die Kläger, vor allem das DKFZ und das MPI für Völkerrecht, dass sie die Klagen gegen die Straßenbahn nicht zurückziehen werden, obwohl Oberbürgermeister Dr. Würzner und Wissenschaftsministerin Bauer die Forschungseinrichtungen zuvor noch dringend um Kompromissbereitschaft gebeten hatten. Gleichzeitig kündigten die Kläger interessanterweise an, dass sie ihre Einrichtungen in Zukunft im Neuenheimer Feld um 40% bis 50% erweitern möchten. Diese Nachverdichtung ginge weit über den bisherigen Bebauungsplan "Neuenheimer Feld" hinaus und wäre ohne ein modernes Massenverkehrsmittel in Form einer Straßenbahn nicht denkbar. Diese Nachverdichtungspläne waren auch Gegenstand der Gespräche im Rahmen des Masterplans Neuenheimer Feld zwischen Verwaltung und Universität gewesen, ohne dass sie bisher mit der Notwendigkeit einer Straßenbahnerschließung verknüpft worden wären.

Anstatt diese Verknüpfung nun herzustellen, sollte der Gemeinderat am 5.3.2015 einer Beschlussvorlage zustimmen, daß umgehend „gutachterliche Untersuchungen mit dem Ziel der besseren Verkehrserschließung des Neuenheimer Feldes" durchgeführt werden. Dabei sollten ausdrücklich „alle bislang bekannten Erschließungswege wie zum Beispiel der Ausbau des Klausenpfads für den Kraftfahrzeugverkehr und eine fünfte Neckarquerung für alle Verkehrsträger" untersucht werden. Darin eingeschlossen wären auch die Varianten eines Nordzubringers durch das Handschuhsheimer Feld. Die Arbeiten sollten „im ersten Halbjahr 2015 beginnen und in enger Abstimmung zwischen der Stadt Heidelberg und dem Universitätsbauamt beziehungsweise der Universität Heidelberg und anderer Anlieger durchgeführt" werden. Nach längerer Diskussion, in der sich vor allem Wolfgang Lachenauer (HEIDELBERGER) und Werner Pfisterer (CDU) vehement für diese Vorgehensweise einsetzten, stimmten in der Gemeinderatssitzung am 5.3.2015 geschlossen CDU, HEIDELBERGER, FDP, FWV, AfD, Waseem Butt (CDU/gen hd) und Oberbürgermeister Würzner dafür. Nach guten Redebeiträgen von Hans-Martin Mumm (GAL), Dr. Anke Schuster (SPD), Beate Deckwart-Boller (GRÜNE), Peter Holschuh (GRÜNE) und Dr. Arnulf Weiler-Lorentz (Bunte Linke) stimmte eine Mehrheit von SPD, GRÜNEN, GAL, BL, Linke, Piraten, HDp&e und Michael Pfeiffer (gen hd) dagegen. Dadurch wurde der Nordzubringer wie auch der Ausbau des Klausenpfads und die 5. Neckarquerung als Alternative zur bisher von der Unispitze abgelehnten Straßenbahn nicht wieder aus der Schublade geholt und erstmals die Wünsche einer Nachverdichtung im Neuenheimer Feld zum Thema gemacht.

Wenn sich Universität, DKFZ und andere Einrichtungen im Neuenheimer Feld in Zukunft deutlich über die im bisherigen Bebauungsplan vorgesehene Baudichte erweitern wollen, ginge das nur mit einer Straßenbahn. Wenn die Straßenbahn durch diese Institutionen aber verhindert wird, wird eine Nachverdichtung im Neuenheimer Feld nicht möglich sein. Die Universität könnte dann z.B. im Campus Bahnstadt oder auf den Konversionsflächen expandieren. Das Bauplanungsrecht liegt in den Händen des Gemeinderats. Es ist gut, dass sich die Mehrheit des Gemeinderats dieses Recht nicht durch interne Verhandlungen der Stadtverwaltung mit der Unispitze aus der Hand nehmen lässt.

