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Masterplanverfahren Neuenheimer Feld  (aktueller Stand August 2019)   (Archiv)

Auftaktveranstaltung

Am 11.April 2018 fand in der Turnhalle des Instituts für Sportwissenschaften der Universität mit über 300 Bürgerinnen und Bürgern und Vertretern vieler Institutionen die von der Stadtverwaltung gut vorbereitete Auftaktveranstaltung des Masterplanprozesses statt. Sie wurde durch Oberbürgermeister Prof. Dr. Eckart Würzner, Ersten Bürgermeister Jürgen Odszuck, Bernd Müller, Leiter Vermögen und Bau Baden-Württemberg und Universitätsrektor Prof. Dr. Eitel (per Video) eröffnet und durch Frau Prof. Dr. Ursula Stein und Herrn Joachim Fahrwald moderiert. Der Stadtteilverein hatte zur Auftaktveranstaltung ein Plakat erstellt, das zu Beginn in einem Infomarkt zusammen mit Plakaten der anderen Organisationen vorgestellt wurde.

Höhepunkt des Abends war der Impulsvortrag von Prof. Dr. Uwe Schneidewind, Präsident des Wuppertal-Instituts für Klima, Umwelt, Energie, Mitglied des Club of Rome und früherer Präsident der Universität Oldenburg zum Thema „Horizont 2050+ - Nachhaltigkeit, Campus, Städtebau, Mobilität“. Schwerpunkt seines Vortrags waren die Änderungen, Probleme und Lösungsmöglichkeiten, die in den nächsten Jahrzehnten auf uns zukommen werden. Er legte in überzeugender und zugleich humorvoller Art dar, dass wir wohl ziemliche Schwierigkeiten haben werden, in Zukunft unseren Enkeln zu erklären, wie wir heute auf völlig ineffiziente Weise unsere Mobilität abwickeln: mit mehr als 1000 kg schweren Geräten jeweils nur eine Person von 60-70 kg bewegen, und das sehr kapitalaufwändig mit Gefäßen, die 23 Stunden am Tag herumstehen und Platz verbrauchen. Hochinteressant waren seine in kurzen Streiflichtern eingestreuten Erfahrungen als Universitätspräsident. "Professoren haben oft die unnachahmliche Gabe, banale egoistische Interessen wie z.B. die nach einem Parkplatz in der Nähe mit hochtrabenden analytischen Begründungen vorzutragen." Als Merkmale zukunftsträchtiger Städte beschrieb er einen Dreiklang aus Technologie, Talent und Toleranz. Talente gäbe es in zahlreichen Bereichen, nicht nur in der Wissenschaft. Er lobte das Heidelberger Verfahren des Masterplanprozesses, mit dem die verschiedenen Talente zusammengebracht und neue Lösungen gefunden und umgesetzt werden können. Das werde Ausstrahlung auch auf andere Standorte und Städte haben, national wie international.

Anschließend erarbeiteten die Teilnehmer in Kleingruppen Fragestellungen, die im Laufe des Masterplanprozesses behandelt werden sollen. Von denen gingen viele in die Richtung: Wie können sich die Universität und die Kliniken in Zukunft im Einklang mit dem Schutz der städtischen Umgebung, des Handschuhsheimer Felds und des Naturschutzgebiets Alt-Neckar entwickeln und wie können Lösungen angestoßen und umgesetzt werden, die dies ermöglichen ?

Ein gelungener Auftakt. Über die Auftaktveranstaltung wurde eine interessante Dokumentation erstellt.

Konstituierende Sitzung des Forums Masterplan Im Neuenheimer Feld

Der Steuerungskreis des Masterplans hat am 30.4.2018 einen Entwurf für die Aufgabenstellung der zu beauftragenden externen Planungsteams erstellt. Die zahlreichen wichtigen Fragestellungen, die in der Auftaktveranstaltung von ca. 300 Bürgern erarbeitet wurden, fehlen weitgehend, genauso wie die sehr interessanten Anregungen von Prof. Dr. Schneidewind aus der Auftaktveranstaltung. Stattdessen trägt der Entwurf fast vollständig die Handschrift der Universität: Ausbau Klausenpfad, 5. Neckarbrücke, Nordtangente, Bebauung Hühnerstein und Erweiterung ins Handschuhsheimer Feld ziehen sich als Roter Faden durch den Entwurf. Bisher sprachen Universität und Klinikum von Wachstumswünschen von 20 bis 30% bis zum Jahr 2050. Jetzt wurde dieses Wachstumsziel in der Aufgabenstellung mit weiteren 800 000 qm Brutto-Grundfläche kurzerhand verdreifacht. Die dafür notwendigen Flächen sollen laut Aufgabenstellung innerhalb "des Planungsbereiches Im Neuenheimer Feld (und angrenzend)" entwickelt werden. Und dies alles ohne Diskussion oder Bewertung der Sinnhaftigkeit eines solchen Wachstumszieles. In der konstituierenden Sitzung des Forums am 4.5. sollen nach der vorliegenden Tagesordnung lediglich in Arbeitsgruppen kurze Zeit "Anmerkungen und Hinweise zu den Fragen an die Planungsteams" und "fehlende Fragen an die Planungsteams" diskutiert werden.

Während seit dem Grundlagenbeschluss des Gemeinderats zur Durchführung eines Masterplans Neuenheimer Feld am 16.10.2016  18 Monate und seit der Verabschiedung der Rahmenvereinbarung am 25.7.2017  9 Monate verstrichen, soll dies jetzt alles ganz schnell gehen: Ursprünglich war vorgesehen, dass in dem Forum die grundlegenden Fragen der Weiterentwicklung der Forschungsinstitutionen und der Verkehrserschließung ausführlich diskutiert werden können. Zur Vorbereitung der Forumssitzungen sollte eine "Vorbereitungsgruppe Forum" gebildet werden. Dies alles scheint jetzt nicht mehr zu gelten. Jetzt soll nur diese eine Forumssitzung vor der Beauftragung der Planungsteams stattfinden, in der im Grund lediglich Ergänzungen der Fragen behandelt werden können.

Was hatte der Gemeinderat beschlossen ?

Grundsatzbeschluss des Gemeinderats zum Masterplan Neuenheimer Feld
Protokoll der Sitzung des Stadtentwicklungs- und Verkehrsausschusses vom 29.06.2016
„Herr Müller vom Amt für Vermögen und Bau Baden-Württemberg erklärt, dass der Steuerungskreis den Prozess anstoße und steuere. Der inhaltliche Teil spiele sich im Forum ab." (S. 2.5)
„Herr Zimmermann (Anm. Koordinierungsstelle Bürgerbeteiligung) erklärt nochmals die Zusammensetzung der unterschiedlichen Ebenen. Der Koordinationsbeirat arbeite nicht inhaltlich. Dies geschehe im Forum." S. 2.6)

„Zum Sachantrag (siehe Anlage 18 zur Drucksache 0206/2016/BV) erläutert er (Anm. Oberbürgermeister Prof. Dr. Würzner), dass die gewünschte Einbindung des Bündnisses für Bürgerbeteiligung aus Sicht der Verwaltung bereits gewährleistet sei. Die notwendigen Prognosen und Planfälle werden auch im Forum Masterplan INF besprochen. Da Vertreter des Bündnisses auch in der Vorbereitungsgruppe Forum vertreten seien, sei dies in die entsprechenden Vorbereitungen eingebunden." (S. 2.12)

„Oberbürgermeister Prof. Dr. Würzner bemerkt, dass es in dem Antrag inhaltlich darum gehe, dass die Bürgerbeteiligung bei den vorbereitenden Arbeiten eine stärkere Position bekomme. Deswegen sei mit der Ergänzungsvorlage zusätzlich eine Vorbereitungsgruppe Forum eingebaut worden, in der neben vier Vertretern des Steuerungskreises auch vier Vertreter des Forums und zwei Vertreter des Gemeinderates vorgesehen seien. Damit werde die gewünschte stärkere Einbindung von Bürgerschaft und Politik in die vorbereitenden Arbeiten erreicht." (S. 2.14)

In der Ergänzungsvorlage heißt es:
„3. Forum Masterplan Neuenheimer Feld (Anlage 07 NEU und Anträge gemäß Anlagen 10 und 11 zur Drucksache 0206/2016/BV)
Für die Vorbereitung der Sitzungen wird eine Arbeitsgruppe unter Leitung der externen Moderation gegründet. Diese Vorbereitungsgruppe besteht aus dem Steuerungskreis (4 Vertreter) sowie 4 Vertretern des Forums INF, die die unterschiedlichen Perspektiven und Interessen widerspiegeln sollen und von diesem entsandt werden. Zusätzlich kann der Gemeinderat 2 Mitglieder in die Vorbereitungsgruppe entsenden. In der Vorbereitungsgruppe findet ein Austausch zu den inhaltlichen Anforderungen an die jeweils nächste Sitzung statt." (S. 3.2)

Diese Zusagen des Oberbürgermeisters und die Beschlüsse des Gemeinderats wurden nicht eingehalten. Nach der von der Verwaltung erst am 30.4.2018 vorgelegten Tagesordnung soll in der ersten Sitzung des Forums am 4.5.2018 keine inhaltliche Diskussion z.B. der Prognosen, sondern lediglich eine Ergänzung der Aufgabenstellungen an die externen Experten stattfinden. Die Prognosen der Universität sollen ohne Diskussion Grundlage der Arbeit der externen Experten werden. Eine Vorbereitungsgruppe Forum gibt es bisher nicht, sie konnte folglich diese Sitzung auch nicht vorbereiten.

Diese Vorgehensweise verletzt die Beschlüsse des Gemeinderats und ist nicht geeignet, einer Lösung der Probleme näher zu kommen. Es muss deshalb zunächst die Beschlusslage des Gemeinderats umgesetzt werden: Auf der ersten Sitzung des Forums am 4.5.2018 muss deshalb in Abänderung der Tagesordnung zunächst u.a.

  1. der Diskussionsbedarf der zu besprechenden inhaltlichen Themen festgestellt werden, die im Forum vor einer Aufgabenstellung an externe Planungsteams im Forum diskutiert werden müssen

  2. das bisherige Verfahren und der Zeitplan, insbesondere die sehr kurzfristigen Festlegungen auf Tagesordnungen, besprochen werden.

  3. eine Vorbereitungsgruppe Forum etabliert werden, die die nächsten Sitzungen des Forums vorbereitet

Forum-Veranstaltung am 4.5.2018

Zu der ersten Veranstaltung des Forums trafen sich ca. 85 Vertreter verschiedener Organisationen und Institutionen und mehrere Zufallsbürger in der Musik- und Singschule Bergheim. Das Forum wurde durch den Ersten Bürgermeister Jürgen Odszuck eröffnet, der bis zum Ende blieb und bei mehreren schwierigen Problemen ausgleichend die Diskussionen lenkte.

Nach einer Vorstellung des Masterplanprozesses durch Frau Christiane Marks von IMORDE-Projekt- und Kulturberatung, Frau Annette Friedrich, Leiterin Stadtplanungsamt und Herr Bernd Müller, Leiter Vermögen und Bau Baden-Württemberg leitete das Moderationsteam Frau Ursula Stein und Herr Joachim Fahrwald den Abend. 

Anders als in der offiziellen Tagesordnung vorgesehen, war das Hauptthema der ersten Forumssitzung die Diskussion der geplanten Zielvorgabe eines Zuwachses von  817 400 qm Brutto-Grundfläche für die externen Planungsteams. Diese geplante Zielvorgabe würde sowohl die möglichen Verkehrskonzepte als auch die Baulösungen direkt determinieren. 
 

Flächenbestand INF

Geplanter Flächenzuwachs

Geplante Änderung

Universität

340 400

368 000

108%

Klinikum

442 000

264 000

60%

DKFZ

127 200

137 800

108%

Max Planck Institute

29 200

21 700

74%

Studierendenwerk

85 300

14 400

17%

Pädagogische Hochschule

23 800

7 000

29%

Sonstige (Nierenzentrum, Olympiastützpunkt, Gästehäuser)

46 000

4 500

10%

Summe

1 093 900

817 400

75%

Interessant ist, dass gerade die Institutionen, die eine Straßenbahn verhinderten, den höchsten Flächenzuwachs anmelden.

Durch Diskussionsbeiträge wurde klar, dass es prinzipiell zwei Vorgehensweisen gibt:

  1. Der alte Weg: Die Universität meldet ihre Wachstumswünsche an und die Stadt versucht dann, über Verkehrsentwicklungspläne und Gemeinderatsbeschlüsse die daraus entstehenden Verkehrsprobleme zu lösen. Dieser Weg wurde in den letzten Jahrzehnten mehrmals beschritten und ist jedes Mal gescheitert. (Verhinderung der mehrmals beschlossenen Straßenbahn durch die Uni, Nicht-Umsetzung der Beschlüsse des Gemeinderats zur Parkraumbewirtschaftung - nach wie vor sind z.B. 2 100 PKW-Stellplätze im Neuenheimer Feld kostenlos usw.)

  2. Ein neuer integrativer Weg: Anwendung des Verursacherprinzips und Koppelung  der Wachstumswünsche an die Lösung der dadurch verursachten Verkehrsprobleme: Universität, Forschungsinstitute und Kliniken können in dem Maße am Standort wachsen, wie sie zusammen mit der Stadt die Verkehrsprobleme lösen. Dies wäre ein neuer Weg nach der Art von Zukunftsvisionen wie sie von Prof. Dr. Uwe Schneidewind, Präsident des Wuppertal-Instituts für Klima, Umwelt, Energie auf der Auftaktveranstaltung des Masterplanprozesses in überzeugender Weise vorgestellt wurden. Nach dieser Vorgehensweise wurde vom UPI-Umwelt- und Prognose-Institut im Rahmen einer Verkehrsuntersuchung ein Lösungskonzept für das Neuenheimer Feld entwickelt.

Nach längerer Diskussion entstand an diesem Abend weitgehende Übereinkunft, dass der Wachstumswunsch von zusätzlichen 800 000 qm Brutto-Grundfläche keine starre Vorgabe sein kann. Stattdessen soll durch die Planungsteams und im Masterplanprozess ermittelt werden, welches Wachstum im Neuenheimer Feld noch möglich ist bei Schonung der natürlichen Freiräume. Baubürgermeister Jürgen Odszuck stellte am Ende klar, dass alles, was nicht auf dem Campus untergebracht werden kann, im restlichen Stadtgebiet unterkommen müsse. So sehe es der Gemeinderatsbeschluss vor.

Unabhängig von den langfristigen Perspektiven ist auch eine kurzfristige Strategie erkennbar, bald einen Nordzubringer durch das Handschuhsheimer Feld durchzusetzen. Bernd Müller sprach davon, dass die "besten Planungsteams" beauftragt werden. Diese sollen dann Antworten geben auf Fragen der Aufgabenstellung wie z.B. "Wie kann die Anbindung des Klärwerks an die Autobahn sichergestellt werden? " und "Welche weiteren äußeren Erschließungen sind für das Gebiet und daran angrenzende große Einrichtungen zu empfehlen (z.B. Neckarquerung, Nordtangente)? "

Durch Klick auf den Artikel kommt man zur Online-Ausgabe der RNZ, die interessante Leserbriefe zum Thema enthält.


Frau Marks von IMORDE-Projekt- und Kulturberatung behauptete, dass die Fragen der Auftaktveranstaltung bereits in den Entwurf der Aufgabenstellung eingearbeitet worden wären. Dies konnten die Teilnehmer, die den Katalog genau durchgearbeitet hatten, allerdings nicht  nachvollziehen. Hier wird auch die Mithilfe der Bürger benötigt, die an der Auftaktveranstaltung teilnahmen.  Es wäre außerdem notwendig, vor Beauftragung der externen Planungsteams eine Forumssitzung durchzuführen, in der überprüft werden kann, ob die Aufgabenstellung und alle relevanten Fragen aus der Auftaktveranstaltung, der Online-Beteiligung und dem Forum angemessen Eingang in die Aufgabenstellung gefunden haben.

