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Masterplanverfahren Neuenheimer Feld: Was bisher geschah

Am 23.7.2015 beschloss der Gemeinderat mit großer Mehrheit , „dass die Stadt gemeinsam mit der Universität unter Einbindung aller weiteren Akteure einen Masterplan Neuenheimer Feld einschließlich der verkehrlichen Erschließung erarbeitet." In dem Masterplan soll vor allem die weitere bauliche Entwicklung des Neuenheimer Felds festgelegt werden (u.a. wie stark kann die Universität auf diesem Campus noch wachsen und welche Verkehrsbauten können in Zukunft noch errichtet werden ?)

Unirektor Prof. Dr. Eitel, der zur Gemeinderatssitzung eingeladen war, begrüßte einen offenen Masterplanprozess ohne Vorbedingungen, lehnte es aber ab, dass eine Bürgerbeteiligung über den Unicampus stattfindet, dies sei reines Wissenschaftsgebiet. Die Bürgerbeteiligung solle nur die Verkehrsanbindung des Unicampus zum Gegenstand haben. Er verkannte dabei, dass es Planungshoheit des Gemeinderates ist, über einen neuen Bebauungsplan und eine eventuelle weitere Bauverdichtung im Neuenheimer Feld zu befinden und darüber natürlich eine Bürgerbeteiligung stattfinden muss, denn eine weitere Verdichtung zieht, insbesondere wenn eine moderne Straßenbahn nicht kommen sollte, weiteren Verkehr nach sich.

Zur Straßenbahnplanung behauptete Prof. Dr. Eitel, dass der Trassenvorschlag der Universität über den Klausenpfad nicht untersucht und nicht berücksichtigt worden wäre. Dem musste OB Dr. Eckart Würzner widersprechen: der Trassenvorschlag über den Klausenpfad wurde selbstverständlich untersucht und auch dem Gemeinderat zur Entscheidung vorgelegt. Die Bezirksbeiräte Neuenheim: und Handschuhsheim und der Gemeinderat lehnten diese Trassenführung jedoch aufgrund ihrer verkehrlichen und städtebaulichen Nachteile einstimmig ab und beschlossen die verkehrlich bessere Trasse über die Straße INF, die schon immer für eine Straßenbahn vorgesehen war.

Die Fraktion der HEIDELBERGER hatte kurz vor der Sitzung den Antrag gestellt, die Verlegung des Autoverkehrs von der Straße „Im Neuenheimer Feld" auf den Klausenpfad sowie die Machbarkeit der 5.Neckarquerung zu prüfen, zog diesen Antrag aber wieder zurück, nachdem klargestellt worden war, dass die Beschlussvorlage keine Erschließungsvarianten ausschließt.

Am 26.3.2015 hatte der Gemeinderat noch bei der Bereitstellung von 100 000 € für den Masterplanprozess mit großer Mehrheit (36:2:7) beschlossen, dass im Gegenzug erwartet wird, dass die Kläger gegen die Straßenbahn ihre Klagen zurückziehen, damit ein 24 Millionen € Zuschuss nicht verloren geht und eine Straßenbahnerschließung des Campus doch noch realisiert werden kann.

Die SPD beantragte, dass dieser Beschluss erneuert wird, fand jedoch keine Mehrheit. Am Ende folgte eine Mehrheit von 38:8:1 Stimmen der Beschlussvorlage der Verwaltung zur Erarbeitung eines Masterplans ohne Vorbedingungen.

In den bisherigen Unterlagen des Masterplans heißt es:

Ziele des Beteiligungsprozesses
Für die weitere bauliche Entwicklung des Bereiches Neuenheimer Feld / Neckarbogen soll neues Baurecht geschaffen werden. Der Masterplan soll dafür die städtebaulichen Vorgaben und Begründungen liefern…
Für die Stadt Heidelberg bildet der aus den Entwicklungskonzepten zu erarbeitende Masterplan die Grundlage für die sich anschließende, verbindliche Bauleitplanung. Er ist vom Gemeinderat zu beschließen.
"

Die weitere bauliche Entwicklung des Neuenheimer Felds wird wesentlich davon abhängen, ob es mit einem modernen leistungsfähigen Verkehrsmittel erschlossen werden kann.