Informativer Bericht und Kommentar des Rhein-Neckar-Fernsehens zum Thema

Rhein-Neckar-Zeitung 11.07.2015

Würzner: "Ohne Campus-Straßenbahn droht der Verkehrskollaps"

Der Oberbürgermeister fordert die Universität auf, endlich ihre Klage zurückzuziehen - Wird nicht bald gebaut, droht das Aus

Von Holger Buchwald

Im Streit um die Straßenbahn ins Neuenheimer Feld verliert Eckart Würzner so langsam die Geduld. "Die Universität soll endlich ihre Klage vor dem Verwaltungsgerichtshof zurückziehen", fordert der Oberbürgermeister. All ihre Forderungen seien erfüllt, es liege nun an der Uni, sich für ein zukunftsfähiges Nahverkehrssystem zu entscheiden. Andernfalls bestehe die Gefahr, dass die Verkehrsprobleme des Campus noch Jahrzehnte andauern.

"Wenn wir jetzt nicht bald bauen können, bleibt alles so, wie es ist", befürchtet auch Martin in der Beek, Technischer Geschäftsführer der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (RNV). Das Problem: Nachdem die Universität, das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) und das Max-Planck-Institut für öffentliches Recht und Völkerrecht (MPI) gegen den Planfeststellungsbeschluss des Regierungspräsidiums geklagt hatten, verhängte der Verwaltungsgerichtshof (VGH) im Zuge des einstweiligen Rechtsschutzes einen Baustopp. Die Campus-Bahn müsste aber bis Ende 2019 fertiggestellt und abgerechnet sein, denn dann läuft das Förderprogramm von Bund und Ländern aus. Bisher würden die Baukosten noch mit bis zu 80 Prozent bezuschusst. "Wenn die Klage jetzt nicht zurückgezogen wird, verliert die Stadt 24 Millionen Euro", macht Würzner den Ernst der Lage klar. Ohne dieses Geld sei die Straßenbahn nicht finanzierbar.

Während Würzner zuversichtlich ist, dass sich die Stadt mit den beiden anderen Klägern einigen könnte, denkt die Universität derzeit nicht daran, ihren Widerstand aufzugeben. "Die Klage kann nicht zurückgezogen werden. Das endgültige Urteil des VGH bleibt abzuwarten", sagt Bernd Müller von der zuständigen Landesbehörde Vermögen und Bau Baden-Württemberg, auf Anfrage der RNZ. Zwar seien Stadt und RNV der Universität mit umfangreichen Planänderungen entgegengekommen, doch die grundlegenden Probleme der Trassenführung durch die Straße "Im Neuenheimer Feld" seien dadurch nicht gelöst. Unirektor Bernhard Eitel hatte in diesem Zusammenhang von der "Zerschneidung des Campus" gesprochen.

Der Bau der Straßenbahn werde wegen des auslaufenden Förderprogramms von Tag zu Tag schwieriger, fürchtet in der Beek. Doch in diesem Jahr ist nicht mehr mit einer Entscheidung des Fünften Senats zu rechnen, so VGH-Sprecher Thomas Haller. Damit schließt sich das Zeitfenster für die Campus-Bahn. In der Beek rechnet mit einer Bauzeit von zwei bis drei Jahren.

Würzner kann den Widerstand der Universität nicht mehr verstehen: "Wir haben ständig nachverhandelt." Als der VGH den Baustopp verhängt habe, sei bereits ein unterschriftsreifer Vertrag bei Rektor Bernhard Eitel auf dem Tisch gelegen. Doch nun werde alles wieder infrage gestellt. Dabei wollten Stadt und RNV mit 24 Einzelmaßnahmen die Wünsche der Kläger erfüllen: Kleinere Trassenverlegungen, weitere Abschnitte, in denen die Straßenbahn stromlos fahren kann, besserer Erschütterungsschutz für die empfindlichen Geräte der Forscher. Die daraus entstandenen Mehrkosten beziffert Würzner auf 3,6 Millionen Euro. Die Stadt sei sogar bereit, diese mit eigenen Mitteln zu stemmen. Und das, obwohl das Neuenheimer Feld eigentlich das "Betriebsgelände der Universität" sei.

Mit dem Neubau der Chirurgie wird derzeit der Klinikring im Neuenheimer Feld geschlossen. Ohne die neue Straßenbahn drohe dem Campus daher der Verkehrskollaps, davon ist Würzner überzeugt. "In den letzten acht Jahren ist die Anzahl der Beschäftigten im Neuenheimer Feld um 36 Prozent, die der ambulanten Besucher um 25 Prozent gestiegen." Es gebe dort auch 30 Prozent mehr Studenten als noch vor zehn Jahren. "Wir brauchen daher dringend ein massentaugliches Verkehrsmittel", sagt auch Baubürgermeister Bernd Stadel. Er belegt dies mit den Zahlen der letzten Verkehrszählung. Demnach sitzen in jedem Pkw, der ins Neuenheimer Feld fährt, durchschnittlich 1,1 Personen. In einen Gelenkbus passen maximal 100 Fahrgäste, doch eine Straßenbahn kann bis zu 250 Passagiere auf einen Schlag in den Campus bringen.

