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Hintergründe

Bei der Bewertung der Entwürfe der vier Teams treten deutliche Unterschiede hervor.

Wie die nachfolgende Tabelle zeigt, lehnen die 5 Vertreter der Projektträger den Entwurf HÖGER vollständig ab, während sie den Entwurf ASTOC vollständig akzeptieren. Die Maximalzahl, die bei der Bewertung für den Widerstand gegen die Lösungen in den 4 Bereichen Städtebau, Freiraum, Mobilität und Infrastruktur vergeben werden konnte, war 10. Alle Vertreter der Projektträger haben bei allen Kriterien (außer Infrastruktur) unterschiedslos und ohne jegliche Differenzierung bei HÖGER die maximale Widerstandszahl von 10 vergeben !  Im Unterschied dazu wird der Entwurf des Teams HÖGER von den Gruppen, Vereinen, Verbänden, Nutzern des Handschuhsheimer Felds, den Vertretern der Politik, der Behörden und der Bürgerschaft differenziert und mit geringem Widerstand bewertet.

(Erklärung des verwendeten Bewertungsverfahrens) 

Zu dem Ergebnis der letzten Sitzung des Forums im Planungsatelier, bei dem der Entwurf  HÖGER am besten bewertet wurde, wird behauptet, dass dieses eindeutige Ergebnis nur dadurch zustande gekommen sei, dass die Nutzer des Campus der Forumssitzung ferngeblieben seien. Wie die nachfolgende Tabelle zeigt, ist dies falsch. In der Sitzung am 19.12.2019 nahmen 48 von 85 Forumsteilnehmern teil, das entspricht dem Durchschnitt der anderen Forumssitzungen. Von den Nutzern des Campus, die mit 23 Sitzen im Forum vertreten sind, waren 11 anwesend.

Teilnehmer

Zufallsbürger

Nutzer Campus NHF

Nutzer HH-Feld

Vereine und Verbände

Politik/Behörden

Projektträger

Summe

Forumsmitglieder

9

23

9

21

18

5

85

Forum 1.12.2019

49

3

7

5

17

13

4

49

Forum 19.12.2019

48

3

11

5

15

9

5

48

Das Team HÖGER hat den nachhaltigsten Entwurf für die Entwicklung des Neuenheimer Felds erarbeitet:

bulletFlächensparendes Bauen (nur HÖGER)
bulletKeine Bebauung des ökologisch besonders wertvollen Gewanns Hühnerstein im Handschuhsheimer Feld (nur HÖGER kommt ohne Bebauung des Hühnersteins aus)
bulletKeine Brücke durch das Naturschutzgebiet (HÖGER und HEIDE kommen ohne eine MIV- oder ÖV-Brücke aus)
bulletKein P&R-Platz im Handschuhsheimer oder Dossenheimer Feld mit Busverkehr durch das Handschuhsheimer Feld (HÖGER und HEIDE)
bulletEine Straßenbahn und eventuell zusätzlich eine Seilbahnerschließung (HEIDE und HÖGER)
 

Auf den Sitzungen der Bezirksbeiräte wurden zu dem Entwurf Höger mehrere unwahre Behauptungen aufgestellt. Frau Friedrich (Leiterin Stadtplanungsamt) behauptete mit folgender Grafik auf den Bezirksbeiratssitzungen in Neuenheim und Handschuhsheim, dass das Team Höger den geforderten Flächenzuwachs nicht erfüllen würde.

In der vom Gemeinderat beschlossenen Aufgabenstellung für die Teams war ein Zuwachs von 818 000 qm BGF (Bruttogrundfläche) zusätzlich zu den bestehenden 1 094 000 qm (2017) bis zum Jahr 2050 gefordert worden. Diese Vorgabe hat das Team HÖGER mit einem Zuwachs von 1 037 500 qm übererfüllt (siehe nachfolgende Tabelle).

(Durch Klick auf das Bild gelangt man zu dem Originaldokument.)

Neben der BGF gibt es die GF (Geschossfläche). Der Unterschied ist in folgender Grafik dargestellt. Der Anteil von Untergeschossen liegt heute im Campus Neuenheimer Feld bei ca. 25%. Eine zu erfüllende GF wurde jedoch weder in der Aufgabenstellung noch in einem Gemeinderatsbeschluss festgelegt. Die obige Grafik von Frau Friedrich, die interessanterweise keine Einheit enthält, stellt lediglich die GF, nicht die BGF dar. Das Argument, das Team Höger habe die Vorgaben nicht erfüllt, ist also falsch. Eine Vorgabe für die GF (ohne nutzbare Untergeschosse) gibt es im Verfahren nicht, sie kann also auch nicht "nicht erfüllt" werden.