Durch Los wurde eine Vorbereitungsgruppe des Forums gebildet, die die nächsten Forumsitzungen vorbereiten soll. Eine weitere Forumsitzung soll es nach dem Willen der Verwaltung vor der Beauftragung der Planungsteams allerdings nicht mehr geben. Es soll lediglich in einer Fortsetzung der Forumssitzung Anfang Juni die Kleingruppenarbeit zur Ergänzung des Fragenkatalogs nachgeholt werden.

Es sollen vier externe Planungsteams beauftragt werden, die jeweils 2 Entwürfe für die Zukunft entwerfen sollen. Grundlage dafür soll der Aufgabenkatalog mit den Fragen sein. Das Wachstumsziel von 800 000 zusätzlichen Quadratmetern Brutto-Grundfläche soll dabei nach Festlegung des Steuerungskreises einheitlich für alle Teams und für alle Entwürfe gelten ! Diese Festlegung wurde im Forum bisher nicht diskutiert. Eine Minimalforderung wäre, dass jeweils einer der beiden Entwürfe je Planungsteam einen Schutz des Naturschutzgebietes Alt-Neckar, des Handschuhsheimer Feldes und der Freiräume in Wieblingen vorsieht und mit einer nachhaltigen, flächensparenden, umweltfreundlichen und stadtverträglichen Verkehrsabwicklung ohne 5. Neckarquerung, Nordzubringer und Ausbau des Klausenpfads plant.

"Planungsatelier"-Phase

In der Koordinationsbeiratssitzung am 11.6.2018  wurde das Konzept und die Vorgehensweise von verschiedenen Seiten heftig kritisiert:

Frau Friedrich (Stadtplanungsamt) betonte zwar mehrmals, die Planungsteams sollten völlig ergebnisoffen an die Probleme herangehen. Die vom Steuerungskreis und der Verwaltung entwickelte Aufgabenstellung enthält jedoch klare Vorgaben wie z.B.

bulleteinen Flächenzuwachs von ca. 800 000 m² Brutto-Grundfläche, der dreimal so hoch ist, wie die bisher artikulierten Wachstumswünsche. Dieser Flächenzuwachs darf nicht diskutiert werden.
bullet"Insbesondere" soll "das Urteil des Verwaltungsgerichtshofes Mannheim vom 11.05.2016  zur Aufhebung des Planfeststellungsverfahrens für eine Straßenbahn im Universitätsgebiet Im Neuenheimer Feld berücksichtigt" werden. Diese Vorgabe erweckt den Eindruck, als sei eine Straßenbahn nicht mehr möglich, es fehlt völlig ein Hinweis, dass die Urteilsgründe behoben werden können und eine Straßenbahn dann realisierbar ist.
bulletAls Vorgaben für Verkehrsmittel werden explizit genannt: "Das zu erstellende Verkehrskonzept soll sich zur Lösung der Herausforderungen speziell auch mit der Prüfung des Ausbaus des Klausenpfades sowie dem Bau einer fünften Neckarquerung befassen. Zudem soll beschrieben werden, welche Bedeutung emissionsarme öffentliche Verkehrsmittel bei der inneren und äußeren Erschließung des Gebietes einnehmen können."
bulletIn dem Entwurf der Aufgabenstellung fehlen völlig die Beschlüsse der Stadt Heidelberg und des Gemeinderats zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung wie z.B.  der Masterplan 100% Klimaschutz, in dem sich die Stadt Heidelberg verpflichtet hat, den End-Energieverbrauch bis zum Jahr 2050 um 50% und die CO2-Emissionen um 95% zu reduzieren. Das Wort nachhaltig kommt in dem gesamten Text kein einziges Mal vor. Erst nach Kritik wurde zugesagt, den Masterplan 100% Klimaschutz als eine von 200 Anlagen beizulegen, allerdings nicht als Vorgabe der Aufgabenstellung.
bulletGenauso fehlen Hinweise auf die Nachhaltigkeitsziele der Bundesregierung und der UNO, die die Stadt Heidelberg erfüllen will.

Obwohl bereits in der 1. Forumssitzung zugesagt wurde, dass die Prognose des Flächenzuwachses von 800 000 m² Brutto-Grundfläche näher erläutert und nach Instituten und Arbeitsplätzen aufgeschlüsselt wird, lehnt Herr Bernd Müller von Vermögen und Bau Ba-Wü ab, dem Forum diese Aufschlüsselung zur Verfügung zu stellen. Sie soll erst in der endgültigen Gemeinderatsvorlage enthalten sein. Eine Prognose der sich aus dem geplanten Flächenzuwachs ergebenden Zuwächse an Arbeitsplätzen, die besonders für die Berechnung des zusätzlichen Verkehrs wichtig sind, existiert überhaupt nicht.

Impulsvorträge wie der sehr gewinnbringende Vortrag von Prof. Schneidewind in der Auftaktveranstaltung soll es nicht mehr geben, obwohl dies bisher geplant war.

Eine Mehrheit der Mitglieder des Koordinationsbeirats aus den Reihen der Institutionen im NHF (Uni, Klinikum, DKFZ, MPI, Zoo) und der Steuerungskreis lehnten einen Antrag des Bündnisses für Bürgerbeteiligung ab, die endgültige Aufgabenstellung an die Planungsteams in einer öffentlichen Veranstaltung oder einer Forumssitzung vorzustellen und das weitere Vorgehen zu erläutern.

Die Planungsteams sollen nach dem Konzept des Steuerungskreises neben der Aufgabenstellung eine redaktionelle Zusammenstellung der Fragen von 350 Seiten Länge und insgesamt 200 Anlagen bekommen, darunter den Generalverkehrsplan von 1970 ("Schächterle-Plan") und den Verkehrsentwicklungsplan von 2001. Der Kick-Off (Beginn) soll am 1./2. August stattfinden und dann sollen die Planungsteams mit diesen Unterlagen innerhalb von 5 Wochen (!) "erste Ideen“ und je Team zwei Varianten für Lösungen in Form von Skizzen vorlegen. Nach einer öffentlichen Veranstaltung und einer Forumssitzung will dann der Steuerungskreis auswählen, welche Variante zu einem Gesamtkonzept pro Team weiterentwickelt wird. Die Gesamtkonzepte der Teams werden in Karten 1:2500 dargestellt, der Verkehr in 1:5000. Die Mehrzahl der sinnvollen Verkehrslösungen lässt sich jedoch nicht in Karten darstellen, sondern muss in Planfällen gerechnet werden. (siehe Maßnahmenpaket in der Verkehrsuntersuchung des UPI-Instituts, Ergebnisdarstellung Kapitel 5)

In der Koordinationsbeiratssitzung stellte sich heraus, dass in der ersten Phase weder für die Varianten noch die Gesamtkonzepte die verkehrlichen Folgen berechnet werden können, da das Verkehrsmodell der Stadt erst Ende 2018 fertig werden wird. Die Gefahr ist also groß, dass während der Planungsatelier-Phase vornehmlich Luftschlösser entwickelt werden, bei denen dann erst am Ende ermittelt wird, wie die daraus entstehenden Verkehrsprobleme gelöst werden können. Dieser Weg wird direkt zu den von der Universitätsleitung gewünschten Autobahnzubringern durch das Naturschutzgebiet Alt-Neckar und/oder das Handschuhsheimer Feld führen.

In der Vorbereitungs-AG der Koordinationsbeiratssitzung war noch die Rede davon, dass die Planungsteams während der Atelierphase jeweils mindestens zwei Varianten und Gesamtkonzepte entwickeln sollen. In der Koordinationsbeiratssitzung hatte sich das geändert. Nur noch die Ideenskizze am Anfang soll in zwei Varianten erstellt werden. Danach soll der Steuerungskreis bereits im September 2018 auswählen, welche Variante zu nur noch einem Gesamtkonzept pro Planungsteam weiter entwickelt wird.

Das Konzept soll am 4.7. dem Stadtentwicklungs- und Verkehrsausschuss und am 24.7.2018 dem Gemeinderat zur Verabschiedung vorgelegt werden.

Es wird notwendig sein, dass der Gemeinderat als die Institution, die die Planungshoheit hat, hier korrigierend eingreift.

Entscheidung des Gemeinderats über die Planungsphase

Die Beschlussvorlage der Verwaltung für den Gemeinderat zur Aufgabenstellung für das Planungsatelier sowie die zugehörigen Anlagen liegen jetzt vor.

Auftraggeber der Planungsteams, die die Lösungskonzepte erarbeiten sollen, soll nicht mehr wie bisher vorgesehen die Stadt Heidelberg sein, sondern ausschließlich Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Mannheim und Heidelberg (Nachfolger des Unibauamts). Ansprechpartner für die Planungsteams sollen der Leiter des Amtes Herr Bernd Müller und seine Mitarbeiter sein. Damit würden die Entwickler der Lösungskonzepte keinen unabhängigen Auftraggeber haben. Vermögen und Bau ist die Institution, die z.B. den im Vergleich zu bisherigen Prognosen dreimal höheren Bauzuwachs von 800.000 qm erhoben hat und in Zukunft durchsetzen will.

Entsprechend trägt auch die dem Gemeinderat zur Beschlussfassung vorgelegte Aufgabenstellung für die externen Planungsteams eindeutig die Handschrift des vorgesehenen alleinigen Auftraggebers:

Die Online-Beteiligung der Bürger im Mai 2018 ergab insgesamt 565 Fragen und Beiträge. Davon haben es genau 4 Fragen in den Entwurf der Aufgabenstellung geschafft, 6 Fragen im Entwurf wurden leicht modifiziert. Bei fast allen anderen 550 Fragen wird behauptet, dass sie bereits im Entwurf der Aufgabenstellung enthalten wären, was in vielen Fällen jedoch nicht stimmt. Bei der Vielzahl der Fragen aus dem Forum, für deren Erarbeitung am 14. Mai 2018 extra eine Fortsetzung der Forumssitzung durchgeführt wurde, wurde sogar ganz darauf verzichtet, sie in die Aufgabenstellung der Planungsteams einzuarbeiten.

Trotz heftiger Kritik am Entwurf der Aufgabenstellung sowohl in der Forum-Sitzung am 4.5.2018 wie in der Koordinationsbeiratssitzung am 11.6.2018 wurde außer den oben beschriebenen kleinen Änderungen und Ergänzungen nichts Wesentliches verbessert. Nach wie vor enthält der Vorspann der Aufgabenstellung z.B.

bulletden geforderten Zuwachs von 800.000 m² Brutto-Grundfläche
bulletden Auftrag „Es ist insbesondere das Urteil des Verwaltungsgerichtshofes Mannheim vom 11.05.2016 zur Aufhebung des Planfeststellungsverfahrens für eine Straßenbahn im Universitätsgebiet Im Neuenheimer Feld zu berücksichtigen." Und dies ohne jeglichen Hinweis, dass eine Straßenbahn auf der vorgesehenen zielnahen Trasse trotzdem möglich ist, da die Urteilsgründe leicht heilbar wären.

Hinweise auf einstimmige Beschlüsse des Gemeinderats der Stadt Heidelberg fehlen dagegen weiterhin wie z.B.

bulletzum Masterplan 100% Klimaschutz
bulletzur Reduktion des Endenergieverbrauchs in Heidelberg bis zum Jahr 2050 um 50%
bulletzur Reduktion der CO2-Emissionen bis zum Jahr 2050 um 95%

genauso wie z.B.

bulletder zukünftige Flächenbedarf für eine ökologischere landwirtschaftliche und gärtnerische Nutzung im Handschuhsheimer Feld in Höhe von mindestens 360.000 qm
bulletein Hinweis auf bereits vorhandene Lösungskonzepte zur Entwicklung der Institutionen im Neuenheimer Feld im Einklang mit den angrenzenden Stadtteilen und Naturflächen
bulletDas Wort „nachhaltig" kommt jetzt immerhin vor, und zwar genau einmal in einer Frage auf 49 Seiten Aufgabenstellung.

In der Forumssitzung am 4. Mai 2018 fragten mehrere Teilnehmer nach der Herkunft der Zuwachsprognose von 800.000 qm. „Gibt es Zahlen, welche prognostizieren, wie viele Menschen in Zukunft zusätzlich im Neuenheimer Feld leben, arbeiten und studieren werden? Herr Müller: Die gibt es, sie wurden zusammen mit dem zusätzlichen Flächenbedarf der Institutionen abgefragt. Allerdings sind diese Zahlen gerade nicht parat, können aber nachgeliefert werden." (Protokoll Forumssitzung , S. 10) Es wurde auch danach gefragt, wie sich der geplante Flächenzuwachs von 800.000 qm auf die einzelnen Institute verteilt. Auch zu dieser Frage antwortete Herr Bernd Müller, dass die Zahlen nachgeliefert werden können.

Beides ist wichtig für die Verkehrsberechnungen. Es wurde jedoch nicht nachgeliefert, auch nicht nach einer extra Nachfrage per Email.

Ein besonderer Affront gegen den Gemeinderat bestand darin, dass die Verträge mit den Planungsteams bereits im Zeitraum 25.6. – 6.7.18 abgeschlossen werden sollten (Anlage 01 Aufgabenstellung, S. 46), also drei Wochen bevor der Gemeinderat darüber beschließen kann !  

SEVA-Sitzung am 4.7.2018

In der Sitzung des Stadtentwicklungs- und Verkehrsausschusses am 4. Juli 2018 stellte zunächst Udo Heidl von der Firma PTV Planung Transport Verkehr AG die Art des Verkehrsmodells vor, mit dem voraussichtlich ab Oktober 2018 die verkehrlichen Auswirkungen der Planungskonzepte berechnet werden. Die Firma PTV hat heute 700 Mitarbeiter und wurde im letzten Jahr von der PORSCHE-Dachgesellschaft und VW-Mehrheitseigentümerin PORSCHE Automobil Holding SE aufgekauft. PTV hat eine wichtige Software zur Berechnung von Verkehrsströmen entwickelt und in Heidelberg u.a. die Fortschreibung des Verkehrsentwicklungsplans 2001 und die Standardisierte Bewertung des Mobilitätsnetzes berechnet. In der Aufgabenstellung für die vier Entwurfteams ist festgelegt, dass das von PTV entwickelte Verkehrsmodell "zwingend von den Entwurfsteams zur Prüfung des Mobilitätskonzeptes genutzt werden" muss.

Die Fraktionen von  Bündnis 90/Die Grünen, SPD, GAL/HD P&E, Bunte Linke, und LINKE/PIRATEN hatten für die anschließende Beratung vorgearbeitet und folgenden gemeinsamen Antrag eingebracht, der von Christoph Rothfuß vorgetragen wurde: (Hier die während der Sitzung leicht geänderte Version, die beschlossen wurde.)
 

Gemeinsamer Antrag: Aufgabenstellung Planungsatelier - Masterplan Im Neuenheimer Feld / Neckarbogen

1. In der Planungsatelier-Phase sind für die Ideen- und Konzeptentwicklungen unter anderem der „Masterplan 100% Klimaschutz" zugrunde zu legen. Jedes Planungsteam prüft

bulleteine Reduzierung des Autoverkehrs durch umweltfreundliche, flächeneffiziente und klimaneutrale Abwicklung des Verkehrs
bulletden Schutz des Handschuhsheimer Feldes unter Berücksichtigung des wachsenden Flächenbedarfs für ökologischen Anbau und des Naturschutzgebietes Alt-Neckar (u.a. keine Beeinträchtigung durch Straßen)
bulletNachhaltige Entwicklungsmöglichkeiten für Universität, Klinikum und die Institutionen, die sinnvollerweise im Campus NHF verbleiben müssen. Prüfung, welches Wachstum auf dem Campus im Bereich des B-Plans Neues Universitätsgebiet möglich ist.

2. Das Forum bewertet die Entwicklungsvarianten der städtebaulichen Planungsbüros und schlägt dem Gemeinderat mehrere Varianten differenziert gewichtet zur Beschlussfassung vor. Der Gemeinderat entscheidet jeweils am Ende der beiden letzten Werkstatt-Phasen über die Auswahl der weiterzuführenden Konzepte, Arbeiten und Planungsteams. In der Anlage 01 wird in Kapitel Konsolidierungsphase (S. 26) der 2. Satz wie folgt geändert: „Im Zuge des Planungsateliers wird vom Gemeinderat entschieden…"

3. Die Zuwachsprognose von 800.000 qm BGF wird nach Instituten, Kliniken und Arbeitsplätzen aufgeschlüsselt.

4. Die Aufgabenstellung wird in folgenden Punkten geändert [Änderungen unterstrichen]:

1.1 Welche städtebaulichen Entwicklungen sind notwendig, um das Gebiet Im Neuenheimer Feld / Neckarbogen und ggfls. bei einer späteren Betrachtung in anderen Gebieten der Stadt auch zukünftig als internationalen herausragenden Wissenschafts- und Forschungsstandort zu sichern und weiterzuentwickeln? Welche Entwicklungschancen für die Forschung können sich aus einer Verlagerung anderer Nutzungen ergeben?