Laut in der Beek hat die RNV in dem Bereich, den die Straßenbahn erschließen soll, schon heute 7000 Fahrgäste täglich. Er ist überzeugt: "Wir könnten die Anzahl der Passagiere verdoppeln."


Drei Tage später kam die Antwort des Uni-Rektors. Zum wiederholten Mal schlägt er als Lösung die Führung der Straßenbahn über den Klausenpfad vor und behauptet, "Bei solch einer Ringerschließung müsste jeder Fahrgast maximal 200 Meter von der Haltestelle zu seinem Ziel zu Fuß gehen." Er verschweigt, dass eine solche Straßenbahnführung
bulletdie vom Fahrgastaufkommen her zweitwichtigste Haltestelle im Neuenheimer Feld (Technologiepark/Geologische Institute) nicht bedienen würde und z.B. Fußwege zum größten Hörsaal auf dem Campus von 450 m oder von 650 m zum Bioquant-Gebäude bedeuten würde,
bulletauf einer Länge von 1200 m zwischen Kopfklinik und Heiligenbergschule überhaupt keine Haltestelle hätte,
bulletvier enge Kurven fahren müsste und die Beförderung auf dieser Strecke eine fahrgastunfreundliche Karussellfahrt wäre,
bulletkeine Verbindung zwischen den Kliniken, den Studentenwohnheimen und der DJH und den zukünftigen Lebensmittelmärkten (ALDI und REWE) im Mathematikon und einem eventuellen Campushotel ermöglichen würde und
bulletmittelfristig der Einstieg in die Bebauung des Handschuhsheimer Felds wäre.

Aufschlussreich ist, dass der Unirektor Letzteres inzwischen nur noch für die "nächsten 20 bis 30 Jahre" ausschließt.  Außerdem würde eine Führung über den Klausenpfad die Klagegrürnde des DKFZ und des Unterländer Studienfonds nicht beseitigen.
 

Rhein-Neckar-Zeitung 14.07.2015

Campus-Bahn: Uni will weiter die "Ringerschließung" im Neuenheimer Feld

Unirektor Eitel: Campus-Bahn könnte im Klausenpfad sofort gebaut werden - Rektor wehrt sich gegen die Vorwürfe des Oberbürgermeisters

Von Holger Buchwald

Die Universität Heidelberg weist die Vorwürfe von Oberbürgermeister Eckart Würzner zurück, dass sie den Bau einer Straßenbahn ins Neuenheimer Feld blockiere. Das Hauptproblem liege darin, dass der Klausenpfad im Norden des Campus aus politischen Gründen zur Tabuzone erklärt worden sei. "Hätte man dort die Bahn gebaut, wie es ursprünglich zwischen Oberbürgermeister, Land und Universität vereinbart worden ist, könnte sie vielleicht schon fahren", sagte Uni-Rektor Bernhard Eitel auf RNZ-Anfrage.

Auf keinen Fall könnte er Plänen zustimmen, die vorsehen, sowohl die Straßenbahn als auch den Individualverkehr durch die Straße "Im Neuenheimer Feld" zu führen. Sollte zusätzlich irgendwann die Fünfte Neckarquerung gebaut werden, würde der gesamte Autoverkehr von Wieblingen mitten durch den Campus geführt. "Wir können die Klage vor dem Verwaltungsgerichtshof nicht zurückziehen, weil wir die Pflicht haben, den Campus im Neuenheimer Feld zu schützen und für die Zukunft zu sichern." Sein Entwicklungspotenzial und der wissenschaftliche Austausch müssten gewahrt bleiben.

Eitel widerspricht der Aussage Würzners, dass sich Stadt und Universität bereits im Spätjahr letzten Jahres auf einen Kompromiss geeinigt hätten und nur noch die Unterschrift unter dem Vertrag fehlte. "Die aktuell in ein Planfeststellungsverfahren eingebrachten Modifikationen unter anderem zum Erschütterungsschutz und zum Elektrosmog bleiben selbst hinter dem im Dezember erreichten Diskussionsstand zurück." Schon damals habe er sich außerdem dagegen gewehrt, zusätzlich zur Straßenbahn auch noch die Autos über dieselbe Trasse fahren zu lassen.