Das Team ASTOC berücksichtigt in seinen Entwürfen nutzbare Untergeschosse nicht und will in seinem 3. Entwurf die gesamte Geschossfläche (GF) auf 2,352 Millionen qm GF erhöhen ! Untergeschosse kämen dann noch dazu. Die 2,352 Millionen qm GF sind der Grund für die hohe Verdichtung des Entwurfs ASTOC mit einer GFZ von 2,4 (Entwurf HÖGER GFZ 1,8) und für die hohe Zahl von über 10 000 PKW-Stellplätzen bei ASTOC. HÖGER sieht seinem Konzept für den Zuwachs bis 2050 einen BGF-Faktor von 1,17 vor, der Anteil von Untergeschossen läge bei 15%.

(Durch Klick auf das Bild gelangt man zu dem Originaldokument.)

Zu Untergeschossen wurde behauptet, dass diese wegen der Arbeitsbedingungen nicht zulässig wären. Untergeschosse sind jedoch ein wesentlicher Teil der Nutzflächen im Campus, z.B.

bulletUG Hörsaalgebäude Chemie: empfindliche Geräte wie Rasterelektronenmikroskopie und Kernresonanz-Spektroskopie, Teile von 3 Hörsälen
bulletNeues Gebäude des MPI für medizinische Forschung: Drei (!) Untergeschosse u.a. für erschütterungsempfindliche Hochleistungs-Lichtmikroskopie
bulletMPI Völkerecht: Zwei UG u.a. Bibliothek, Arbeitsräume
bulletChemisches Institut: UG Laborräume, Arbeitsgruppenräume, Arbeitszimmer
bulletGeologie und Mineralogie: UG Feinmechanik, Dünnschlifflabore, Arbeitsräume
bulletKirchhoff-Institut für Physik: UG Hörsäle, Arbeitsräume
bulletURZ neuer Anbau: Nur UG: Serverräume, Datenspeicher, Arbeitsräume
bulletZoologisches Institut (COS): UG Hörsaal, Praktikumsräume, Arbeitsräume
bulletBotanisches Institut (COS): UG Laborräume, Arbeitsräume, Chemikalienräume
bulletBioquantgebäude z.B. Elektronenmikroskopie, das Spatial Transcriptomics Lab, das NIKON Imaging Center und gentechnische Labore
bulletRadiologiezentrum des DKFZ in 2 UG Arbeitsräume und radiologische Geräte
bulletIm Campus mehrere Kilometer unterirdische Versorgungsgänge, an die fast alle Institute und Kliniken angeschlossen sind. In diesem System Zugänge zu zahlreichen Nutzräumen der verschiedenen Institute, in der
bulletGeografie z.B. die Kartenräume
bulletBiochemie z.B. Sicherheitslabore

Zwei Beispiele von Untergeschossen, die in der GF nicht mitgezählt werden:

Alle Geschosse unter einer Oberkante von 1,40 m unter Geländeniveau werden bei der Berechnung der Geschossfläche GF nicht mitgezählt, nur bei der BGF.

Auf der SEVA-Sitzung am 1.7.2020 behauptete Alexander Matt (Universitätsverwaltung), dass der Anteil von nutzbaren Untergeschossen im Campus NHF nur 3-5% betrage. Frau Friedrich (Stadtplanungsamt) bezifferte auf der Bezirksbeiratssitzung in Neuenheim den UG-Anteil auf 5%, auf der Bezirksbeiratssitzung in Handschuhsheim dann auf "nicht höher als 10%". In Wirklichkeit sind es ca. 25%.

Auch die Aussage, dass nur bei Neubauten in den letzten Jahren wegen der Beschränkung des geltenden B-Plans ein höherer UG-Anteil gebaut worden sei, ist nicht richtig:

Institut im NHF

Baujahr

Anteil genutzte UG-Fläche

Chemisches Institut, Mittelgebäude

1954

29%

Botanisches Institut (jetzt: COS)

1954

30%

Hörsaalgebäude Chemie

1961

41%

Zoologisches Institut (jetzt: COS)

1965

21%

Geologie und Mineralogie

1968

20%


Alle 4 Bezirksbeiräte haben beschlossen: "Die Vorgabe eines Zuwachses der Bruttogrundfläche von 818 000 qm zusätzlich zum Bestand von 1 094 000 qm (2017) bis zum Jahr 2050 wird nicht überschritten (Anlage 08 zur Drucksache 0192/2018/BV)" Wenn der Gemeinderat dies auch beschließt, dann muss Höger 21% weniger BGF-Zuwachs unterbringen als in ihren Plänen nachgewiesen sind.

Auch mit einem zweiten Argument versuchen die Projektträger, das Team HÖGER zu diskriminieren: Bürgermeister Jürgen Odszuck behauptete auf der Bezirksbeiratssitzung in Handschuhsheim, der Entwurf HÖGER führe zu dem meisten Autoverkehr. Auf die Vorhaltung, dass bei den Verkehrsberechnungen des Entwurfs HÖGER, anders als bei den anderen Teams, für das Prognosejahr 2035 mit denselben Parkgebühren (23,- €/Monat) und demselben ÖV-Takt wie 2015 gerechnet wurde, antwortete Herr Odszuck, das sei irrelevant, da die Parkgebühren und ÖV-Takte bei allen vier Entwürfen gleich gerechnet wurden. Das ist falsch. Das nachfolgende Bild zeigt als Beispiel die Annahmen bei der Verkehrsberechnung des Entwurfs ASTOC mit einer Erhöhung der Parkgebühren um 50% und einer Halbierung des ÖV-Takts auf 5-min-Takt.