Es wird für die nächsten Monate und Jahre darauf ankommen, diesen Masterplanprozess kritisch zu begleiten und gute Lösungen für unsere Stadt zu finden. Auf dieser Seite werden jeweils die aktuellen Informationen zum Masterplanprozess zu finden sein.

Unterschriftensammlung
für eine wirksame Bürgerbeteiligung bei der Erarbeitung des „Masterplanes Neuenheimer Feld"

Verschiedene Organisationen, u.a. die Gärtnervereinigung Heidelberg-Handschuhsheim e.V., der Kreisbauernverband Rhein-Neckar-Kreis Ortsverband Handschuhsheim, die  Interessengemeinschaft Handschuhsheim e.V.(IGH) haben begonnen, Unterschriften für eine wirksame Bürgerbeteiligung beim Erarbeiten des Masterplans zu sammeln. Bitte helfen Sie mit ! Sie können die Unterschriftenliste und einen Flyer mit genaueren Informationen herunterladen. 

Am 10.12.2015 überreichte das mit dem Stadtteilverein Handschuhsheim e.V. inzwischen auf 16 Organisationen angewachsene Bündnis für Bürgerbeteiligung Masterplan Neuenheimer Feld der Stadtverwaltung Heidelberg 1380 Unterschriften zur Bürgerbeteiligung und forderte einen projektbezogenen Koordinationsbeirat mit paritätischer Besetzung, in dem die Bürger gleichberechtigt den Ablauf und die Schwerpunkte der Bürgerbeteiligung mitbestimmen können. Notwendig zur Einleitung einer breiten Bürgerbeteiligung sind 1 000 Unterschriften.

 

Wieblinger wollen keine neue Neckarquerung

Begehung von Stadtteilverein und BUND - Das Bündnis für den Masterplan "Neuenheimer Feld" kritisiert den Vorschlag für Beteiligungsverfahren
28.06.2016, 06:00 Uhr

Von Timo Teufert

Am Wieblinger Neckarufer war man sich bei der Begehung des Stadtteilvereins und des BUND Ortsverbandes über die Auswirkungen einer Fünften Neckarquerung für den Stadtteil einig: Durch das Naturschutzgebiet "Altneckar" - laut Naturschutzverband eines der wertvollsten Naturschutzgebiete überhaupt - darf keine Brücke in den Campus "Im Neuenheimer Feld" gebaut werden. Diese wird wieder verstärkt diskutiert, seitdem der Verwaltungsgerichtshof entschieden hat, dass Stadt und Rhein-Neckar-Verkehr GmbH keine Straßenbahn auf dem Campus bauen dürfen. Sowohl der Stadtteilverein als auch der BUND sind Mitglied im "Bündnis für Bürgerbeteiligung Masterplan Neuenheimer Feld" und wollen über das Beteiligungsverfahren Einfluss auf den geplanten Masterplan nehmen. Im Stadtentwicklungs- und Verkehrsausschuss, der am Mittwoch tagt (17 Uhr im Rathaus, Marktplatz 10), stellt die Verwaltung ihren Vorschlag für die methodischen Grundlagen und die Arbeitsstrukturen für diesen Prozess vor.

"Die zwischen Stadt und Land ausgehandelte Beteiligung entspricht nicht der Bürgerbeteiligung, wie wir sie uns wünschen und wie sie nach den Regeln der Stadt Heidelberg nötig wäre", sagte Birgit Müller-Reiss, eine der Sprecherinnen des Bündnisses. Die Verwaltung habe in ihrer Vorlage die Bürgerbeteiligung in eine Öffentlichkeitsbeteiligung umgewandelt. Geschaffen wurde laut Bündnis "eine komplexe Arbeitsstruktur, an deren Spitze ein Lenkungskreis aus Vertretern der Stadt und dem Land steht". Die Zusammensetzung des entsprechenden "Forums Masterplan Neuenheimer Feld" und des Koordinationsbeirats würden insbesondere die Institutionen des Neuenheimer Feldes und seine Nutzer berücksichtigen. "Die angrenzenden Stadtteile, die Nutzer des Handschuhsheimer Feldes, die Umwelt- und Verkehrsverbände und weitere gesamtstädtische Organisationen sind in der Minderzahl vertreten", schreibt das Bündnis in einer Stellungnahme.