In der Tat sei der Campus dort "Betriebsgelände", das sehe Würzner richtig. Dementsprechend hätten die Regeln der Wissenschaft Vorrang. Eine verkehrliche Erschließung der Sportplätze, des Schwimmbads und des Zoos entlang des Klausenpfads sei möglich. Bei solch einer Ringerschließung müsste jeder Fahrgast maximal 200 Meter von der Haltestelle zu seinem Ziel zu Fuß gehen. Wenn es nach der Uni ginge, könnte dort sofort gebaut werden, so Eitel.

Weil befürchtet wurde, dass sich die Uni über den Klausenpfad hinaus auf das Handschuhsheimer Feld ausdehnen könnte, lehnten die Stadträte die nördliche Trasse bislang ab. Auf die Frage, ob die Ruperto Carola garantieren könne, dieses Naherholungsgebiet im Falle eines Straßenbahnbaus nicht zu bebauen, versicherte Eitel, dass die Uni im Handschuhsheimer Feld in den nächsten 20 bis 30 Jahren über das bereits bestehende Baurecht hinaus keinen Bedarf sehe. Unter anderem war seit den 1960er Jahren eine Verlagerung des Botanischen Gartens dorthin vorgesehen.

Es gehe ihm nicht darum, den Schwarzen Peter hin und her zu schieben. Vielmehr sollten Stadt und Uni gemeinsam an einem Masterplan für das Neuenheimer Feld arbeiten. Das befürchtete Verkehrschaos sei vor allem Folge von Entscheidungen, den Verkehr aus den Stadtteilen fernzuhalten. Eitel: "Nicht der Unicampus ist wesentliche Ursache für die schwierige Verkehrssituation, sondern die Kanalisierung des Nord-Süd-Verkehrs über die Berliner Straße.

 

Im Januar 2016 wurden die beantragten Änderungen vom Regierungspräsidium genehmigt. „Bisher schon war das Projekt ein Meilenstein eines zeitgemäßen, komfortablen und behindertenfreundlichen öffentlichen Nahverkehrs", erklärte das Regierungspräsidium Karlsruhe in einer Pressemeldung dazu. Nun könne man es mit den aktuellen Änderungen nur als „nahezu maßgeschneiderte Erschließung des Neuenheimer Feldes" bezeichnen. Wer sich die Trassenführung unvoreingenommen anschaue, werde sich keine schnellere, zentralere und bedarfsorientiertere Lösung vorstellen können. „Das RP setzt seine Hoffnung darauf, dass die Beteiligten nun Hand in Hand an einer bestmöglichen Umsetzung des Projekts mitwirken", heißt es in der Mitteilung des RP.

Trotzdem griffen die Kläger Anfang März 2016 auch den neuen Planfeststellungsbeschluss des Regierungspräsidiums mit umfangreichen Schriftsätzen an und erweiterten ihre Klage auch dagegen. Daraufhin verschob der Verwaltungsgerichtshof in Mannheim (VGH) den für 9.3.2016 anberaumten mündlichen Verhandlungstermin, in dem ursprünglich das Urteil im Hauptsacheverfahren verkündet werden sollte. Wann der Termin wiederholt wird, sei derzeit noch nicht abzusehen, so VGH-Sprecher Matthias Hettich. „Der Rechtsstreit um die Straßenbahn ins Neuenheimer Feld dreht eine weitere Ehrenrunde." bewertete die RNZ das Geschehen (siehe Kasten unten).

Die Hauptargumente der Kläger (Universität, DKFZ und MPI für Völkerrecht): Auch der neue Planfeststellungsbeschluss beschneide die Wissenschaftsfreiheit, da durch die neue Straßenbahn sensible wissenschaftliche Geräte negativ beeinflusst würden. Diese Argumente werden weiter vorgebracht, obwohl seit Jahren klar ist, dass dies nur vorgeschobene Scheinargumente sind. Bereits 2010 hatte die Universitätsspitze erklärt, dass sie einer Straßenbahn auf der vorgesehenen Trasse (Straße „INF") zustimmen könne, wenn nur der Autoverkehr auf einen ausgebauten Klausenpfad gelegt würde. Die elektromagnetischen Felder einer Straßenbahn werden ja nicht dadurch weniger oder anders, dass der Autoverkehr über eine andere Trasse fährt.