THEMENFELD 1: STÄDTEBAULICHES KONZEPT UND NUTZUNGEN
Der letzte Satz des 1. Abschnittes „Dies ist nicht Gegenstand des Planungsateliers." entfällt.

THEMENFELD 2: MOBILITÄTSKONZEPT
wird beim zweiten Absatz eingefügt:
Eine Straßenbahn auf zielnaher Trasse soll geprüft werden. Eine neue Verkehrserschließung durch öffentlichen Personennahverkehr kann durch Änderung des bestehenden Bebauungsplanes und durch ein neues Planfeststellungsverfahren erreicht werden.

5. Auftraggeber für die Planungsteams sind die Stadt Heidelberg und Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Mannheim und Heidelberg. Ansprechpartner für die Planungsteams sind Frau Friedrich, Stadtplanungsamt, und Herr Müller, Vermögen und Bau.

6. Beschlüsse des Gemeinderats werden in die Aufgabenstellung eingearbeitet
 

Nach einer längeren Diskussion und einer Sitzungsunterbrechung wurde der Antrag mit 9 Ja-Stimmen von SPD, GRÜNEN, GAL, BL und Linke gegen 6 Nein-Stimmen von CDU, HDer und OB beschlossen.

Bisher waren sechs teilnehmende Experten vorgesehen, darunter als lokaler Fachvertreter Prof. Michael Braum. Auf Antrag der SPD wurde Dieter Teufel, Leiter des UPI-Umwelt- und Prognose-Instituts, als weiterer lokaler Fachvertreter gewählt. Die Fachvertreter können Ideen in den Prozess einbringen und bewerten die Ergebnisse der Planungsteams.

Anschließend beschloss der SEVA die so geänderte Aufgabenstellung für die Planungsteams einstimmig.

Damit wurden vom SEVA die wichtigsten negativen Festlegungen korrigiert. Außerdem beschloss der SEVA mit den Stimmen von SPD, GRÜNEN, GAL, BL und Linke gegen die Stimmen von CDU, HDer und OB, dass vor dem Gemeinderat die Bezirksbeiräte von Bergheim, Wieblingen, Neuenheim und Handschuhsheim in einer gemeinsamen Sondersitzung gehört werden.

Sondersitzung der Bezirksbeiräte am 19. Juli 2018

Obwohl die Sondersitzung sehr kurzfristig anberaumt war, waren die Bezirksbeiräte Handschuhsheim, Wieblingen und Bergheim beschlussfähig. Nur im Bezirksbeirat Neuenheim fehlte ein Mitglied zur Beschlussfähigkeit. Nach einer ausführlichen Diskussion fällten die Bezirksbeiräte Handschuhsheim, Wieblingen und Bergheim folgende Beschlüsse zum Masterplan:

  1. Bestätigung der Beschlussempfehlungen des Stadtentwicklung- und Verkehrsausschusses (SEVA) vom 4.7.2018
  2. Die bisherige Formulierung „Es gilt alternative Verkehrswege zu finden" wurde geändert in „Es gilt alternative Verkehrskonzepte zu finden".
  3. Die erst nachträglich durch die Universität in die Aufgabenstellung aufgenommene Formulierung „Die angesiedelten wissenschaftlichen Nutzungen stellen bezüglich der Emissionen besondere Anforderungen an verkehrliche Konzepte," wurde durch den Nachsatz „die zum Beispiel durch Optimierung verkehrlicher Konzepte oder durch Verlagerung einzelner Geräte oder Nutzungen zum Beispiel in Verfügungsgebäuden gelöst werden können." ergänzt.
  4. Die Bezirksbeiräte sprachen sich klar dafür aus, dass Auftraggeber und Ansprechpartner für die vier Planungsteams nicht nur wie geplant das Amt für Vermögen und Bau, sondern gleichberechtigt auch die Stadt Heidelberg sein soll.
  5. Neben dem angemeldeten sehr hohen Flächenzuwachs der Universität soll auch der zukünftige Flächenbedarf von Gartenbau, Landwirtschaft und Naturschutz sowohl im Planungsgebiet als auch in den angrenzenden Gebieten gleichberechtigt berücksichtigt werden.
  6. An mehreren Stellen wurde das Primat des Gemeinderats im Verfahren festgeschrieben.
  7. Unter mehreren zu entwickelnden Konzepten soll mindestens auch eines mit nachhaltigen Kriterien (nach Punkt 1 des SEVA-Beschlusses) sein (z.B. Reduzierung des Autoverkehrs durch umweltfreundliche, flächeneffiziente und klimaneutrale Abwicklung des Verkehrs, Schutz des Handschuhsheimer Feldes und des Naturschutzgebietes Alt-Neckar u.a. ohne neue Straßen und nachhaltige Entwicklungsmöglichkeiten für Universität, Klinikum und die Institutionen, die sinnvollerweise im Campus Neuenheimer Feld verbleiben müssen).

Die Punkte 1 – 6 wurden in allen drei Bezirksbeiräten mit sehr großer Mehrheit beschlossen.

Auch der letzte wichtige Punkt 7 ( Entwicklung auch eines nachhaltigen Konzepts ohne Schädigung des Handschuhsheimer Felds) fand in den Bezirksbeiräten Wieblingen und Bergheim eine einstimmige Zustimmung. Lediglich im Handschuhsheimer Bezirksbeirat stimmten 2 Mitglieder der CDU und 1 Mitglied der HEIDELBERGER dagegen, eine Mehrheit von 9 Bezirksbeiräten stimmte dafür.

Gemeinderatsitzung am 24. Juli 2018

Der Gemeinderat folgte in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause am 24. Juli 2018 weitgehend den Beschlüssen des SEVA und der Bezirksbeiräte. Zuvor sprach sich OB Eckart Würzner jedoch vehement gegen folgende Punkte der Beschlüsse des SEVA und der Bezirksbeiräte aus:

  1. Er lehnte eine gemeinsame Beauftragung der Planungsteams durch das Amt für Vermögen und Bau und die Stadt Heidelberg ab und nahm den entsprechenden Passus (Punkt 4 oben) aus der Beschlussvorlage. Damit bleibt weiter allein Bernd Müller als Leiter des Amts für Vermögen und Bau (ehemaliges Uni-Bauamt) der Auftraggeber, Geldgeber und Ansprechpartner für die Planungsteams, die die Lösungskonzepte erarbeiten sollen.
  2. Der zukünftige Flächenbedarf von Gartenbau, Landwirtschaft und Naturschutz soll zwar in den angrenzenden Gebieten gleichberechtigt berücksichtigt werden, nicht jedoch im Planungsgebiet.
  3. Bei der Lösung einer Straßenbahn schlug der OB eine andere Formulierung vor.

Die anderen Punkte blieben in der Beschlussvorlage, darunter die Berücksichtigung des Masterplans 100% Klimaschutz und dass unter mehreren Konzepten mindestens ein Konzept mit nachhaltigen Kriterien entwickelt werden soll (Punkt 7 oben). Insbesondere ist jetzt festgelegt, dass nicht wie im Entwurf noch vorgesehen der Auftraggeber (Vermögen und Bau) bzw. der Steuerungskreis, sondern der Gemeinderat entscheiden wird, welche Varianten und Konzepte der Planungsteams in den einzelnen Phasen des Planungsateliers jeweils ausgewählt und weiterentwickelt werden. Außerdem wird dem Planungsatelier mehr Zeit eingeräumt. Als lokaler Fachvertreter wurde neben Prof. Michael Braum Dieter Teufel, Leiter des UPI-Umwelt- und Prognose-Instituts, benannt. Am Ende beschloss dann der Gemeinderat das Gesamtpaket einstimmig. Auch das Konzept der Öffentlichkeitsbeteiligung wurde einstimmig verabschiedet. Damit kann jetzt die Planungsatelierphase am 1.8.2018 beginnen. In dieser Phase wird es drei Sitzungen des Forums und drei öffentliche Veranstaltungen geben, in denen dann die Entwürfe der Planungsteams diskutiert und bewertet werden können. Die Termine und Veranstaltungsorte werden hier bekannt gegeben werden.

 

Die ersten Entwürfe der Planungsteams

Am Mittwoch 17.10.2018 stellten die vier Planungsteams ihre ersten Entwürfe in einer gut besuchten öffentlichen Veranstaltung im Hörsaalgebäude Chemie vor.

Artikel der Rhein-Neckar-Zeitung von Holger Buchwald:

 

In den Masterplan für das Neuenheimer Feld kommt Bewegung
Die vier Planungsteams präsentierten am Mittwochabend ihre ersten Ideenskizzen für die Zukunft des Neuenheimer Feldes
Von Holger Buchwald      
RNZ-Online, 19.10.2018  

Heidelberg. Die Spannung war groß: Wie sehen die vier Planungsteams, die von Universität, Land und Stadt mit der Ausarbeitung von unterschiedlichen Konzepten für das Neuenheimer Feld beauftragt wurden, die Zukunft des Campus und seine verkehrliche Erschließung? Mehr als 400 Interessierte kamen am Mittwochabend in den Großen Hörsaal Chemie der Universität, wo die externen Fachleute ihre ersten Ideenskizzen vorstellten.

"Einen Abend der großen Ideen" wünschte sich Bernd Müller vom Universitätsbauamt zum Auftakt. Und auch Baubürgermeister Jürgen Odszuck gab zu, dass er von einer "gewissen Nervosität" befallen sei. Auch er sehe die Entwürfe der Planungsteams, die alle schon Erfahrungen in der Campus-Planung haben, zum ersten Mal. Lenelis Kruse-Graumann, Co-Vorsitzende des Koordinationsbeirates, bat die Anwesenden, offen zu sein für neue Ideen und sich inspirieren zu lassen. Schließlich solle der Masterplan die "nächsten 30 bis 50 Jahre halten".

Jedes Team hatte für seine Präsentation 15 Minuten Zeit. Und einige frische Ideen waren in der Tat dabei. Besonders die Handschuhsheimer Gärtner hörten es gerne, dass alle vier Teams das Handschuhsheimer Feld und seine landwirtschaftlichen Flächen fast vollständig erhalten wollen. Darüber hinaus setzten die Planer aber durchaus unterschiedliche Akzente. Als die Zuhörer nach der Präsentation Fragen stellen und ihre mit Anmerkungen gespickten bunten Kärtchen an die Stellwände im Foyer pinnen durften, war die verkehrliche Erschließung des Campus das alles beherrschende Thema: "Keine Fünfte Neckarquerung" war auf den Kärtchen immer wieder zu lesen, auch wenn die Planungsteams, die diese Variante ins Spiel brachten, dieses Bauwerk nicht nur für den Autoverkehr, sondern auch für Radfahrer und vor allem für eine Straßenbahn nutzen wollen. "Als wir in den 70er Jahren in Wieblingen gebaut haben, war eine mögliche Neckarbrücke kein Thema", sagt eine Anwohnerin. Für sie wäre es eine Horrorvorstellung, wenn vor ihrer Türe auf einmal eine Straßenbahn vorbeidonnern würde.

Ungeachtet dieser alten Konflikte gab es auch viel Lob für die Entwürfe, die vor allem auf Klimaneutralität und Nachverdichtung setzen. Alle Anmerkungen der Bürger werden nun gesammelt und den Planungsteams zur Verfügung gestellt. Sie sollen sie in die weitere Ausarbeitung der Entwürfe einfügen.

Seit 1. August haben die Teams an ihren Ideenskizzen gearbeitet. Während der weiteren Atelierphase im Masterplanprozess sollen daraus nach und nach richtige Entwürfe werden. Das Forum, in dem 80 Interessenvertreter, darunter alle unterschiedlichen Nutzer des Neuenheimer Feldes, aber auch Vertreter der angrenzenden Stadtteile sitzen, wird am 5. November über die Vorschläge beraten. Die zweite Atelierphase soll dann voraussichtlich im Februar abgeschlossen sein. Dann sollen auch die gemeinderätlichen Gremien ihre Meinung zu den weiter ausgearbeiteten Entwürfen kundtun dürfen. Bis 2020 soll dann der Masterplan als Grundlage für die weiteren Bebauungspläne stehen.

Und das sind die Entwürfe

Astoc will aufräumen: Skyline statt Zoo

Eine klare Skyline des Neuenheimer Feldes ist im Entwurf des Kölner Büros Astoc durchaus denkbar

hob. Ein kompakter Campus mit kurzen Wegen und viel Grün drumherum - das ist die Vision des Kölner Büros Astoc. Zwar hat die Universität für das Gewann Hühnerstein im Nordwesten des Campus bereits heute Baurecht, doch dieses Areal ist in den Augen von Stadtplaner Sebastian Herrmann alles andere als ideal. Die Wege in das Zentrum des Neuenheimer Feldes seien zu lang, die verkehrliche Anbindung zu schwierig.

Stattdessen schlägt sein Team vor, dem Zoo im Heidelberger Süden ein neues Areal mit möglichen Erweiterungsflächen anzubieten und die Sportanlagen im Westen des "Feldes" an den Hühnerstein zu verlagern. Auf diese Weise würden 16 Hektar als neue Flächen für die Wissenschaftseinrichtungen frei.

Das Neckarufer werde noch nicht ausreichend genutzt, es könnte mit großzügigen Rasenflächen und Gastronomie aufgewertet werden. Auch im Inneren des Campus soll es nach diesem Entwurf viele Grünflächen geben, einmal ringförmig innerhalb des "Feldes" und einmal als schienenförmige Mittelschneise. Bäume am Klausenpfad könnten als Grenze zum Handschuhsheimer Feld dienen. Es sollte als Naherholungsgebiet erhalten werden. Der Autoverkehr sollte nach Möglichkeit im Inneren des Campus so weit wie möglich reduziert werden. Eine Fünfte Neckarquerung wäre optional. Auch eine Straßenbahn ist für Astoc denkbar - als Ringerschließung, weder direkt über den Klausenpfad, aber auch nicht direkt an der Kreuzung der Berliner Straße / "Im Neuenheimer Feld".

Heide will die Seilbahn: In luftigen Höhen

Die blaue Linie verdeutlicht eine mögliche Strecke für eine Seilbahn. Die Straßenbahn (orange) sollte um das Neuenheimer Feld herumführen

Viele Gedanken um die verkehrliche Erschließung des Campus, der "dichter, urbaner und vernetzter" werden müsse, machte sich Ferdinand Heide mit seinem Team. Auch für ihn ist das Gewann Hühnerstein als Erweiterungsfläche für die wissenschaftlichen Einrichtungen nicht ideal. Vielmehr schlägt er eine "moderate Arrondierung" des Gebietes Richtung Norden vor. Dadurch könne das Handschuhsheimer Feld nahezu in Gänze erhalten werden.

In der ersten Variante möchten Heide und seine Kollegen den Zoo und die Sportflächen im Neuenheimer Feld belassen. Und statt einer Fünften Neckarquerung schlagen sie eine schleifenförmige Seilbahn-Erschließung vor: vom S-Bahnhof Pfaffengrund/Wieblingen ins Neuenheimer Feld und von dort oberhalb der geplanten Radbrücke, deren Pylone genutzt werden könnten, wieder zurück über den Neckar nach Bergheim. Rund um das Feld könnte eine Straßenbahn in der Randlage fahren, dadurch würden auch die Freizeiteinrichtungen wie der Zoo besser erschlossen. Von den unterschiedlichen Haltestellen könnten die Fahrgäste "People Mover" nutzen, wie man sie vom Flughafen kennt, also horizontale Förderbänder, die Rolltreppen ähneln. Der Innenbereich des Feldes sollte ganz klar vom Autoverkehr freigehalten werden.