Das Bündnis sieht sich mit seinen 16 Partnerorganisationen breit aufgestellt und sieht sich als "ausgewogene, vielfältige Interessenvertretung" für den kontinuierlichen offenen Diskurs über die Entwicklung des Masterplanes. Dass man nun in den geplanten Gremien "weitgehend aus dem Verfahren herausgehalten" werden soll, sei nicht nachvollziehbar. Auf der Grundlage der Beschlussvorlage der Verwaltung sei eine wirksame, transparente und ergebnisoffene Bürgerbeteiligung nicht zu erkennen. "Das Verfahren ist in sich widersprüchlich. Einerseits ist es gekennzeichnet von dem Entgegenkommen an die Universität, die keine Bürgerbeteiligung wollte und wenn doch, dann eine von den Nutzern des Neuenheimer Feldes getragene. Andererseits ist das Bemühen der Verwaltung zu sehen, eine Bürgerbeteiligung nach den Leitlinien zu ermöglichen", schreibt das Bündnis.

Doch nicht nur über die Bürgerbeteiligung wurde unterhalb der Mannheimer Straße diskutiert: Walter Petschan vom Stadtteilverein zeigte anhand von Visualisierungen aus dem Jahr 2002, welche Auswirkungen die Fünfte Neckarquerung für Wieblingen und seine Bewohner hätte. Regine Buyer vom BUND gab zudem einen Einblick in die Flora und Fauna am Altneckar, wo nach ihren Angaben Tiere aus 150 Arten leben. "37 davon stehen auf der Roten Liste der bedrohten Arten", so Buyer.

Am Sonntag, den 17. Juli luden die Gärtnervereinigung, der Verein Feldkultur, der Obst- und Gartenbauverein und der NABU Heidelberg zu einem Informationsrundgang durch das Handschuhsheimer Feld ein.

Die genannten Organisationen sind Mitglieder im "Bündnis für Bürgerbeteiligung Masterplan Neuenheimer Feld", welches eine wirksame Bürgerbeteiligung bei der Erstellung des Masterplanes Neuenheimer Feld fordert. Während des Rundgangs informieren die Veranstalter in Kooperation mit dem Ökogarten der Pädagogischen Hochhochschule Heidelberg über die ökologische und wirtschaftliche Vielfalt des Handschuhsheimer Feldes, die Auswirkungen einer baulichen Erweiterung der Universität und den damit verbundenen Ausbau des Klausenpfades und dem Bau einer 5. Neckarbrücke.

 

Heidelberg: Muss jetzt das Handschuhsheimer Feld dran glauben?

Nach dem Aus für die Campus-Bahn wird nach Alternativen gesucht, um den Verkehr ins Neuenheimer Feld zu entlasten. In Handschuhsheim befürchtet man schon das Schlimmste und macht mobil.

Rhein-Neckar-Zeitung online, 21.07.2016

Von Manfred Bechtel

"Wir wollen die Heidelberger Bevölkerung davon überzeugen, dass man hier vor der Haustür etwas hat, was man nicht verlieren darf!", so begrüßte Hans Hornig die Teilnehmer am Informationsrundgang durch das Handschuhsheimer Feld. Im Sinne der vom Gemeinderat beschlossenen Bürgerbeteiligung hatten vier Vereinigungen zu einem Sonntagsspaziergang geladen: die Gärtnervereinigung, der Verein Feldkultur, der Obst- und Gartenbauverein und der NABU Heidelberg. Sie sind Mitglieder im "Bündnis für Bürgerbeteiligung Masterplan Neuenheimer Feld" - und um den Masterplan geht es auch bei der heutigen Sitzung des Gemeinderates.