Ein weiteres vorgebrachtes Klageargument ist, dass nach dem gültigen Bebauungsplan das Neuenheimer Feld ein Sondergebiet sei, in dem kein öffentlicher Durchgangsverkehr erlaubt sei. Die Straßenbahn soll aber gerade den Unicampus erschließen ! Obwohl die zulässige Bebauungsdichte gerade dieses Bebauungsplans, auf den sich die Kläger berufen, bereits um 11% überschritten ist, gehen auch im Jahr 2016 parallel zur Verhinderung einer besseren Verkehrserschließung durch eine moderne Straßenbahn die Baumaßnahmen und Planungen zu einer weiteren Verdichtung im Neuenheimer Feld weiter.

 

Heidelberger Campus-Bahn auf dem Wartegleis
Eine Verhandlung zu dem Thema wurde erneut vertagt

Rhein-Neckar-Zeitung 9.3.2016

Von Holger Buchwald

Der Rechtsstreit um die Straßenbahn ins Neuenheimer Feld dreht eine weitere Ehrenrunde. Gestern hob der Verwaltungsgerichtshof in Mannheim (VGH) den für heute anberaumten mündlichen Verhandlungstermin auf. Wann er wiederholt wird, sei derzeit noch nicht abzusehen, so VGH-Sprecher Matthias Hettich.

Grund für die Absage ist, dass das Regierungspräsidium Karlsruhe erst am 27. Januar - und damit kurz vor der VGH-Verhandlung - den Änderungsanträgen von Stadt und Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (RNV) zu den Campus-Bahn-Plänen zugestimmt hatte: Mit einer Verschiebung der Trasse um wenige Meter im Hofmeisterweg sollte der Botanische Garten weitgehend geschützt werden. Der stromlose Betrieb der Bahnen sollte neben den Bereichen vor dem DKFZ und der Kopfklinik nun auch vor dem Physikalisch-Chemischen-Institut mit seinen für Elektrosmog anfälligen Geräten möglich sein. Und indem die Schienen zwischen den Haltestellen Kopfklinik und Geowissenschaften in einem punktförmigen Masse-Feder-System gelagert werden, sollten die Erschütterungen auf ein Minimum reduziert werden. Mit all diesen Änderungen wollten RNV und Stadt den wissenschaftlichen Einrichtungen entgegenkommen.

Nun haben Universität, DKFZ und Max-Planck-Institut mit umfangreichen Schriftsätzen begründet, warum sie ihre Klage gegen die Straßenbahn trotz der Planänderungen aufrechterhalten, worauf das Regierungspräsidium als Beklagter um weitere Bedenkzeit bat. Bis zur mündlichen Verhandlung könne man sich nicht sachgerecht zu den Argumenten der Bahngegner äußern. Der Vorsitzende des 5. Zivilsenats des VGH sah dies genauso und hob daraufhin den Verhandlungstermin auf.

Warum die Universität sich weiterhin gegen die Campus-Bahn wehrt, begründet Kanzlerin Dr. Angela Kalous: "Unsere Bedenken wurden in dem Planänderungsverfahren nicht berücksichtigt." Auch der neue Beschluss beschneide die Wissenschaftsfreiheit. So solle zwar die Straßenbahn auf einer weiteren Strecke stromfrei geführt werden, durch die notwendigen Einbauten würden aber genau dort dann wiederum die Erschütterungen zunehmen, so die Befürchtungen. Zudem stehe die Universität auf dem Standpunkt, dass das Neuenheimer Feld nach dem gültigen Bebauungsplan ein Sondergebiet sei, in dem kein öffentlicher Durchgangsverkehr erlaubt sei. Die Wissenschaftler wollen schon seit Jahren verhindern, dass sowohl der Auto- als auch der Nahverkehr durch die Straße "Im Neuenheimer Feld" geführt werden. Zumindest eines von beiden - am liebsten die Bahn - solle über den Klausenpfad geführt werden.

Leserbriefe in der Onlineausgabe:

Uwe Stöckler
Diskussionen hin und her seit JAHREN, und so wie ich das einschätze, für viele weitere Jahre. Wissen die Betreffenden eigentlich, was tagein tagaus morgens und abends im Neuenheimer Feld und in der Berliner Straße verkehrstechnisch los ist? beim Gegenüberstellen der versch. Verkehrsmittel wäre die von der Stadt favorisierte Straßenbahn wohl das geringste Übel.