In seiner zweiten Variante schlägt Heide vor, die Sportanlagen in den Norden in das Handschuhsheimer Feld zu verlagern und die freigewordenen Flächen für Neubauten zu nutzen.

Högers kompakter Entwurf: Urbane Raster, grüne Technik

Kerstin Höger stellt sich eine kleinteilige Rasterstruktur für das Neuenheimer Feld vor. Jedes Institut hat seinen eigenen Platz oder Garten

"Gesund und lebendig" sollte der ideale Campus in den Augen des Züricher Büros "Kerstin Höger Architekten" sein. Weder die Sportflächen noch der Hühnerstein sollten bebaut werden, dort sollte vielmehr ein Ökopark entstehen - eine Art Begegnungsstätte von Handschuhsheimer Gärtnern und Nutzern des Neuenheimer Feldes.

Eine Fünfte Neckarquerung kann sich Höger durchaus vorstellen, aber nicht für Autos, sondern für die Straßenbahn, den Radverkehr und Fußgänger, um Wieblingen und den SRH-Campus zu erschließen. Die sieben Strategien des Entwurfs lauten: kompakt, spezialisiert, offen, grün, vernetzt, effizient und flexibel. Das heißt: Dieses Planungsteams möchte nur die Flächen des Bebauungsplans von 1961 nutzen. Parkflächen sollten sukzessive mit Neubauten, die Tiefgaragen haben, ersetzt werden. Mit mehr Wohnungen, Ansiedlung von Firmen und Cafés könne der Campus zusätzlich belebt werden. Städtebaulich sieht Höger eine Rasterstruktur vor - jedes Institut sollte seinen eigenen Garten oder Platz erhalten, als Ort der Begegnung, aber auch, um die Identifikation mit den wissenschaftlichen Einrichtungen zu stärken. Die Verkehrserschließung sollte vor allem mit einem Straßenbahn-Ring und Fahrradschnellwegen sowie Fußwegen geschehen. Die Autofahrer sollten hingegen so weit wie möglich zurückgedrängt werden.

Ganz wichtig ist für dieses Planungsteam das Energiekonzept, in dem die Institute elektrisch und thermisch vernetzt sind, Wärmepumpen, Wärmetauscher und Erdwärme nutzen.

C.F. Møllers Visionen: Die lebendige Zelle

Viele verschiedene Nutzungen wie Sport, Forschung und ein erlebbares Ideenlabor für Klimaneutralität haben im Neuenheimer Feld Platz

Das Büro C.F.Møller aus Aarhus möchte die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen, als die Planungen von heute morgen schon wieder überholt waren. Anstatt Vorgaben für Gebäudehöhen zu machen, setzt dieses Planungsteam vor allem auf Klimaneutralität, zumal sich Heidelberg als Teil des C40-Städtenetzwerks dazu verpflichtet hat, in Zukunft auf fossile Brennstoffe gänzlich zu verzichten.

Das Team sieht den Campus als lebende Zelle: Mit Mischzonen, in denen die Wissenschaftler interdisziplinär arbeiten können, aber auch als ein Gebiet, in dem die CO2-Neutralität erlebbar wird: Die Gewinnung von Wasserstoff und die Regenwasseraufbereitung sind hierbei nur zwei Stichworte. Der Verkehr solle über den Rand erschlossen werden, und der Wissenschaftscampus solle auch über die Berliner Straße hinauswachsen dürfen. Überhaupt sollte die Zellmembran laut dieser Planung durchlässig sein; so könnten auch die Handschuhsheimer Gärtner im Neuenheimer Feld Märkte anbieten.

Was die Vernetzung mit anderen Stadtteilen angeht, müsse man von dem Nadelöhr an der Berliner Straße wegkommen - entweder durch einen Nordzubringer oder eine Fünfte Neckarquerung, welche auch für eine Straßenbahn zur Anbindung des S-Bahnhofes Wieblingen genutzt werden sollte. "Der Verkehr wird bei doppelter Flächennutzung auch in Zukunft noch etwa so sein wie heute", so eine These. Daher müsse man auch noch in Zukunft mit motorisiertem Individualverkehr im Neuenheimer Feld rechnen.

Die ersten Entwürfe der Planungsteams gibt es hier.

 

Hier ein Vergleich der ersten Entwürfe:

 

 

Kerstin Höger Architekten GmbH, Zürich

Ferdinand Heide Architekt BDA, Frankfurt

ASTOC GmbH & Co. KG,
Köln

C.F. Moller Danmark A/S; Aarhus

 

Variante 1

Variante 2

Variante 1

Variante 2

Variante 1

Variante 2

Variante 1

Variante 2

Bebauung Hand-schuhsheimer Feld

nein

nein

teilweise,  u.a.

nein

nein

nein

nein

nein

Öko-Garten PH

Bebauung Hühnerstein

nein

nein

teilweise, + Sportstätten

teilweise, + Sportstätten

nein

ja, Verlegung Sportstätten

ja

ja

Straßenbahnring in Campus

ja

ja

auf Klausenpfad

auf Klausenpfad

ja, aber ohne Haltestelle Mathematikon, 
2 Kurven mehr

nein, Busse

nein, Busse

nein, Busse

Ausbau Klausenpfad MIV

nein

nein

ja, tw. nördlich Klausenpfad

ja

ja

ja

nein

nein

5. Neckarquerung MIV

nein

nein

nein

nein

als Option

als Option

nein

ja

5. Neckarquerung Straßenbahn

nein

als Option

nein

nein

als Option

als Option

nein

nein

Nordzubringer

nein

nein

ja

nein

nein

nein

ja

nein

Park&Ride im Hand-schuhsheimer Feld

nein

nein nein nein nein nein nein nein

Besonderheit

flächensparend

flächensparend

Seilbahn, People mover als Verteiler

Seilbahn, People mover als Verteiler

Verlegung Zoo

 

Straße zw. INF und Klausenpfad

Straße zw. INF und Klausenpfad

 

 

Die Stadtverwaltung hat eine Dokumentation der 1. öffentlichen Veranstaltung des Planungsateliers erstellt.
Die Auswertung ergibt u.a. folgende Voten zu Verkehrsthemen:

  -  5. Neckarquerung MIV: 57 dagegen, 26 dafür
  -  Nordzubringer: 31 dagegen, 14 dafür

Außerdem zahlreiche Kommentare zu veralteten Verkehrskonzepten, CO2, Zukunftsfähigkeit usw., eine große Zustimmung für nachhaltige Lösungen und eine Reihe interessanter Ideen.


Forumsitzung am 5.11.2018

In der Sitzung des Forums wurde die von der Vorbereitungsgruppe des Forums vorbereitete Geschäftsordnung einstimmig bei einer Enthaltung beschlossen. Danach wurden die 8 Varianten der 4 Planungsteams in Kleingruppen diskutiert und die Ergebnisse im Plenum vorgestellt. Die Verwaltung wird wieder eine Dokumentation über die Sitzung des Forums erstellen.

Am Ende der Sitzung kam zur Sprache, dass eine Fraktion im Gemeinderat einen Antrag auf Realisierung eines provisorischen Nordzubringers für einen Bus-Shuttle durch das Handschuhsheimer Feld gestellt hat. Dies wäre eine gravierende Maßnahme am Masterplan vorbei, die vollendete Tatsachen schaffen würde, da für einen Bus-Shuttle im Handschuhsheimer Feld Feldwege ausgebaut und verbreitert werden müssten. Frau Prof. Dr. Marmé, Gemeinderätin der CDU, verteidigte ihren Antrag mit dem Argument, es müsse endlich etwas geschehen. Dieter Teufel vom UPI-Umwelt- und Prognose-Institut legte demgegenüber dar, dass durchaus eine Reihe kurzfristiger Maßnahmen möglich wären, die der Rahmenvereinbarung des Masterplanprozesses nicht widersprechen würden wie z.B. die Bewirtschaftung der immer noch über 2 100 kostenlosen PKW-Stellplätze im NHF, eine Anpassung der Stellplatzgebühren oder die Möglichkeit von Job-Tickets für alle Beschäftigten im NHF. Ein Straßenausbau im Handschuhsheimer Feld jedoch missachte den aufwändigen Prozess des Masterplanverfahrens und wäre ein Einstieg in einen Nordzubringer, der in 6 der 8 Varianten der Planungsteams nicht enthalten ist. 

Nachträglich stellte sich heraus, dass auch die Führung des Busverkehrs in jeweils einer Richtung über den Klausenpfad angedacht ist. Dies wäre keine sinnvolle Lösung:

bulletDie Busbedienung des NHF erfolgt ausschließlich von Süden (Buslinien 31, 32, 37 und 721). Buslinien von Norden existieren nicht. Für die Buslinien von Süden wäre die Fahrt über den Klausenpfad ein Umweg von jeweils 1,4 km pro Richtung. Für die Buslinien müsste eine extra Ausfahrt und eine zusätzliche Ampelphase für die Ausfahrt aus der Haltestelle Technologiepark Richtung Norden angelegt werden. Dies würde die Kreuzung INF/Berliner Straße zusätzlich belasten und zu zusätzlichen Staus führen.
bulletDer Klausenpfad ist ein wichtiger Spazierweg für Fußgänger und eine wichtige Fahrradverbindung. Er ist die einzige direkte Fußgänger- und Fahrradverbindung zwischen dem Wehrsteg und dem Sportzentrum Nord von Neuenheim und Handschuhsheim zum Neckar (südliche und nördliche Wege führen nicht zum Neckar, da der Zugang durch Zoo, DJH und Sportanlagen verhindert ist.) Busse im Klausenpfad würden die Naherholung zu Fuß und den Weg zahlreicher Fahrradpendler erheblich stören.
bulletDer Klausenpfad müsste für eine Busbedienung ausgebaut werden. Dies wäre der Einstieg in den Ausbau des Klausenpfads, der in 4 der 8 Entwürfe der Planungsteams nicht enthalten ist. Die Begegnung Linienbus - Fahrrad bzw. Fußgänger bei Einrichtungsverkehr des Busses erfordert einen Mindestquerschnitt der Straße von 4,50 m. Der Klausenpfad hat heute nur eine Breite von 3,80 m. Kleinere Busse wie Midi-Busse sind zwar kürzer als die auf den Linien 31 und 32 eingesetzten Busse, aber nur 10 cm schmäler.
bulletEine Führung der Busse über den Klausenpfad würde zudem das Problem der im Stau stehenden Busse in der Kirschnerstrasse und im Hofmeisterweg nicht lösen.

Zur Verflüssigung des Verkehrs zur Rushhour genügt eine Reduzierung der Zahl der Autofahrten um ca. 6%. Dazu müsste lediglich ein Drittel der Maßnahmen des Kurzfristkonzepts realisiert werden.

Dies ist bereits im Gange. Ein Ausbau von Straßen würde die gerade beginnende Tätigkeit junger Startups konterkarieren. (siehe Begründung zu Punkt 4 im Kurzfristkonzept)

Ein Ausbau des Klausenpfads oder anderer Feldwege durch das Handschuhsheimer Feld  am Masterplan Neuenheimer Feld vorbei wäre außerdem eine Provokation gegen die Bürgerbeteiligung des Masterplanprozesses.


 

Ein zusätzlicher Autoparkplatz von 12 900 qm für die Uni im Handschuhsheimer Feld ?

Nachdem drei der vier Planungsteams keine Ausdehnung der Uni ins Handschuhsheimer Feld vorgeschlagen haben, schlägt jetzt OB Dr. Eckart Würzner gegenüber dem Gemeinderat am 7.11.2018 eine Ausdehnung in Form eines PKW-Parkplatzes von 12 900 Quadratmetern (16-fache Fläche des Tiefburgvorplatzes !) im Norden des Handschuhsheimer Felds vor. Auf dieser Bodenfläche soll ein Park&Ride-Platz für 400 PKW gebaut werden und Feldwege ausgebaut werden, um die Autofahrer auf den letzten 2 km mit einem Bus zu transportieren. Der OB greift damit einen Vorschlag in einem Antrag der CDU-Gemeinderatsfraktion vom 15.1.2018 auf für einen "P+R Platz (z.B. Autobahnabfahrt Dossenheim mit schnellem Busshuttle durch das Feld)".

Dazu soll, vollständig am Masterplan Neuenheimer Feld vorbei, bereits am 20. Dezember 2018 ein Betrag von 5,1 Millionen € in den städtischen Haushalt eingestellt werden, ohne dass die Öffentlichkeit bisher davon erfahren hat. (Nachtrag: Erst am 14.12.2018 erfuhren die Mitglieder des Forums und des Koordinationsbeirates Masterplan Neuenheimer Feld und die Öffentlichkeit offiziell durch eine Pressemitteilung der Stadt von dem Vorhaben.)

Hintergrund ist, dass durch die Verhinderung einer modernen Straßenbahnanbindung des Unicampus durch die Uni und andere Institutionen die Autos vor allem auf dem Campus immer häufiger in ihrem eigenen Stau stehen. Deshalb soll jetzt ein P&R-Platz Entlastung bringen.

Welche Folgen hätte ein zielnaher P&R-Platz dieser Größe ?

bullet

Der PKW-Verkehr auf der Dossenheimer Landstraße würde dadurch lediglich um 2 % (!) abnehmen, auf der Ernst-Walz-Brücke um 0,1%.

bullet

Neben dem Umsteigen vom Auto auf den Bus auf der "letzten Meile" käme es durch das zielnahe P&R zu Verlagerungseffekten vom ÖPNV auf das Auto: ÖPNV-Pendler von der Bergstraße müssen heute 3x auf ÖV-Fahrzeuge warten (auf die Linien 5, 21/24 und 31/37), beim Umstieg auf P&R im Handschuhsheimer Feld müssten sie in Zukunft nur noch 1x auf den ÖV warten

bullet

Zusätzlich würden Verlagerungseffekte von P&R an der Bergstraße und der Bahn auf P&R im Handschuhsheimer Feld induziert. Dadurch würden längere Strecken mit dem Auto gefahren: (bei P&R an Haltestellen der OEG oder Bahn heute 3x auf ÖV warten (auf 5/DB, 21/24 und 31/37), mit P&R HHF nur noch 1x auf ÖV warten)

bullet

Dadurch würden die Zahl der Autofahrten, die gefahrenen Auto-Kilometer und die CO2-Emissionen zunehmen.

bullet

Anstatt die großen PKW-Stellplatzflächen im Campus besser zu nutzen und den öffentlichen Verkehr auszubauen, würde wertvoller landwirtschaftlicher Boden in Parkplätze umgewandelt

bullet

Der Busverkehr auf den schmalen Feldwegen im Handschuhsheimer Feld stünde in Konflikt mit landwirtschaftlichem Verkehr, Fahrradverkehr, Fußgängern und Erholungsverkehr.

bullet

Deshalb müssten Feldwege im Handschuhsheimer Feld ausgebaut werden.

bullet

Dies wäre eine klare Vorbereitung des Nordzubringers durch das Handschuhsheimer Feld, der im Masterplanverfahren nur in 2 von 8 Entwürfen enthalten ist.

Der Vorstand des Stadtteilvereins wandte sich deshalb am 7.12.2018 an den Gemeinderat und bat, „diese Vorbereitung für eine am Masterplan vorbei gehende Maßnahme im Vorfeld zu verhindern."

Es gibt eine Reihe kurzfristiger Maßnahmen, mit denen die Staus beseitigt werden können. Nur ein Beispiel aus dem Bereich Digitale Stadt: Heute sind werktags 77% der in das NHF einfahrenden PKW mit nur einer Person besetzt. Wenn dieser Anteil nur auf 74% (!) reduziert würde, wäre die Entlastung der Straße INF und der Dossenheimer Landstraße bereits größer als durch den geplanten P&R-Platz - umweltfreundlich, ohne Verbrauch von Boden, ohne Kosten und dazu auf der gesamten Fahrtstrecke und nebenbei auch auf allen Zufahrten in den Campus. Dazu stehen im Rahmen der Digitalen Stadt bereits Startups wie Matchridergo in den Startlöchern, diese könnten durch Incentives der Institutionen im Campus unterstützt werden.  (Hier weitere kurzfristige Maßnahmen).