"Durch die Ablehnung der Campusbahn ist alles auf null zurückgefahren", stellt Birgit Müller-Reiss, eine der Sprecherinnen des Bündnisses fest. "Die Werte der Universität und der Universitätskliniken sind unbestritten, aber es geht darum, dass auch die Werte der anderen Gebiete gesehen werden." Deshalb steht das Bündnis für eine stadtweite Bürgerbeteiligung, will sich "breit aufstellen" und dafür eintreten, dass "alle gehört werden".

Rund 70 Interessierte waren der Einladung am Sonntagnachmittag gefolgt, darunter Betroffene aus den anderen Stadtteilen, Stadträte und der BUND. Es ging um die Erhaltung der Vielfalt in diesem Grüngebiet im Nordwesten der Stadt. "Wir sehen im Masterplan die Bedrohung, dass der Klausenpfad hier als Verkehrsstraße ausgebaut wird, vielleicht noch ein Zubringer hinzukommt", gab Sprecher Hans Hornig zu bedenken.

Und er fährt fort: "Es gibt immer mehr Leute, die erkennen, dass der Verkehr nicht weniger wird, wenn wir neue Straßen bauen. Auch wollen wir zeigen, dass Verkehrsmaßnahmen und bauliche Maßnahmen immer auch Auswirkungen auf andere Stadtteile haben. Hier im Feld besteht bei weiterem Flächenverbrauch die Gefahr, dass nicht mehr wirtschaftlich gearbeitet werden kann, beispielsweise, weil der Nutzwasserverband nicht mehr genügend Mitglieder hat. Nicht zuletzt ist hier ein Naherholungsgebiet zum Spazierengehen für alle."

Treffpunkt und erste Station war der Ökogarten der Pädagogischen Hochschule am Klausenpfad, ein Schaufenster in die Naturvielfalt. Anschließend warb Sebastian Olschewski aus Sicht des Naturschutzes für das Mosaik von Gartenanlagen, Hecken, Gebüschen und Feldgehölzen mit seiner Lebensvielfalt auf relativ engem Raum. Der Körnerbock und andere seltene Käfer krabbeln dort, Wendehals und eine Vielfalt von Vögeln brüten, Fledermäuse finden in der reich strukturierten Kulturlandschaft ihren Lebensraum.

Einen "sehr heiklen Punkt" machte Robert Bechtel vom Verein Feldkultur mitten im Handschuhsheimer Feld aus: Im Gewann Hühnerstein könnte gebaut werden. Das lässt ein alter Bebauungsplan zu, der einmal unter anderen Voraussetzungen beschlossen wurde. Damals sollte eine Erweiterung der Universität oder Verlegung des Botanischen Gartens möglich gemacht werden. Robert Bechtel regte einen "mutigen Schritt" der Gemeinderäte an, diesen Bebauungsplan "rückzuentwickeln" und die Fläche wieder dem Handschuhsheimer Feld einzugliedern.

Einblicke in biologischen Pflanzenschutz und ökologischen Gartenbau gab Elke Koppert. Auch hob sie die Nähe zu den Verbrauchern hervor. "Das ist ein Paradebeispiel für regionalen Anbau, viele Heidelberger wollen Gemüse von hier." In den Gewächshäusern der Gärtnerei Stockert im Gewann Fischpfad erfuhren die Informationsspaziergänger schließlich, wie in Handschuhsheim Tomaten angebaut werden.

Ein weiteres Argument brachte Frank Wetzel vom Obst- und Gartenbauverein in die Diskussion: die Bedeutung der Grünfläche für das Stadtklima: Aus dem Feld streicht kühlere Luft in die heißeren bebauten Gebiete. Auch deshalb forderte er ein Ergebnis, "mit dem die zukünftige Generation gut leben kann. Das geht nur, wenn der Klausenpfad zum Rubikon wird!". Mit anderen Worten: Er muss wie bisher die Grenze der Bebauung markieren.