Hans
Nach dieser neuen Kapriole will sich die einem die Logik hinter der Position der Universität beim besten Willen nicht mehr erschließen. Warum klagt die Universität nicht schon lange gegen den Auto- und den Busverkehr auf dem Campus, wenn sie der Meinung ist, dass dort „kein öffentlicher Durchgangsverkehr erlaubt sei"? Ist das eine juristisch wasserdichte Argumentation?

Und warum hat sie noch nie mit einer Klage gegen die fünfte Neckarbrücke und einen Autobahnzubringer durchs Handschuhsheimer Feld gedroht? Denn diese Pläne würden ja erst recht große Ströme an eigentlich verbotenem öffentlichem Verkehr auf den Campus bringen und müssten daher kategorisch abgelehnt werden.

Muss man jetzt wirklich ein schlechtes Gewissen haben, mit jeder Busfahrt über den Campus an der Wissenschaftsfreiheit zu säbeln? In anderen Städten jedenfalls sind Unis offenbar sehr glücklich mit Straßenbahnen, die direkt durch den Campus fahren und die Pendler höchst effizient genau dort hinbringen, wo sie hin wollen.

Kartoffelsalat
Die Posse hat es inzwischen auch in die letzte Ausgabe der Zeit geschaft. Leider (noch) nicht online.

An der Stelle meine widerholte Kritik am DKFZ. Das DKFZ warnt auf ihrer Homepage vor krebsgefaehrlichem Feinstaub wie er von Dieselbussen ausgestossen wird. Gleichzeitig sind sie gegen eine StraBa die zur Senkung der Abgase fuehren wuerde. Da ist das DKFZ leider nicht konsequent und auch nicht ehrlich.

Hase
Prima, wenn "das Neuenheimer Feld nach dem gültigen Bebauungsplan ein Sondergebiet" ist und "kein öffentlicher Durchgangsverkehr erlaubt" ist, dann am besten den Autoverkehr auch ganz aussperren. Würde die Umgebung, Neuenheim und die West- und Südstadt entlasten und die Uni-Leute können sich frei in ihrer "Wissenschaftsfreiheit" austoben.
Ein weiterer Ausbau der Uniklinik erscheint jedenfalls ohne eine Lösung der Verkehrsprobleme sinnlos, wer will schon ewig unterwegs sein um eine Ambulanz in der Uniklinik zu erreichen. Die Uniklinik ist gut, aber nicht um jeden Preis. Es gibt auch noch Mannheim und andere Alternativen. Insofern ist die Strategie der Uniklinik, nur auf das Auto zu setzen, ein Eigentor. Parkhaus an der Krehl bauen, aber wie sollen die Leute da überhaupt hinkommen?

Uni setzt sich vor VGH gegen Campus-Straßenbahn durch

Der Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Mannheim hat am 11.5.2016 den Klagen der Universität und des MPI für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht gegen den Planfeststellungsbeschluss des Regierungspräsidiums Karlsruhe für den Bau der Campus-Straßenbahn stattgegeben. Damit kann die Straßenbahn nicht gebaut werden. Das Gericht folgte der Argumentation der Kläger, der Bebauungsplan aus dem Jahr 1960 sähe in seinen Erläuterungen zwar z.B. Parkplätze oder öffentliche Versorgungseinrichtungen, aber keine Straßenbahn vor. Deshalb könne dort eine Straßenbahn nicht gebaut werden. Den Einwand des Regierungspräsidiums, dass bei dieser Rechtsauslegung z.B. auch keine Busse im Neuenheimer Feld fahren könnten, da auch diese im B-Plan von 1960 nicht erwähnt werden, ignorierte das Gericht. Es machte in diesem Zusammenhang aber eine bemerkenswerte Aussage: Es sei selbstverständlich hoheitliches Recht der Stadt Heidelberg, den B-Plan jederzeit aufzuheben oder zu ändern. Das sei bisher aber nicht erfolgt.