Der Gemeinderat sollte deshalb diese Zerstörung landwirtschaftlicher Böden in großen Stil verhindern und die 5 Millionen Euro Steuergelder im neuen Doppelhaushalt einsparen. 

 

Das "Bündnis für Bürgerbeteiligung" nahm in einer Pressekonferenz zu dem Vorhaben Stellung und erklärte, dass die Vorschläge zur provisorischen Verkehrsentlastung für das Neuenheimer Feld eine Verletzung der Rahmenvereinbarung des Masterplanprozesses darstellen. (Bericht der Rhein-Neckar-Zeitung vom 17.12.2018).

 

Park & Ride-Platz und Bus-Shuttle durch Handschuhsheimer Feld nicht in neuen Doppelhaushalt übernommen

In den Beratungen zum neuen Doppelhaushalt wurde der Antrag des Oberbürgermeisters durch den Gemeinderat in einem wichtigen Punkt geändert: Der Betrag von 5,1 Mio € für Verbesserungen der verkehrlichen Situation Im Neuenheimer Feld bleibt bestehen, die Zweckbestimmung (u.a. Park & Ride-Platz und Busshuttle im Handschuhsheimer Feld) allerdings wurde gestrichen. Der Doppelhaushalt 2019/2020 wurde am 20. Dezember 2018 vom Gemeinderat einstimmig bei 2 Enthaltungen der AfD beschlossen. Damit enthält der Haushalt für die nächsten beiden Jahre die Möglichkeit, die Verkehrssituation durch Maßnahmen zu verbessern, die dem Masterplan nicht widersprechen. Er enthält aber kein Präjudiz mehr für einen großen Parkplatz und für Bus-Verkehr im Handschuhsheimer Feld und damit eines provisorischen Nordzubringers.

Der Stadtteilverein Handschuhsheim e.V. dankt allen Gemeinderätinnen und Gemeinderäten und den anderen Akteuren, die dazu beigetragen haben und wünscht ein schönes und geruhsames Weihnachtsfest 2018.   

 

Im RNZ-Interview mit dem Titel "Bei etwa 175 000 Einwohnern stößt Heidelberg an seine Grenzen" am 27.12.2018 nahm OB Dr. Würzner auch Stellung zu dem geplanten Projekt:

 

Herr Dr. Würzner hat recht, dass das Neuenheimer Feld mit dem Öffentlichen Nahverkehr besser erreichbar sein muss. Dazu ist aber ein Busverkehr auf der "letzten Meile" ein untaugliches und sehr wenig wirksames Konzept. Die Aussage: "Der Bus soll ja auf bestehenden Straßen, auf denen jetzt schon Abwasserfahrzeuge unterwegs sind, dann zum Neuenheimer Feld pendeln." ist zudem falsch.

Die Abwasserfahrzeuge zum Klärwerk Nord fahren auf der Tiergartenstraße. Der Busverkehr würde über den Allmendpfad und über Feldwege im nördlichen Handschuhsheimer Feld fahren, die dazu ausgebaut werden müssten.

 

Auch im Stadtblatt wurde durch das Amt für Öffentlichkeitsarbeit falsch darüber informiert. Dort heißt es ((Stadtblatt 19.12.2018, S. 7) :

"Auf Wunsch des Gemeinderates schlägt die Verwaltung provisorische Maßnahmen vor, um die Erreichbarkeit des Neuenheimer Feldes zu verbessern. Dazu gehören ein geschotterter Park&Ride-Parkplatz an der Autobahnzufahrt Dossenheim, die Einrichtung eines Bus-Shuttles auf bestehenden Straßen durch das Handschuhsheimer Feld und eine veränderte Buslinienführung im Campusgebiet."

 

Die Idee eines Park&Ride-Parkplatzes ist erstens kein "Wunsch des Gemeinderates", sondern wurde lediglich in einem Antrag einer Fraktion (CDU) vom 15.1.2018 vorgeschlagen. ("Prüfung von möglichen attraktiven P+R Plätzen (z.B. Autobahnabfahrt Dossenheim mit schnellem Busshuttle durch das Feld ") Und der Bus könnte zweitens gar nicht "auf bestehenden Straßen" zum P&R-Platz gelangen, er müsste von der Tiergartenstraße aus über Feldwege fahren, die dafür nicht ausgelegt sind.

 

Auf dem Neujahrsempfang 2019 fand der 1. Vorsitzende Gerhard Genthner deutliche Worte zu dem geplanten Park&Ride-Platz, die von den Anwesenden mit großem Beifall bedacht wurden. (Bericht der RNZ vom 9.1.2019) Er wird unterstützt von RNZ-Chefredakteur Michael Hörnle in seinem RNZ-Kommentar "Schnellschuss" vom 9.1.2019.

 

In einem RNZ-Bericht vom selben Tag machte Irmtraut Gürkan, Kaufmännische Direktorin des Universitätsklinikums, eine bemerkenswerte Aussage, die zeigt, wohin es gehen soll und die das widerlegt, was OB Würzner behauptet:

"Mit einem provisorischen Maßnahmenpaket der Stadt mit nur 400 Park & Ride-Plätzen, mit Busshuttle durch die Felder, mit Bus-Sonderstreifen und einem Rechtsabbieger am Mathematikon - wo jedoch der Stau auf der Berliner Straße und die Linksabbieger das Problem sind - sei nicht so viel gewonnen. Gürkan und Grüters-Kieslich wünschen sich eine echte Entlastung des Campus nach Norden, die Dossenheim unbehelligt lässt. Mit viel gutem Willen könne dieser Zubringer innerhalb weniger Monate stehen: "Die Straßen für die landwirtschaftliche Nutzung sind ja schon da."

 

10.1.2019: Die kleinen Fraktionen von "Die Heidelberger", FDP und Freie Wähler sprechen sich, noch bevor das Projekt des Park&Ride-Platzes im Gemeinderat besprochen wurde, dafür aus..

 

 

Zur Erinnerung:


Wie jetzt bekannt wurde, stand das Thema "
Geplanter P&R-Platz und Busverkehr im Handschuhsheimer Feld auf Feldwegen" bereits am 17.12.2018 auf der Tagesordnung der AG Rad, da das Projekt im Konflikt sowohl mit dem geplanten Radschnellweg wie mit wichtigen Fahrradachsen vom Unicampus nach Dossenheim und von Handschuhsheim nach Ladenburg steht. Die Verwaltung in Form des Leiters des Amts für Verkehrsmanagement weigerte sich jedoch strikt, das Thema in der Sitzung der AG Rad zu behandeln. In der AG Rad werden normalerweise alle den Fahrradverkehr tangierenden Themen behandelt.  

Am 11.1.2019 wenden sich die Gemeinderäte der Grünen, SPD, GAL/HD P&E, Linke/Piraten, Arbeitsgemeinschaft Bunte Linke und Einzelstadtrat Butt in einem Gemeinsamen Schreiben an den Oberbürgermeister und schlagen eine Reihe von Sofortmaßnahmen vor, nicht jedoch den geplanten P&R-Platz und den Bus-Shuttle durch das Handschuhsheimer Feld. Außerdem verlangen die unterzeichnenden Fraktionen, dass das Thema in die Bezirksbeiräte Neuenheim und Handschuhsheim zur Beratung verwiesen wird.

Am 16.1.2019 und mit einem Nachtrag am 17.1.2019 berichtet die Rhein-Neckar-Zeitung in einem ausführlichen Artikel über den Sachverhalt.

Am 22.1.2019 berichtet Heidelberg24 P&R-Platz und Bus-Shuttle im ,Feld': „Es wäre das Aus": Große Sorge um Heidelbergs Erholungsort In dem Artikel  wird die Stadtverwaltung mit einer Wirkungsabschätzung des P&R-Platzes zitiert, an der fast alle Annahmen falsch sind. Korrigiert man nur die wichtigsten Fehler, ergibt sich eine ca. 93% geringere Wirkung des P&R-Platzes. (siehe Neuauflage des Kurzfristkonzeptes des UPI-Instituts, S. 5 ff)


Sitzung des Stadtentwicklungs- und Verkehrsausschusses (SEVA) am 23.1.2019

Zu Beginn des Tagesordnungspunktes "Kurzfristige Verbesserungen der Erreichbarkeit des Neuenheimer Feldes bis zum Abschluss des Masterplan-Verfahrens - Maßnahmegenehmigung" gab Alexander Thewalt, Leiter des Amts für Verkehrsmanagements, einen Überblick über die von der Verwaltung vorgeschlagenen Sofortmaßnahmen. Darin aufgenommen sind inzwischen auch etliche der von den Fraktionen vorgeschlagenen Maßnahmen wie

bulletBewirtschaftung aller PKW-Stellplätze im Campus
bulletErhöhung der Parkgebühren auf mindestens den Preis eines Jobtickets, wie dies bereits bei den Mitarbeitern der Stadtverwaltung der Fall ist
bulletPreiswerte (reguläre) Jobtickets für die Mitarbeiter aller Institutionen im NHF
bulletVerlängerung der Buslinie 37 bis zum Hauptbahnhof und der Linie 29 vom Bismarckplatz bis zum Technologiepark
bulletVerbesserung von Ampelanlagen z.B. der besonders Staus verursachenden Ampel an der Kopfklinik
bulletAber auch nach wie vor ein neuer P&R-Parkplatz für 400 PKW im Handschuhsheimer Feld mit Busshuttle im 20 min-Takt auf Feldwegen und Hauptfahrradrouten durchs Feld mit mehreren Ausweichstellen, an denen die Busse zum Ausweichen aufeinander warten sollen

In der Sitzung des Lenkungskreises am 11. Januar 2019 sagten die Vertreterinnen des Landes, Frau Ministerin Theresia Bauer und Frau Staatssekretärin Gisela Splett zu, sich bei allen Einrichtungen im Bereich des Campus Neuenheimer Feld für die Einführung einer flächendeckenden kostenpflichtigen Parkraumbewirtschaftung einzusetzen.

Herr Thewalt nannte in seinem Vortrag auch interessante Zahlen aus der Verkehrsuntersuchung NHF:

bullet69% des Verkehrs in das Neuenheimer Feld kommt aus Heidelberg, 31% von außerhalb
bullet60% der Autofahrer und 42% der ÖPNV-Fahrgäste kommen von außerhalb Heidelbergs
bulletbei den Einpendlern aus dem Umland beträgt das Verhältnis MIV zu ÖV 76 zu 24
bulletInsgesamt sind es täglich mehr als 30 000 KFZ im Quell- und Zielverkehr

Gleich zu Beginn der Diskussion hielt Alexander Föhr (CDU) eine emotionale Rede und beschwerte sich, dass die CDU wegen ihres Vorschlags kritisiert worden sei. Die CDU wolle keinen Nordzubringer, der P&R-Platz mit Busshuttle sei nur ein Provisorium und man habe außerdem auch verschiedene andere Maßnahmen vorgeschlagen.

Dagegen positionierte sich Irmtraud Spinnler für die SPD, dass sie dem P&R-Platz nicht zustimmen werden und stattdessen eine Reihe besserer Maßnahmen vorschlagen. Bürgermeister Jürgen Odszuck warf der SPD daraufhin vor, dass sie keinen „Modal-Shift" (Veränderung des Modal-Splits hin zum ÖPNV) wolle, obwohl klar war, dass ein P&R-Platz kurz vor dem Ziel zu keiner Förderung des ÖPNV führt.

Sahra Mirow (LINKE) erklärte für ihre Partei, dass sie sich der gemeinsamen Initiative der Grünen, SPD, GAL/HD P&E, Linke/Piraten, Arbeitsgemeinschaft Bunte Linke angeschlossen haben. Park&Ride fänden sie gut, aber nicht in dieser Form.

Matthias Diefenbacher stimmte dem P&R-Platz für die HEIDELBERGER zu, da es ja nur ein Provisorium sei und machte klar, dass die HEIDELBERGER auch für den Nordzubringer sind.

Christoph Rothfuß (GRÜNE) erklärte, dass inzwischen über 30 Vorschläge zur kurzfristigen Verbesserung der Verkehrssituation vorliegen. Mit einem P&R-Platz für 4 Millionen Euro würde man 10 000 Euro Steuergelder pro Auto ausgeben, um es aus dem Campus herauszuhalten. Und das für ein Provisorium ! Das sei, einmal ganz abgesehen von den Folgen für die Gärtner, die Ökologie und die Naherholung, unter allen Vorschlägen wohl der schlechteste und teuerste. Allein wenn man den Besetzungsgrad der Autos von heute 1,25 moderat auf 1,4 erhöhen würde, wäre die Verkehrsentlastung schon wesentlich größer und das auf allen Zufahrten zum NHF.

Dr. Arnulf Weiler-Lorentz (Bunte Linke) wies darauf hin, dass es diese eine Spitzenstunde, von der die Verwaltung spreche, in der Realität gar nicht gebe. Es gebe stattdessen jeweils ein morgendliches und nachmittägliches Plateau von jeweils rund 3 Spitzenstunden. Insofern sei die von der Verwaltung gemachte Rechnung, in der der P&R-Platz seine volle Wirkung in nur einer Spitzenstunde bringen solle, nicht realistisch.

Dass sich Autofahrer nur wegen einer kurzen Busbeförderung mit oft langen Wartezeiten extra ein Jobticket zulegen, sei eher unwahrscheinlich. Dieses P&R-Modell sei vor allem für Inhaber von Jobtickets interessant, die heute z.B. die ganze Strecke mit der OEG fahren oder heute P&R an OEG-Haltestellen machen. Wenn diese dann auf den P&R-Platz im Handschuhsheimer Feld wechseln, um Umsteigevorgänge zu sparen, bringe das überhaupt keine Entlastung. Auch insofern sei die Rechnung, dass der Campus tatsächlich von 400 Autos entlastet würde, sehr unrealistisch und nicht glaubwürdig.

Bernd Zieger (LINKE) wies auf den vorherigen Tagesordnungspunkt des Pendlerberichts 2018 hin, in dem Stefan Lenz vom Amt für Stadtentwicklung und Statistik darauf hingewiesen hatte, dass von 63 000 Einpendlern nur 11 400 ein Jobticket haben, das sind nur 18%. Auch im NHF böten das DKFZ und andere Institutionen ihren Mitarbeitern auch heute noch kein preiswertes Jobticket an, weil sie den Sockelbetrag von 10,- pro Mitarbeiter nicht investieren wollten, obwohl man diesen Sockelbeitrag auch über Parkgebühren finanzieren könne. Allein wenn diese Betriebe Jobtickets einführen würden, wäre dies wesentlich effizienter als ein P&R-Platz.

Christoph Rothfuß (GRÜNE) ergänzte dieses Argument mit folgender Rechnung: 40% des Autoverkehrs ins NHF kommt aus Heidelberg, nicht aus dem Umland. Wenn dieser Anteil nur auf 36% reduziert würde, wäre der Autoverkehr ins NHF bereits um 1 200 Autofahrten pro Tag reduziert.

Frau Dr. Simone Schenk (FWV) wiederholte das Argument, es handle sich bei dem P&R-Platz nicht um die Vorbereitung des Nordzubringers, sondern ja nur um ein Provisorium. Sie leistete sich dabei gleich anschließend einen interessanten Freud’schen Versprecher. Sie behauptete, der Busshuttle ginge ja gar nicht durch das Handschuhsheimer Feld. Nach einem Zwischenruf von Dr. Arnulf Weiler-Lorentz, er führe u.a. über den Allmendpfad, sprach sie aufgeregt aus: „Der Zubringer geht doch nur ein kleines Stück über den Allmendpfad." ...

Da das Thema zunächst in einer Sondersitzung der Bezirksbeiräte  behandelt wird, endete der Tagesordnungspunkt ohne Abstimmung.
 

Sondersitzung der Bezirksbeiräte Handschuhsheim, Neuenheim und Bergheim am 5.2.2019

Zu einer historischen Sondersitzung trafen sich die Bezirksbeiräte Handschuhsheim, Neuenheim und Bergheim am 5.2.2019 im Rathaus. Die Verwaltung sah vor, dass u.a. über den geplanten  Park and Ride Parkplatz und die Einführung eines Busshuttles durch das Handschuhsheimer Feld abgestimmt werden sollte.