(Durch Klick auf das Bild gelangt man zu dem Originaldokument.)

Ein weiteres falsches Argument war, dass das Team HÖGER bis an den Neckar bauen wolle bzw. dort die dichteste Bebauung vorsehe. Die nachfolgende Grafik zeigt die Planung HÖGER im 3. Entwurf. Die rosa Flächen sind Plätze, keine Bebauung ! Wenn dies nicht gewünscht wird, kann dies ohne Probleme weggelassen werden, Plätze haben keinen Einfluss auf die BGF. Auch das eine kleine Gebäude beim Biodiversitätszentrum könnte ohne Probleme nicht realisiert werden.

(Durch Klick auf das Bild gelangt man zu dem Originaldokument.)

Zur Energieversorgung und CO2-Emission des Campus behauptet Bernd Müller (VermBau BaWÜ), das vom Team HÖGER vorgeschlagene Energiekonzept sei nicht realistisch, nur das Team ASTOC erreiche einen CO2-neutralen Campus. ASTOC will die Klimaneutralität vor allem dadurch erreichen, dass mit zugekauften Windenergie-Zertifikaten auf dem Papier Klimaneutralität vorgegaukelt wird. Die Zuordnung irgendwo erzeugten CO2-neutralen Stroms zu einem bestimmten Verbraucher durch Zertifkiate spart jedoch kein CO2 ein.

Team HÖGER schlägt dagegen ein innovatives Anergie-Netz (Niedertemperaturnetz) vor, um vor allem die großen Abwärmemengen und den Rücklauf der Fernwärme sinnvoll zu nutzen. Das würde tatsächlich CO2 einsparen und wäre langfristig auf alle Fälle preiswerter, als diese Energie zu erzeugen oder einzukaufen. (Für die Uni sind allerdings bisher Investitionskosten ein größeres Problem als Verbrauchskosten, die ganz normal und ungefragt das Land trägt. Dieses Problem müsste mit dem Land gelöst werden. Die Bedingungen dafür sind gut, da damit langfristig Kosten gespart werden.) Bei einem Anergie-Netz würde man stufen- und bereichsweise vorgehen, weil ein Großteil der Abwärme punktuell anfällt. Das Argument, in den unterirdischen Gängen im Campus sei kein Platz, ist nicht stichhaltig. Die meisten Gänge sind sehr geräumig. Neue Gebäude (das ist bis 2050 rund die Hälfte des gesamten Bauvolumens auf dem Campus) könnten mit einem Anergiennetz ohne große Mehrkosten und mit wesentlich geringeren Betriebskosten neben der Abwärme im Campus mit dem Rücklauf der Fernwärme versorgt werden, wie es jetzt das ifeu in seinem neuen Gebäude gemacht hat:
https://www.rnz.de/nachrichten/heidelberg_artikel,-heidelberger-umweltinstitut-ifeu-gebaeude-ist-jetzt-klima-vorbild-_arid,521289.html

Übrigens wurde das Thema Energieversorgung, CO2, Infrastruktur oder Kosten mit den Experten und lokalen Fachvertretern  im Masterplan bisher (Juli 2020) noch überhaupt nicht diskutiert.

Im Zusammenhang mit einer angeblich zu hohen Verdichtung bei HÖGER wird behauptet, der Entwurf HÖGER führe im Innern des Campus zu den höchsten Temperaturen. Auch dieses gegen das Team Höger vorgebrachte Argument ist falsch, wie das Stadtklimatologische Gutachten zeigt (siehe die beiden nächsten Bilder.) Der städtebauliche Entwurf des Team HÖGER führt bei Hitzeperioden von allen vier Entwürfen nachts zu der geringsten Überwärmung und tagsüber zu den zweit geringsten Extremtemperaturen. Der Entwurf von ASTOC führt dagegen nachts zu den zweitgrößten Überwärmungsbereichen und tags zu den mit Abstand höchsten Temperaturen.

(Durch Klick auf das Bild  gelangt man zu dem Originaldokument.)
 

Insgesamt ist erstaunlich, mit welchen Fake-Argumenten bei der Auswahl der Zukunftsentwürfe inzwischen gearbeitet wird.

Zu auffallenden Gepflogenheiten im Verfahren gehört seit einiger Zeit außerdem, dass wichtige Unterlagen, die in einer normalen durchsuchbaren PDF-Datei vorliegen, für den Gemeinderat extra in eine Bild-PDF umgewandelt werden, die dadurch digital nicht mehr durchsuchbar ist und mit der deshalb bei dem vorhandenen Umfang kaum noch gearbeitet werden kann. Dies betrifft z.B. die Stellungnahmen der Experten in Anlage 02 zur Beschlussvorlage vom 24.2.2020 für den Gemeinderat.

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