Mit diesem formalen juristischen Rückgriff auf einen über ein halbes Jahrhundert alten B-Plan gelang es der Uni nun, die Campus-Bahn erfolgreich zu verhindern. In dem Klageverfahren spielten auch wieder alle Argumente einer angeblichen Beeinträchtigung durch elektromagnetische Felder und Erschütterungen eine wichtige Rolle in der Argumentation der Uni. Dass dies jedoch vorgeschobene Argumente sind, ist seit spätestens 2010 klar, als die Unispitze zusammen mit dem DKFZ und dem MPI in einem Brief an den Gemeinderat erklärte, dass die Straßenbahn durchaus auf der vorgesehenen Trasse gebaut werden könne, wenn nur der Klausenpfad für den Autoverkehr ausgebaut würde.  Die elektromagnetischen Felder einer Straßenbahn werden aber nicht dadurch weniger oder anders,  dass der Autoverkehr über eine andere Trasse fährt.

Die Uni hat sich mit ihrer jahrzehntelangen Blockade gegen die Campus-Bahn einen großen Bärendienst erwiesen, insbesondere für ihre Beschäftigten, Studenten und für die Unikliniken. Sie hat damit auf lange Zeit eine moderne und leistungsfähige Verkehrsanbindung des Unicampus verhindert. Die Stadt Heidelberg wollte 40 Millionen Euro in die Campus-Bahn investieren. Die begrenzte Verkehrsanbindung wird jetzt bleiben und die Entwicklungschancen der Uni auf dem Campus Neuenheimer Feld werden in Zukunft durch diese Verkehrsanbindung begrenzt werden.

Die Klagen des DKFZ und des Unterländer Studienfonds wurden vom VGH nicht weiter verhandelt, sie haben sich mit diesem Urteil erledigt.

Oberbürgermeister Dr. Würzner erklärte am 11.5.2016 bei der Bekanntgabe des VGH-Beschlusses im Stadtentwicklungs- und Verkehrsausschuss des Gemeinderats, dass nach diesem Ausgang des Klageverfahrens die Straßenbahn Neuenheimer Feld nicht gebaut wird.


Campus-Bahn, Kohlhof, Mantei: Oberbürgermeister Würzner zieht Jahresbilanz

Er scheut auch den bittersten Moment des Jahres nicht

Rhein-Neckar-Zeitung 28.12.2016

Von Micha Hörnle und Sebastian Riemer

Vor zwei Wochen jährte sich der Amtsantritt von Oberbürgermeister Eckart Würzner zum zehnten Mal - und viele Themen von damals beschäftigen die Stadt noch heute. Im Teil eins des großen Jahresbilanzgesprächs spricht Würzner über die Straßenbahn ins Neuenheimer Feld und die fünfte Neckarquerung - aber auch über das, was gut lief.

Herr Würzner, was war für Sie der schönste Moment des Jahres?

Besonders schön ist immer, wenn die Politik der letzten Jahre bestätigt wird. Ich freue mich etwa sehr, dass mehr Kinder in Heidelberg geboren werden und die Stadt für Familien immer attraktiver wird. Oder auch, dass endlich Projekte umgesetzt werden, die lange auf sich warten ließen - wie zum Beispiel, dass es bald wieder ein großes Kino geben wird.

Und was war der bitterste Moment?

Es gibt Momente, da frage ich mich auch als Familienvater, ob wir wirklich genug getan haben - ich denke an den tragischen Unfall in der Theaterstraße. So etwas nimmt einen sehr mit. Nicht nur als Oberbürgermeister.

Nach dem Unfalltod des neunjährigen Ben wurde wieder verstärkt über die Sicherheit, vor allem der Kinder, im Straßenverkehr diskutiert. Hatte die Stadtverwaltung dieses Thema in den Jahren zuvor aus den Augen verloren?

Das glaube ich nicht. Wir haben auch vorher schon viele gute Ideen umgesetzt - wie den laufenden Schulbus, bei dem die Kinder auf dem Schulweg begleitet werden. Aber leider kann man Kinder auch nicht immer vor allen Gefahren schützen. Das gilt besonders in der Stadt mit dichter Bebauung, engen Straßen und viel Verkehr. Wir werden aber noch stärker als bisher das Thema Sicherheit im Straßenverkehr aufgreifen - das von uns beauftragte Sicherheitsaudit ist der erste Schritt.

In Sachen Verkehr gab es dieses Jahr einen Tiefschlag für Sie: Die Gegner der Straßenbahn ins Neuenheimer Feld siegten vor Gericht. Schon vor einem Jahr sagten Sie im Jahresendgespräch, Sie hätten bald keine Lust mehr, für die Straßenbahn zu kämpfen. Ist Ihnen die Lust jetzt endgültig vergangen?