Robert Bechtel (SPD) erinnerte zu Beginn daran, dass gerade in diesen Tagen "uns unsere Kinder und Enkel auffordern, etwas für den Klimaschutz zu tun. Dies bedeutet bei dem Thema heute, dass wir den Autoverkehr schrittweise reduzieren sollten. Wenn diejenigen von uns, die gesund sind, umsteigen, dann bleibt für die, die aufs Auto angewiesen sind, genug Platz." Sören Michelsburg (SPD) legte dar, dass es viel wahrscheinlicher sei, dass der P&R-Platz von Pendlern benutzt würde, die heute mit dem ÖPNV fahren und schon ein Jobticket haben, um ein Mehrfachumsteigen zu sparen.  Das brächte überhaupt keine Entlastung. Wenn man annehme, dass vielleicht gerade 100 Parkplätze für echte Umsteiger wären, dann würde das pro eingesparter Auto-Fahrt rund 40 000 € kosten.

Dr. Frieder Rubik (GAL) machte als Ökonom interessante Ausführungen zu den Kosten. Man wisse, dass das Erdreich von Parkplätzen im Laufe der Zeit mit Öl und Benzin verseucht wird. Dies würde am Ende die Entsorgung in einer Größenordnung von rund 6000 Kubikmeter Boden notwendig machen. Die Kosten dafür seien genauso wenig in der Kalkulation der Verwaltung enthalten wie die Rückbaukosten. Auch er erinnerte daran, dass die Verwaltung bei der Wirkungsabschätzung nur linear gerechnet habe und Rebound-Effekte nicht beachtet worden seien. Anschaulich stellte er die Frage, wie z.B. Fahrradfahrer auf den von der Stadt ausgewiesenen Fahrradachsen wie dem Allmendpfad einem Bus von 2,50 m Breite + 0,50 m Außenspiegel ausweichen sollten. Investitionen von einer solchen Größenordnung würden klar einen Nordzubringer vorbereiten. Dabei erinnerte er an die Aussagen von Frau Gürkan vom Uniklinikum, die bereits erklärt habe, dass ein P&R-Platz wenig bringe und man einen Zubringer wünsche.

In den Tagen vor der Sitzung hatte eine interfraktionelle Arbeitsgruppe aus den drei Bezirksbeiräten einen Alternativantrag erarbeitet, der von Heike Sauer (GRÜNE) vorgetragen und erläutert wurde. Er beinhaltet mit insgesamt 27 Sofortmaßnahmen vielfältige Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrsituation, die

bulletkeinen Nordzubringer vorbereiten,
bulletdem Masterplanprozess nicht widersprechen,
bulletnicht zu mehr, sondern zu weniger Autoverkehr und CO2-Emissionen führen
bulletund weniger kosten.

Birgit Müller-Reiss (BL) erinnerte daran, dass ein P&R-Platz im Handschuhsheimer Feld, übrigens auch die Idee eines teilweisen Ausbaus des Klausenpfads als Parkhauszufahrt, außerhalb der "blauen Linie" des Masterplanverfahrens liegen und dieses deshalb gefährden.

Den Höhepunkt der Sitzung markierte daraufhin Jürgen Grieser (CDU) als er bekannt gab, dass die CDU ihren Antrag für einen P&R-Platz plus Busshuttle durchs Handschuhsheimer Feld zurückzieht, was einen großen Beifall auslöste. OB Eckart Würzner konnte dies zunächst nicht recht glauben, wurde aber durch Jürgen Grieser eines Besseren belehrt.

Daraufhin stellte der OB den 3-seitigen Antrag aus der Mitte der Bezirksbeiräte als weitestgehenden Antrag zur Abstimmung. Der Antrag wurde in den Bezirksbeiräten Neuenheim und Handschuhsheim einstimmig und im Bezirksbeirat Bergheim bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung beschlossen. Als Berichterstatter für den nächsten SEVA wurden Dr. Nicola Lutzmann (GAL, Neuenheim), Heike Sauer (GRÜNE, Handschuhsheim) und Marion Weber (BL, Bergheim) gewählt.  

Historische Sitzung der Bezirksbeiräte Handschuhsheim, Neuenheim und Bergheim am 5.2.2019 im großen Rathaussaal

In einem Brief an die Gemeinderäte zeigt sich der Stadteilverein Wieblingen solidarisch mit Handschuhsheim und lehnt die Einrichtung eines provisorischen Park&Ride-Parkplatzes im Handschuhsheimer Feld ab.

Im Stadtentwicklungs- und Verkehrsausschuss am 27.2.2019 stellte Jürgen Hoffmann von der Rhein-Neckar-Verkehrs GmbH (rnv) das Ergebnis der Prüfung der den ÖPNV betreffenden Maßnahmen im 27-Punkte-Antrag der Bezirksbeiräte vor. Die rnv begrüßt diese Maßnahmen und wird z.B. ab Juni 2019 den Bus 29 aus dem Süden Heidelbergs bis zur Haltestelle Technologiepark verlängern. Auch der Bus 37 wird nach Fertigstellung der neuen Haltestelle Hauptbahnhof bis zum HBF verlängert und schafft damit eine umsteigefreie Verbindung vom HBF bis zum Springer-Verlag. Gleichzeitig wird dadurch der Engpass auf der Buslinie 32 auf dieser Strecke beseitigt und der Takt halbiert. Nur bei der Verlängerung der Straßenbahnlinie 24 zur Rushhour bis Weinheim muss die rnv passen, da sie keine zusätzlichen drei Straßenbahnfahrzeuge dafür mehr frei hat.

In der anschließenden Diskussion erklärte Frau Larissa Winter-Horn (HEIDELBERGER), dass sie es falsch findet, dass der P&R-Platz mit Busshuttle nicht mehr weiterverfolgt wird. Niemand wolle doch das Handschuhsheimer Feld zerstören, der P&R-Platz wäre doch nur ein "marginaler Eingriff ins Handschuhsheimer Feld..." Wolfgang Lachenauer (HEIDELBERGER) nannte in diesem Zusammenhang den 27-Punkte-Antrag der Bezirksbeiräte abwertend ein "Sammelsurium". Im Gegensatz dazu dankten die anderen Gemeinderäte den Bezirksbeiräten für den ausführlichen Antrag, der am Ende vom SEVA einstimmig verabschiedet wurde.

In der Gemeinderatsitzung am 28.3.2019 wurden die 27 Sofortmaßnahmen (ohne P&R-Platz und Busshuttle im Handschuhsheimer Feld) abschließend mit den Stimmen aller Fraktionen und des OB einstimmig beschlossen. (Bericht der RNZ, Bericht von heidelberg24)


Zweite Entwürfe der Planungsteams

Am 12.2.2019 stellten die Planungsteams ihre überarbeiteten Entwürfe in einer öffentlichen Veranstaltung im großen Hörsaal Chemie der Universität  vor. Es gab im ökologischen Sinne sowohl Verbesserungen als auch Verschlechterungen in den einzelnen Entwürfen.

 

Die nachstehende Übersicht zeigt den Vergleich der 8 Entwürfe der 4 Teams.

 


Besonders interessant sind die Ausführungen des Schweizer Teams von Kerstin Höger Architekten GmbH zu der den Teams vorgegebenen Zuwachsprognose von 800.000 m2 Bruttogrundfläche. Das Team vergleicht diese Prognose mit der bisherigen Entwicklung der Universität Heidelberg und anderer Universitäten und kommt zu folgendem Ergebnis (S. 10 der Erläuterungen):

"Die gegebenen Zuwachsprognosen bis 2050 sind im Vergleich mit dem bisherigen Durchschnittswachstum des Campus sowie mit vergleichbaren Campusentwicklungen wie zum Beispiel dem Harvard Campus in Cambridge und Allston, NTNU Campus in Trondheim, Hochschul- und Unispitalgebiet in Zürich und der Science City Kopenhagen (vgl. Höger 2007, 2015) sehr optimistisch.

Der existierende INF Campus (ca. 1.100.000 m2 BGF 2017) wurde in einem Zeitraum von rund 100 Jahren geplant und gebaut. Bei einem weiterhin kontinuierlichen Durchschnittszuwachs entspräche dies für 2050 einer zusätzlichen BGF von ca. 360.000 m2 und der prognostizierte Zuwachs von 820.000 m2 würde erst Ende des 21. Jahrhunderts erreicht."

Trotzdem weist das Team Höger nach, dass in Version 1 auf dem bestehenden Campus (ohne Bebauung des  Gewanns Hühnerstein) ein Zuwachs von ~ 913.000 m2 Brutto-Grundfläche (BGF) m2 möglich wäre, in Version 2 von  ~ 850.000 m2. Dabei sieht das Konzept Höger die Verdichtung vornehmlich auf Autostellplätzen und bereits versiegelten Flächen vor (S. 9).

Interessante Aussagen macht das Team ASTOC zu einem Nordzubringer: "Die Nordanbindung löst in der Summe die Probleme wie die Entlastung der Engstellen B 37 und Berliner Straße nicht. Weiter bindet diese das Neuenheimer Feld nur von Norden besser an, obwohl von Norden nur ein geringer Anteil von etwa 15 % der Verkehre kommt." (Erläuterungen S. 20) "Das Planungs- bzw. Planfeststellungsverfahren für eine Neckarquerung dauert voraussichtlich Jahrzehnte." Deshalb setzt das Team ASTOC auf eine deutliche Reduzierung des Autoverkehrs durch eine Vielzahl von Maßnahmen, u.a. durch eine Straßenbahn. "Wir halten es weiterhin für die beste Lösung, eine Straßenbahn in das Gebiet zu führen. Das System der Straßenbahnen ist in Heidelberg bereits sehr gut ausgebaut und seit Jahrzehnten etabliert. In den vergangenen Jahren gab es bereits weitführende vergleichbare Planungen dazu, die aufgegriffen und zeitnah umgesetzt werden könnten." (S. 16) Allerdings sieht ASTOC im Endausbau mit Neckarquerung dann wieder eine Erhöhung der PKW-Stellplätze auf dem Campus auf 8000 vor. (S. 20)

Das Team Ferdinand Heide sieht als innovative Lösung eine Seilbahn vom S-Bahnhof Wieblingen (mit P&R) und vom Hauptbahnhof und zusätzlich einen Ausbau der Straßenbahn auf einem Ring im Campus vor.

Der Entwurf von Team C.F.Møller ist nach Angaben der RNZ  "der Lieblingsentwurf der Universität und der anderen wissenschaftlichen Einrichtungen". Das Team sieht u.a. eine Brücke durch das Naturschutzgebiet vor. Dazu schreibt es "Die Brücke wird mit so wenig Eingriff in die natürliche Umgebung wie möglich geplant. Gleichzeitig soll sie hauptsächlich auf nachhaltigen Verkehr ausgelegt sein. Hierbei haben Fahrradfahrer und der öffentliche Nahverkehr Vorrang. Privater Personenverkehr soll verhindert werden. Die Brücke wird lediglich für Ambulanzfahrzeuge und ggf. Anlieferungen freigegeben. Zu Stoßzeiten während der Umstellung des Mobilitätssystems kann eine teilweise Befahrung mit PKWs angedacht werden."

Mit "Privater Personenverkehr" meint  Team Møller den Autoverkehr. Dabei ist dem Team anscheinend noch nicht aufgefallen, dass nicht nur Autoverkehr, sondern auch Fußgänger- und Fahrradverkehr "Privater Personenverkehr" sind. Als Beispiel für die Brücke zeigt die Präsentation von Team Møller die "Garrden-Bridge" in London über die Themse. Auch die Rhein-Neckar-Zeitung zeigte in ihrem Bericht vom 14.2.2019 die "Garden-Bridge". Erst durch einen sachkundigen Leserbrief in RNZ-Online und durch einen aktuellen Bericht der BBC vom 13.2.2019 kam ans Licht, dass es die "Garden-Bridge in London" überhaupt nicht gibt. Sie war zwar tatsächlich von ARUP (Mitglied des Teams Møller) seit 2013 konzipiert worden. Die Planung für diese Brücke wurde aber nach Planungskosten von über 50 Millionen Euro wegen Kostensteigerungen, hoher Unterhaltungskosten und weil sie z.B. nicht von Radfahrern oder von Gruppen mit mehr als acht Personen hätte benutzt werden können, im August 2017 endgültig eingestellt.

Die Entwürfe und Erläuterungen der Teams können hier herunter geladen werden.

Am 1.3.2019 wurden die in den Entwürfen enthaltenen Lösungskonzepte in einer Sitzung des Forums diskutiert und bewertet. Dies dient als Grundlage für die Entscheidung des Gemeinderats, welche Entwürfe weiter entwickelt werden sollen. Da das Verkehrsmodell noch nicht fertig ist und die verkehrlichen Konzepte deshalb noch nicht berechnet werden konnten, werden die verkehrlichen Konzepte ohne Bewertung in die 3. Phase des Planungsateliers übernommen. Jedes Mitglied hatte 20 Punkte, für jedes Konzept konnten maximal 3 Punkte für Zustimmung (Positiv) oder Ablehnung (Kritisch) vergeben werden. Die nachstehende Grafik zeigt eine erste Auswertung der Punktebewertung. wichtiger Konzepte. 


Vorbereitung der Phase 3 des Planungsateliers und der Konsolidierungsphase

Der Gemeinderat hatte im Juli 2018 beschlossen:
"Das Forum bewertet die Entwicklungsvarianten der städtebaulichen Planungsbüros und schlägt dem Gemeinderat mehrere Varianten differenziert gewichtet zur Beschlussfassung vor. Der Gemeinderat entscheidet jeweils am Ende der letzten beiden Werkstatt-Phasen über die Auswahl der weiterzuführenden Konzepte, Arbeiten und Planungsteams.

Dazu hatte die Verwaltung eine Beschlussvorlage mit umfangreichen Anhängen von insgesamt 475 Seiten Länge vorbereitet, die als erstes die Bezirksbeiräte von Handschuhsheim, Neuenheim, Wieblingen und Bergheim am 29.4.2019 als Empfehlung an den Gemeinderat beschließen sollten. Die wichtigste Anlage des Beschlussvorschlags ist die Anlage 01, die die Lösungskonzepte beinhalten soll, die den Planungsteams als Gemeinderatsbeschluss vorgegeben werden sollen. Anstatt entsprechend dem Gemeinderatsbeschluss vor allem die Ergebnisse der Bewertung durch das Forum zugrunde zu legen, hatte die Verwaltung in der Anlage 1 auch die meisten der Hinweise der Projektträger, die den Teams bereits seit Anfang Dezember 2018 vorliegen, aufgenommen. Die Ergebnisse des Forums dagegen waren z.T. falsch wiedergegeben. Aus der Mitte der vier Bezirksbeiräte hatte sich deshalb in den Osterferien eine Arbeitsgruppe gebildet, die die 275 Lösungskonzepte der zum Beschluss vorgesehenen Anlage 01 mit den Ergebnissen des Forums verglich. Sie hatte dabei bei 10 Lösungskonzepten Fehler festgestellt, die geändert werden müssen. Diese wurden in einer Anlage 05.1 zu einem gemeinsamen Antrag zusammengefasst. Die überwiegende Zahl der anderen in der Anlage 01 dargestellten Lösungskonzepte sollen bestehen bleiben. Von den 70 Lösungskonzepten, die im Forum diskutiert und bewertet wurden, wurden außerdem in einer Tabelle 1 in Anlage 05.1 die 17 Lösungskonzepte dargestellt, die mit einer hohen Mehrheit von mindestens Zweidrittel und mit einer Gesamtpunktezahl von mindestens 15 Punkten bewertet wurden.

Der Beschlussvorschlag der Verwaltung sah außerdem vor, dass jetzt bereits die blaue Linie (Betrachtungsraum) auf die Sportflächen der TSG ausgedehnt wird, damit diese auch bebaut werden können und dort eventuell eine Seilbahnstation errichtet werden kann. Dies lehnt der gemeinsame Antrag ab. Birgit Müller-Reiss (BL) und Robert Bechtel (SPD) erklärten, dass die Teams auch wie bisher schon Erschließungsmaßnahmen außerhalb der blauen Linie planen können. Sören Michelsburg (SPD), der sich besonders mit der Seilbahnfrage befasst hat, legte überzeugend dar, dass ein Mast für die Seilbahn auch ohne Ausdehnung der blauen Linie errichtet werden kann und eine Seilbahnstation sowieso besser näher am Campus (z.B. im Bereich des Parkhauses nördlich der Kinderklinik) errichtet werden kann. Eine Ausdehnung der blauen Linie und eine Bebauung der Sportflächen hätte nach dem Vorschlag der Verwaltung außerdem zur Folge, dass die Sportstätten in den Hühnerstein verlegt werden würden, was dem mehrheitlichen Wunsch des Forums widerspricht, den Hühnerstein als ökologische Ausgleichsflächen zu erhalten.