Es ist für mich und die Mehrheit der Bevölkerung immer noch schwer verständlich, dass trotz der Kritik an den Verfahrensabläufen immer noch nicht die Erkenntnis gesiegt hat, wie wichtig dieses zentrale Verkehrsprojekt ist. Das Gericht hat ja gar nicht gegen die Trasse selbst geurteilt, es hat Fehler im Ablauf des Genehmigungsverfahrens beanstandet. Aber mit dem Urteil ist die Campus-Bahn auf Jahre zerschlagen. Wie sollen die eine Million Patienten im Jahr und die 20.000 Einpendler am Tag denn sonst ins Neuenheimer Feld kommen? Schon jetzt ist die Anbindung schlecht. Eine Straßenbahn allein wäre ja nicht einmal ausreichend gewesen, hätte aber immerhin eine Entlastung gebracht.

Mit dem Masterplan sollte das Streitthema ganz neu angegangen werden. Doch schon der Start war holprig und wurde zum kommunalpolitischen Zankapfel. Ist das nun bereits eine vertane Chance für den Neuanfang?

Dieser Neuanfang ist nicht so leicht. Denn vorher gab es ja immer einstimmige Beschlüsse und keinerlei parteipolitische Unterschiede, was die Straßenbahn angeht. Jetzt ganz neu anzufangen, ist nicht für jeden einfach. Immerhin haben wir uns jetzt auf einen groben Rahmen verständigt. Der Gemeinderat sieht, dass das Neuenheimer Feld besser angebunden werden muss. Jeder muss etwas dazugeben.

Der neue Baubürgermeister Jürgen Odszuck hat sich bereits für die Fünfte Neckarquerung ausgesprochen. Kam er von alleine drauf - oder haben Sie ihm vorgesagt?

Jemand in dieser Position lässt sich nichts vorsagen. Er hat seine eigene Meinung - und das erwarte ich auch von ihm. Und immerhin gab es ja einen Gemeinderatsbeschluss für eine Fünfte Neckarquerung. Dieser wurde von einem Gutachten gestoppt, wonach erst alle anderen denkbaren Alternativen umgesetzt werden müssen.

Wie fühlt es sich eigentlich an, Oberbürgermeister in einer Stadt zu sein, in der fast jede Woche etwas zumacht oder droht zu schließen - wie das Alte Hallenbad, die Gastronomie am Stift Neuburg oder die Bäckerei Mantei?

Generell bin ich sehr zufrieden mit der Entwicklung, die Heidelberg nimmt: Laut der Prognos-Studie sind wir auf Platz 1 im Bereich Arbeitsplätze. Immer mehr Menschen ziehen in unsere Stadt. In einer Stadt, in der viel passiert, wird es immer Firmen geben, die ihre Pforten schließen. Aber, und das ist wichtiger: Es gibt wesentlich mehr, die ihre Pforten öffnen. Wir haben so viele Arbeitsplätze wie noch nie in unserer Stadt.

Sehen Sie noch eine Chance, das Unternehmen Mantei und damit 150 Arbeitsplätze zu retten?

Nein, dazu ist es zu spät. Das hat ja eine lange Vorgeschichte, die man nicht mehr zurückdrehen kann. Jetzt geht es vor allem darum, etwas für die Beschäftigten zu tun - auch wenn das außerhalb unserer Reichweite als Stadtverwaltung liegt.

Sehr viel mehr Einfluss haben Sie auf die Entwicklung des Alten Kohlhofs: Glauben Sie, dass es dort im nächsten Jahr wieder eine Gastronomie gibt, wie es sich so viele Heidelberger wünschen?

Wichtig ist, dass wir eine klare Sprache sprechen: Wenn jemand ein Grundstück mit der Auflage kauft, dort eine Wirtschaft zu betreiben, dann muss diese erfüllt werden. Wir haben einen sehr deutlichen Schriftsatz an die Eigentümer gesendet und werden konsequent alle rechtlichen Schritte gehen.

Ist das von den Eigentümern nun dort geplante Sternerestaurant überhaupt das Richtige für diesen Ort?

Wir haben keine rechtliche Möglichkeit den Eigentümern vorzuschreiben, dass hier vor allem Ausflügler einkehren sollen. Entscheidend ist, dass der Alte Kohlhof eine Gaststätte bleibt.

Was passiert, wenn dort oben in den nächsten Monaten nichts passiert?

Dann wird der Kauf rückabgewickelt.

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