Im letzten Punkt schlug der Antrag der Bezirksbeiräte vor, die wichtige Konsolidierungsphase, in der die Hauptentscheidungen über die zukünftige Entwicklung fallen werden, nicht einstufig wie von der Verwaltung vorgesehen, sondern zweistufig durchzuführen und die Zwischenergebnisse wie in der Planungsatelierphase vom Forum diskutieren und bewerten zu lassen und die Ergebnisse dem Gemeinderat zur Beschlussfassung vorzulegen.  Würde der Vorschlag der Verwaltung beschlossen, würde die Auswahl der Teams und das Ergebnis der wichtigsten Phase des Masterplanprozesses weitgehend durch die Projektträger selbst bestimmt, die Bürgerbeteiligung wäre nur noch eine völlig unverbindliche Spielweise, die parallel ablaufen würde. In der Bezirksbeiratssitzung wurde deutlich, dass die Verwaltung in der Konsolidierungsphase auf alle Fälle verhindern will, dass das Forum die Ergebnisse bewerten und dem Gemeinderat über die Verwaltung Vorschläge zur Beschlussfassung machen kann.

Der gemeinsame Antrag, der von Birgit Müller-Reiss und Frieder Rubik (GAL) vorgestellt wurde, stieß auf unerwartet starken Widerstand der Verwaltung, die die vorgeschlagenen Änderungen an ihrem Beschlussvorschlag nicht zulassen wollte. Christina Kreckel-Arslan (GRÜNE) musste in der Diskussion erst noch einmal an den Gemeinderatsbeschluss erinnern. Bürgermeister Erichson meinte darauf, die Bewertungen des Forums fänden sich ja in den 400 Seiten der Anlagen 2 und 3. Diese sind jedoch nicht Bestandteil des Beschlussvorschlags, sondern nur die 49 Seiten der Anlage 1.

Die Abstimmung am Ende der Diskussion ergab dann jedoch in allen 4 Bezirksbeiräten deutliche Mehrheiten für den Antrag aus der Mitte der Bezirksbeiräte. Insgesamt stimmten 29 Bezirksbeiräte für den Antrag, 7 dagegen, 11 enthielten sich. 

Stadtentwicklungs- und Verkehrsausschuss am 2.5.2019

Kurz vor der SEVA-Sitzung hatte die Verwaltung die Anlage 1 um eine Spalte über die Herkunft der Lösungskonzepte erweitert und als Tischvorlage verteilt, sonst aber keine Änderungen vorgenommen. Diese Anlage mit 275 Lösungskonzepten soll unverändert und mit ihren teilweise falschen Darstellungen Gemeinderatsbeschluss werden. OB Eckart Würzner machte deutlich, dass er nicht zulassen werde, dass, wie es der Gemeinderat im Juli 2018 beschlossen hatte, Bewertungen des Forums dem Gemeinderat zur Beschlussfassung vorgeschlagen werden können. Den diesbezüglichen mit großer Mehrheit gefassten Beschluss der Bezirksbeiräte vom 29.4.2019, der lediglich 10 der 275 Lösungskonzepte korrigierte und die 17 mit Zweidrittelmehrheit durch das Forum positiv bewerteten Lösungskonzepte extra benennen wollte, ließ er nicht zur Abstimmung zu.  Er soll den Teams lediglich, unter Tausenden Seiten anderer Papiere, zur Kenntnis gegeben werden.

Auch bei Nr. 4 des Antrags der Bezirksbeiräte stellte OB Würzner nur den einstufigen Ablauf der Konsolidierungsphase zur Abstimmung, dem zugestimmt wurde. Der zweistufige Ablauf, der von den Bezirksbeiräten gewünscht war, wurde abgelehnt.

Die von der Verwaltung vorgeschlagene Ausdehnung der blauen Linie um die westlichen Sportflächen wurde mit 13 zu 0 bei 2 Enthaltungen abgelehnt. Verkehrsanlagen wie Seilbahnstationen können auch außerhalb der blauen Linie errichtet werden, wie dies auch bei den Seilbahnstationen SRH und Bahnhof Wieblingen angedacht ist. Insgesamt wäre es allerdings wahrscheinlich sinnvoller, wegen der Länge der Fußwege eine Seilbahnstation NHF nicht ganz am westlichen Rand des Campus zu errichten.

Gemeinderatssitzung am 9.5.2019

In der Gemeinderatssitzung am 9.5.2019 legte die Verwaltung eine Tischvorlage mit dem Protokoll der SEVA-Sitzung vor. Darin wurden die Sachverhalte, anders als es noch in den Sitzungen zuvor den Anschein hatte, nun im Sinne der Mehrheitsbeschlüsse der Bezirkbeiräte und des SEVA zusammengefasst. Am 2.5. war bereits der Text in Anlage 02 über den Ablauf der Konsolidierungsphase so geändert worden, dass jetzt auch in dieser wichtigen Phase "das Forum das Ergebnis der Entwicklungsentwürfe der Planungsbüros bewertet. Diese Bewertung wird dem Gemeinderat vorgelegt.  ...  Am Ende der Konsolidierungsphase ... entscheidet der Gemeinderat, welcher Entwicklungsentwurf in einen Masterplan übersetzt werden soll."  Nach der ursprünglichen Fassung war in der Konsolidierungsphase das Forum nicht mehr vorgesehen gewesen.

Der Punkt 1 wurde wie folgt formuliert:
"dass alle vier beauftragten Planungsteams in Stufe 3 des Planungsateliers jeweils eine Entwicklungsperspektive auf Grundlage der in Anlage 1 (neu) genannten Lösungsansätze erarbeiten, sowie die in Anlage 05.1 genannten Lösungsansätze der Bezirksbeiräte intensiv zur Kenntnis nehmen."

Punkt 2 lautet:
"Die sportlich genutzten Flächen westlich der Tiergartenstraße außerhalb des Betrachtungsraums dürfen in Stufe 3 des Planungsateliers nicht in die planerischen Überlegungen mit einbezogen werden."

Alle Punkte wurden vom Gemeinderat mit 35 Ja-, 0 Nein und 2 Enthaltungen einstimmig beschlossen.

Klimanotstand in Heidelberg ausgerufen

Anschließend diskutierte der Gemeinderat über eine Anregung der Bewegung "Fridays for Future", auch in Heidelberg wie zuvor in London, Basel, Konstanz und anderen Städten einen KLIMANOTSTAND auszurufen, da die Ziele zur Reduktion der Treibhausgase verfehlt werden. Während sich GRÜNE; SPD, Linke und Bunte Linke dafür aussprachen, argumentierten Vertreter der FDP, FWV, Heidelberger und der CDU dagegen.

Am Ende der Debatte rief Oberbürgermeister Prof. Dr. Eckart Würzner als Stadtoberhaupt für die Stadt Heidelberg den Klimanotstand aus. Inhaltlich wird das Thema im Oktober 2019 im Gemeinderat ausführlich behandelt werden. Zuvor wird der HEIDELBERG KREIS Klimaschutz & Energie das Thema mit Schwerpunkt Mobilität am 11. Juli 2019 16 Uhr vorbereiten.

 

Ganz unter ging in der Diskussion noch ein weiterer wichtiger Punkt des Masterplans: Der Gemeinderat hatte im Juli 2018 beschlossen:
"Die Zuwachsprognose von 800.000 qm BGF (Bruttogrundfläche) wird nach Instituten, Kliniken und Arbeitsplätzen aufgeschlüsselt."

Während über die Arbeitsplätze inzwischen eine Prognose vorliegt, ist die Forderung der Aufschlüsselung nach Instituten und Kliniken auch nach 9 Monaten immer noch nicht erfüllt. Es ist weiter völlig unklar, welche Institute und Kliniken in Zukunft wie stark wachsen wollen und ob z.B. weitere Kliniken wie die Orthopädie (mit heute optimalem S-Bahnanschluss in Schlierbach), die Thoraxklinik in Rohrbach oder weitere Kliniken aus Bergheim ins Neuenheimer Feld verlegt werden sollen und ob z.B. das Uniklinikum aus Gewinngründen irgendwann in der Zukunft z.B. eine Schönheitsklinik im Neuenheimer Feld für zahlungskräftige ausländische Kunden errichten will. In der Beschlussvorlage wurde zwar eine Tabelle zum Thema abgedruckt, die angeblich die Aufschlüsselung zeigt. Diese Tabelle ist jedoch exakt dieselbe Tabelle wie im Juli 2018 (damals Anlage 08), die zu dem Gemeinderatsbeschluss führte:

 

Verkehrsmodell

Gemeinderat Christoph Rothfuß stellte zum Verkehrsmodell 16 interessante Fragen, die von der Stadtverwaltung am 27.6.2019 beantwortet wurden. Anhand des Verkehrsmodells werden die verkehrlichen Auswirkungen der verschiedenen Entwürfe der Teams berechnet.

Die Fragen und Antworten befinden sich hier. (PDF-Datei 86 kB)

Das Verkehrsmodell, mit dem die Teams rechnen müssen, enthält zahlreiche gravierende Einschränkungen, die alle dahingehend wirken, dass für die Zukunft mehr Autoverkehr berechnet wird als in der Realität fahren wird:

Das Verkehrsmodell enthält in seiner Prognose für das Jahr 2035 

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keine neuen Straßenbahnstrecken des Heidelberger Mobilitätsnetzes außer den bereits fertiggestellten bzw. planfestgestellten Maßnahmen

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Der große neue Stadtteil PHV (10 000 Einwohner) ist in dem Rechenmodell auch im Jahr 2035 nicht an eine Straßenbahn angebunden.

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Im Straßenbahn- und Busnetz sind keinerlei Verbesserungen im Vergleich zu heute enthalten, auch nicht z.B. die vom Gemeinderat bereits beschlossenen Beschleunigungsmaßnahmen. (In den letzten 20 Jahren wurden die Straßenbahnen langsamer, weil die Bevorrechtigung an vielen Kreuzungen nicht oder nur schlecht funktioniert)

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Es sind keine zusätzlichen S-Bahn-Strecken und -Linien abgebildet Zwei Drittel des MIV in Heidelberg entsteht durch Einpendler. Für diese Verkehre sind Maßnahmen außerhalb der Stadt HD ausschlaggebend für die zukünftigen Verkehrsmengen. (z.B. der z.Zt. stattfindende Ausbau der S-Bahn, ein höherer Komfort durch die Möglichkeit von Dreifach-Traktion zur Rushhour bei der S-Bahn)

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Die von DB-Netz geplanten Erhöhungen der Gleiskapazitäten zwischen Heidelberg und Mannheim, u.a. der viergleisige Ausbau der Strecke Heidelberg Wieblingen - Heidelberg Hauptbahnhof., sind nicht enthalten.

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Fahrradstraßen (acht geplant) und Radschnellwege sind im Modell im Jahr 2035 nicht enthalten

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Auch extrem schlechte Fahrrad-Verbindungen wie z.B. die Verbindung von Heidelberg ins Neckartal und den Kraichgau an der B37 mit hohem Fahrradpotential sind im Verkehrsmodell im Jahr 2035 noch dieselben wie heute (Hier bestehen keine Radverkehrsanlagen. Der Radverkehr muss auf einem z.T. nur 60 cm breiten Streifen direkt neben einer vierspurigen Bundesstraße mit KFZ-Geschwindigkeiten von 100 -120 km/h fahren. Geplant ist die Einrichtung einer durch Trennelemente abgeschirmten Fahrradspur auf einer der vier KFZ-Spuren, von denen nur 2-3 Spuren für den KFZ-Verkehr benötigt werden.)

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Der Fahrzeugmix ist in 2035 derselbe wie heute. Neue Verkehrsmittel (z.B. besserer Zugang zu Bahnhöfen und Erhöhung des Einzugsbereichs durch E-Scooter, Pedelecs etc. oder Änderungen durch E-Lastenräder im Einkaufsverkehr) sind nicht abgebildet.

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Es sind keine Maßnahmen des im März 2019 vom Gemeinderat beschlossenen Sofortmaßnahmenprogramms Verkehr (27 Maßnahmen) enthalten.

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Seit 9.5.2019 besteht in Heidelberg Klimanotstand. Im Herbst wird der Gemeinderat weitere Maßnahmen zur Reduktion der CO2-Emissionen beschließen.
Diese werden im Verkehrsmodell ebenfalls nicht abgebildet werden.

Stand der Sofortmaßnahmen Verkehr

Am 28.3.2019 hatte der Gemeinderat 27 Sofortmaßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssituation im NHF beschlossen. Am 3.7.2019 legte die Verwaltung dem SEVA den ersten Sachstandsbericht zur Umsetzung vor. Dieser enthält interessante Informationen:

Unter 19. schreibt die Verwaltung "Die Max-Planck-Institute und das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) können ihren Mitarbeitern aufgrund diverser Zuwendungsrichtlinien keine regulären Verkehrsverbund Rhein-Neckar GmbH (VRN)-Jobtickets anbieten."

Christoph Rothfuß fragte in der SEVA-Sitzung, was das für Zuwendungsrichtlinien seien. Alexander Thewalt, Leiter des Amts für Verkehrsmanagement, antwortete, dies könne man in der öffentlichen Sitzung nicht sagen, höchstens in einer nicht-öffentlichen Sitzung !

Der Hintergrund ist, dass das DKFZ den Sockelbeitrag für seine 3000 Mitarbeiter für das Jobticket nicht aus Krebsforschungsmitteln bezahlen kann und sich schlicht weigert, so wie Uni und Klinikum seine Parkplätze zu bewirtschaften und daraus den Sockelbeitrag zu finanzieren.

Spätestens jetzt ist klar, dass die Verkehrsprobleme im und um das Neuenheimer Feld vor allem hausgemacht sind. Es sind meist dieselben Institutionen, die eine leistungsfähige Straßenbahnanbindung des Campus verhindert haben, die ihren Beschäftigten kein preiswertes Jobticket zum Umstieg auf den ÖPNV  bieten und die eine Bewirtschaftung ihrer PKW-Stellplätze ablehnen.

Erster Bürgermeister Jürgen Odszuck erklärte in diesem Zusammenhang, dass viele der 27 Verkehrsmaßnahmen nicht im Zuständigkeitsbereich der Stadtverwaltung liegen und deshalb von ihr nicht umgesetzt werden können.

Dies war eine außerordentlich wichtige Aussage mit hoher Konsequenz für den Masterplanprozess:

Im Masterplan soll neues Baurecht geschaffen werden in Form eines neuen Bebauungsplans mit einer noch zu bestimmenden Erhöhung der baulichen Dichte für das NHF. Normalerweise ist es bei Bebauungsplänen so, dass anschließend die Stadt die für den Bebauungsplan notwendigen Verkehrsmaßnahmen umsetzt. Im Fall des NHF kann die Stadt aber wichtige Verkehrsmaßnahmen gar nicht umsetzen, wie sich jetzt bei dem Sofortmaßnahmenprogramm zeigt. Auch z.B. eine Straßenbahnanbindung scheiterte in der Vergangenheit am Nein verschiedener Institutionen im NHF. 

Die zwingende Konsequenz aus diesem Sachverhalt ist, dass eine Zunahme der Bebauung und eine Erhöhung der Geschossflächenzahl im NHF in einem neuen Bebauungsplan unbedingt an die vorherige erfolgreiche Umsetzung von Verkehrsmaßnahmen gekoppelt werden muss. (Näheres dazu in folgendem Artikel.)

Ohne eine solche Koppelung sind die Probleme nicht lösbar. Würde die Stadt (wie es bisher vorgesehen ist) einen neuen Bebauungsplan mit einer höheren Bebauung ohne eine solche Koppelung erstellen, würde sie sich für die nächsten Jahrzehnte erpressbar machen !

Öffentliche Veranstaltung mit Experten

In einer Veranstaltung in der Aula der Neuen Universität am 4. Juli 2019 kamen die Experten im Masterplanprozess zu Wort. Insbesondere die Mobilitätsexperten Prof. Dr. Regine Gerike, Universität Dresden, Professur für integrierte Verkehrsplanung und Verkehrstechnik, Prof. Dr. Gerd-Axel Ahrens, Universität Dresden und Prof. Dr. Hartmut Topp, Universität Kaiserslautern machten eine Reihe sehr interessanter Ausführungen.

Prof. Dr. Topp legte gleich zu Beginn seines Statements dar, dass in der Verkehrsdiskussion eine Reihe von Heilsversprechen unterwegs seien, die Lösungen versprechen würden, die jedoch keine sind. Zu solchen Heilsversprechungen zählte er selbstfahrende Privatautos, Rohrpost für Personen oder Flugtaxis, die noch viel mehr Energie brauchen werden, aber auch Elektroantrieb für Autos, die genau soviel Platz benötigen wie normale Autos und dieselben Staus verursachen.

Prof. Ahrens und Prof. Gerike führten aus, dass sich aus den von ihren Instituten in den letzten Jahrzehnten durchgeführten Erhebungen klar zeigt, dass ein grundlegender Wandel im Verkehrsgeschehen im Gange ist: Die jungen, nachwachsenden Jahrgänge fahren deutlich weniger Auto, machen weniger den Führerschein und nutzen häufiger neue Verkehrsmittel, den ÖPNV und das Fahrrad. Bei den Arbeitswegen zeigt sich eine Abnahme des Verkehrs durch die Zunahme von Home-Office und geänderte Arbeitsbedingungen. Dies wird für die Zukunft bedeutsam sein. Neue kleine Verkehrsmittel wie E-Scooter werden die Verkehrsgewohnheiten z.B. beim Zugang zu S-Bahn- und Straßenbahnstationen verändern und verbessern. Dagegen wird die Verkehrsplanung oft noch so gemacht, als würde sich in der Zukunft nichts ändern. (Auch im neuen Prognose-0-Fall des Heidelberger Verkehrsmodells für das Jahr 2035 werden diese Änderungen überhaupt nicht berücksichtigt.)

In ihrem Schlusswort sagte Frau Prof. Gerike: "Wie der Verkehr im Jahr 2035 oder 2050 aussehen wird, ist nicht Schicksal. Es hängt davon ab, wie er geplant und gestaltet wird."

Leider kamen diese wichtigen Themen nach der Planung der Stadt erst nach über 2 Stunden. Vorher waren lange Vorträge mit Powerpoint-Präsentationen über Themen, die in den bisherigen Forumssitzungen und Diskussionen des Masterplans nur wenig kontrovers diskutiert wurden wie z.B.  technische Infrastruktur. Die besonders interessanten und meist kontrovers diskutierten Verkehrsthemen kamen erst nach der Pause, in der ungefähr die Hälfte der ohnehin sehr spärlichen Zuhörer die Aula schon verlassen hatten.

Diese Reihenfolge der Vorträge war im Vorfeld der Veranstaltung im Koordinationsbeirat von Seiten des Bündnisses für Bürgerbeteiligung bereits heftig kritisiert worden, allerdings ohne Erfolg. Die Tagesordnung war nicht geändert worden.

Auch das Plakat, das in der ganzen Stadt plakatiert auf die Veranstaltung aufmerksam machen sollte, war so auffallend nichtssagend und erweckte so wenig Interesse an der Veranstaltung, dass die Frage nahe liegt, ob dies bewusst so gestaltet wurde. Es enthält keinerlei Aussagen, welche Experten kommen und zu welchen Themen sie sprechen.

Die Experten besonders im Bereich Mobilität und Wachstumsprognosen hatten im Masterplanprozess z.T. ganz andere Ergebnisse vorgetragen wie die von der Universitätsspitze bisher vertretenen Positionen.

Falls es beabsichtigt war, die Mobilitätsexperten durch ihre Platzierung ans Ende der Tagesordnung und durch die "Werbung" für die Veranstaltung nur vor möglichst wenigen Zuhörern zu Wort kommen zu lassen, dann ist dies in vollem Umfang gelungen.

Aula der Neuen Uni während der Ausführungen der Mobilitätsexperten

Interessanter Artikel von Holger Buchwald in der Rhein-Neckar-Zeitung vom 6.7.2019 mit aufschlussreichen Hintergründen, warum der einzige Zukunftsforscher im Masterplanprozess, Prof. Dr. Andreas Knie, der auf der Veranstaltung ebenfalls sprechen sollte, absagte. Und interessant auch der Bericht auf der offiziellen Masterplan-Seite im Vergleich zur Realität.


Vorstellung der 3. Entwürfe

Am 9. Juli 2019 stellten die Teams ihre 3. Entwürfe im gut besuchten Großen Hörsaal Chemie vor.

Die Entwürfe haben sich bei einigen Teams verbessert. Hier ein Vergleich der wichtigsten Kriterien:

Einen Ausbau des Klausenpfads für den Autoverkehr sieht jetzt kein Team mehr vor. Er soll eine wichtige Achse für den Fahrrad- und Fußverkehr und die Naherholung bleiben. Einen Ausbau von Feldwegen im Handschuhsheimer Feld sieht jetzt nur noch das Team MOLLER vor.

ASTOC hat eine Straßenbahn herausgenommen und durch autonome Busse ersetzt, weil diese angeblich zu Tagesrandzeiten flexibler wären und häufiger fahren würden als eine Straßenbahn. Das gälte aber nur dann, wenn sie bis zum Wohnort fahren würden. Dies ist allerdings nicht geplant, sie sollen nur bis zur Straßenbahnlinie in der Berliner Straße fahren. Außerdem sind ohne Straßenbahn umsteigefreie Verbindungen von Süden (HBF) wie von Norden (Bergstraße)  nicht möglich. Diese sieht nur das Team HÖGER durch einen Straßenbahnring vor.

MOLLER und ASTOC  sehen optional eine Brücke durch das Naturschutzgebiet vor. Da diese aber sehr lange dauern würde, planen sie große P&R-Stationen am S-Bahnhof Wieblingen für mehrere tausend PKW.  Dort soll ein Teil der Autofahrer parken und dann in Busse umsteigen, die dann über Vangerowstraße, Ernst-Walz-Brücke und Berliner Straße in den Campus fahren sollen und dann allerdings genauso wie heute im Stau stehen würden.

Auffallend ist, dass die von den Teams dargestellten Modal-Split-Zahlen jeweils den Binnenverkehr auf dem Campus enthalten. Der Binnenverkehr tangiert aber die übrige Stadt nicht und macht auch keinerlei Probleme, da er fast ausschließlich aus Fuß- und Fahrradverkehr auf dem Campus selbst besteht. Bisher wurde die für die Stadt relevantere Darstellung des Quell- und Zielverkehrs in und aus dem Campus im Modal-Split gewählt. Die Darstellung des Modal-Splits inklusive Binnenverkehr führt zu einem deutlich niedrigeren Prozentanteil des Autoverkehrs.

Mehrere Teams sehen P&R-Plätze vor. Sie können diese aber nur zielnah auf Heidelberger Gemarkung planen, weil andere Gemeinden nicht Gegenstand des Masterplanverfahrens sind. Sinnvoller wären wohnungsnahe P&R-Plätze an den Stationen der OEG und der S-Bahnen. Dies brachten mehrere Teams zum Ausdruck, können diese aber nicht planen.

Zur baulichen Dichte liegen jetzt auch Zahlen vor. Interessant ist, dass der Entwurf des Teams HÖGER, der von Unirektor Eitel wegen angeblich zu dichter Bebauung abgelehnt wird, mit einer Geschossflächenzahl von 1,5 die geringste bauliche Dichte vorsieht. Möglich wären für Sondergebiete wie Hochschulen nach der geltenden Baunutzungsverordnung eine GFZ von 2,4, also 60% höher !

Interessierte können die Entwürfe und Erläuterungen von der Masterplanseite (unteres Drittel der Seite) herunter laden.


Forum 16.7.2019

Am 16. Juli fand in der Jugendherberge die erste von 2 geplanten Sitzungen des Forums zur Bewertung der 3. Entwürfe der Teams statt. Dr. Schiller vom Fachbereich Verkehrsnachfragemodellierung der TU Dresden, der für das Amt für Verkehrsmanagement die Qualitätssicherung bei der Verkehrsmodellierung macht, hielt zu Beginn einen Vortrag über die Möglichkeiten und Grenzen von Verkehrsmodellen. Am Ende des Vortrags teilte er mit, dass die Anwendung des unter hohem Zeitdruck erstellten Heidelberger Verkehrsmodells zu Fehlern geführt habe, die einen "tatsächlichen Vergleich" der Ergebnisse der 4 Teams "derzeit schwierig machen." Nach längerem Gespräch entschied man sich deshalb, an diesem Tag keine Bewertung der Entwürfe vorzunehmen und auch die am 25.7. geplante 2. Forumssitzung zu verschieben, bis die Arbeiten abgeschlossen sind.  Dies wird voraussichtlich erst im Oktober 2019 der Fall sein.

Insgesamt ist der Sachverhalt seltsam. Am 26.6.2019 hatte die Stadtverwaltung noch mitgeteilt, dass das Verkehrsmodell noch gar nicht fertig ist und z.Zt. noch verschiedene Prognosewerte wie die PKW-Dichte und der durchschnittliche Besetzungsgrad im Prognosejahr 2035 "gegenwärtig erarbeitet " werden. Damit war klar, dass die Teams mit dem Verkehrsmodell noch gar keine belastbaren Rechnungen durchführen konnten. Die Teams mussten bereits am 4.7. ihre Arbeiten abgeben.

Am 18.7.2019 teilte die Stadtverwaltung auf ihrer Website mit, "dass die vier Planungsbüros bei der Anwendung des Modells Fehler gemacht haben und dass Probleme bei der Vergleichbarkeit auftreten. Die Verkehrslösungen der vier Büros müssten deshalb modelltechnisch überarbeitet und noch einmal durchgerechnet werden.  Mit der Überprüfung und Korrektur der Modellanwendung soll nun das externe Konsortium beauftragt werden, das auch das Verkehrsmodell der Stadt Heidelberg aufgestellt hat. Es soll für alle vier Entwürfe durchrechnen, wie sich die jeweiligen Verkehrskonzepte unter anderem auf die Stärke künftiger Verkehrsströme sowie die künftige Verteilung auf die verschiedenen Verkehrsarten auswirken. "

Augenscheinlich soll den Teams die Berechnung ihrer Konzepte aus der Hand genommen werden. Diese Änderung erfolgt zu einem Zeitpunkt, nachdem alle vier Teams verbesserte Konzepte vorgelegt haben, die immer mehr Abstand von den von Uni und Verkehrsmanagement gewünschten neuen Straßenbauten nehmen. Die Berechnung der Konzepte soll durch einen externen Auftragnehmer der Stadt  erfolgen mit einem Verkehrsmodell, das die meisten verkehrlichen Maßnahmen überhaupt nicht berechnen kann. Die Wahrscheinlichkeit  ist groß, dass auf diesem Wege im Oktober Ergebnisse vorgelegt werden, dass es ohne weiteren Straßenbau nicht gehen wird.

In der Forum-Sitzung kamen außerdem vier für den Verlauf des Masterplanverfahrens wichtige Punkte zur Sprache:

  1. Das Verkehrsmodell kann viele der zur Lösung der Verkehrsprobleme notwendigen Maßnahmen nicht rechnen. Sich allein auf das Verkehrsmodell zu verlassen, wäre deshalb nicht sinnvoll. Wichtig ist, Ziele zu formulieren, die dann im Prozess, z.B. im Verkehrsentwicklungsplan und im Masterplan verankert werden.

  2. Wie schon hier mitgeteilt, weigern  sich große Institutionen im NHF, ihren Mitarbeitern preiswerte, reguläre Jobtickets für die Nutzung von Bus und Straßenbahn zu ermöglichen, weil sie sich nach wie vor weigern an der Parkraumbewirtschaftung teilzunehmen und deshalb den Sockelbeitrag des Jobtickets nicht finanzieren können, wie es z.B. die Universität und das Klinikum machen. Daraus stellt sich die Frage,  wie es weitergehen wird, wenn im Masterplan Maßnahmen wie Straßenbahn, Jobticket und Parkgebühren beschlossen werden, diese dann aber von einigen Institutionen nicht umgesetzt werden. In diesem Fall hätten die Institutionen am Ende einen neuen Bebauungsplan, der ihnen eine weitere Verdichtung ermöglicht, die Verkehrsprobleme würden aber nicht gelöst werden und weiter zunehmen. Lösbar ist das Problem nur durch eine Koppelung des Wachstums auf dem Campus an die vorherige Lösung der Verkehrsprobleme.

  3. Ganz neu ist die Information, dass bei dem Wachstumsziel von zusätzlichen 800 000 qm Bruttogrundfläche Nutzflächen in Untergeschossen nicht mitgezählt werden, obwohl die meisten Institute große Flächen in z.T. mehreren Untergeschossebenen haben und nutzen. Im Untergeschoss des Hörsaalgebäudes Chemie befinden sich z.B. empfindliche Geräte wie Rasterelektronenmikroskopie. Das neue Gebäude des MPI für medizinische Forschung wird in 3 Untergeschossen Räume für erschütterungsempfindliche Hochleistungs-Lichtmikroskopie erhalten. Im Chemischen Institut befinden sich in den Untergeschossen große Laborräume und viele Arbeitsgruppenräume und Arbeitszimmer, in der Geologie und Mineralogie beherbergt das Untergeschoss die Feinmechanikwerkstätten, Dünnschlifflabore, Arbeitsräume etc. Der Campus besitzt heute bereits mehrere Kilometer unterirdische Versorgungsgänge, an die fast alle Institute und Kliniken angeschlossen sind. Diese unterirdische Infrastruktur wird bei einem Ausbau der Infrastruktur mitwachsen. In diesem System befinden sich die Zugänge zu zahlreichen Nutzräumen der verschiedenen Institute, in der Geografie z.B. die Kartenräume, in den Life Sciences z.B. Sicherheitslabore. Diese Nutzflächen müssen deshalb selbstverständlich bei den 800 000 qm BGF mitgezählt werden.  Werden sie mitgezählt, werden sich die oberirdisch zu bebauenden Flächen entsprechend um 15 bis 20% verringern und viele Probleme (Hühnerstein, Zooreserveflächen) entspannen.

  4. Das Team ASTOC, das in den bisherigen Entwürfen einen Straßenbahnring im Campus vorsah und eine "Straßenbahn als die beste Lösung" bewertete, hat diese neuerdings nach Gesprächen mit Institutionen im Campus heraus genommen ! Es sieht stattdessen im 3. Entwurf nur noch Busse vor. Die Planungshoheit für die Bauleit- und Verkehrsplanung liegt jedoch eindeutig beim Gemeinderat und darf durch Institutionen im Campus nicht auf diese Art und Weise ausgehebelt werden. Im Masterplanverfahren muss dringend überlegt werden, wie damit umzugehen ist.

Nachtrag 14.8.2019:

In dem einen Monat nach der Sitzung verschickten offiziellen Protokoll der Forumsitzung werden die wichtigen Informationen Nr. 2 bis 4 mit keinem Wort erwähnt.

 

Interview mit Masterplan-Experten Prof. Dr. Andreas Knie

Die Rhein-Neckar-Zeitung beginnt am 3.9.2019 die Diskussion nach den Sommerferien mit einem hochinteressanten Interview mit Prof. Dr. Andreas Knie vom Wissenschaftszentrum Berlin über seine Erfahrungen als Experte im Masterplanprozess. In dem Artikel mit dem Titel "Deshalb hält Zukunftsforscher Heidelberg für rückwärtsgewandt" bestätigt Prof. Knie einen Großteil der Kritik an dem Masterplanprozess, u.a. die viel zu hohe starre Wachstumsvorgabe von 800 000 Quadratmeter Bruttogrundfläche.
 

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