Am 21.7.2016 sollte der Gemeinderat  das Verfahren zur Erstellung des Masterplans beschließen. Die Verwaltung schlägt dafür die Einrichtung eines

A) Koordinationsbeirats Masterplan INF und eines
B) Forums Masterplan INF  vor.

Diese sollen so zusammengesetzt sein:

A) Koordinationsbeirat Masterplan INF (Aufgabe: Gestaltung des Beteiligungsverfahrens)

Sitze

Projektträger (Stadt Heidelberg und Land Baden Wurttemberg):

1

Vermögen und Bau, Amt Mannheim und Heidelberg (Uni-Bauamt)

1

Universität Heidelberg

1

Universitätsklinikum Heidelberg

1

Personalrat der Universität Heidelberg

1

Personalrat des Universitätsklinikums Heidelberg

1

Stadtplanungsamt

1

Amt für Stadtentwicklung und Statistik

Bürgerschaft:

1

Stadtteilverein Wieblingen

1

Stadtteilverein Handschuhsheim

1

Stadtteilverein Neuenheim

1

Stadtteilverein Bergheim

1

Vertreter Handschuhsheimer Feld (z.B. Gärtnervereinigung Handschuhsheim oder Ortsverein Handschuhsheim des Kreisbauernverbands oder Verein der Gartenfreunde Handschuhsheim oder Obst- und Gartenbauverein Handschuhsheim oder Verein Handschuhsheimer Feldkultur)

1

Vertreter Umweltverbände (z.B. Landesnaturschutzverband Arbeitskreis Mannheim, Heidelberg, Rhein-Neckar oder BUND oder NABU oder Ökostadt Rhein-Neckar oder Verkehrsclub Deutschland (VCD))

1

Gesamtstädtische Perspektive: Benennung eines Vertreters durch Abstimmung zwischen Bürger für Heidelberg und der Bürgerstiftung

Institutionelle Nutzer und Besucher des Neuenheimer Feldes:

1

Max-Planck-Gesellschaft

1

Pädagogische Hochschule Heidelberg

1

DKFZ

1

Zoo Heidelberg

1

Vertreter(in) der Sportvereine: Benennung eines Vertreters durch den Sportkreis Heidelberg

1

Verfasste Studierendenschaft

1

Studentische(r) Vertreter(in) eines Wohnheims INF: Benennung eines Vertreters über die Heimsprecher

21

 

B) „Forum Masterplan INF"  (Aufgabe: Diskussion und Erarbeitung von Vorschlägen für den Gemeinderat)

Steuerungskreis (4):

1

Vermögen und Bau, Amt MA HD  (Uni-Bauamt)

1

Universität Heidelberg

1

Stadtplanungsamt

1

Amt für Stadtentwicklung und Statistik

(Bei Bedarf werden die jeweils betroffenen Fachämter hinzugezogen)

Politische Vertreter (14):

4

Gemeinderat (4)

4

Bezirksbeiräte (4)

1

Ausländer-Migrationsrat (1)

1

Jugendgemeinderat (1)

1

Beirat von Menschen mit Behinderung (1)

1

Vertreter des Rhein-Neckar-Kreises (1)

1

Landespolitische Vertreter (1)

1

Bundespolitische Vertreter (1)

Institutionelle Nutzer des Neuenheimer Feldes (19):

1

Verfasste Studierendenschaft

1

Universitätsklinikum Heidelberg

1

Studierendenwerk

1

DKFZ

1

Max-Planck-Institut

1

Zoo Heidelberg

1

Vertreter(in) der Sportvereine

1

Olympiastützpunkt

1

Technologiepark

1

Springer Verlag

1

Pädagogische Hochschule Heidelberg

1

Jugendherberge

1

Schwimmbad

1

Unterländer Studienfonds bei der Universität Heidelberg

1

Vertreter Einzelhandel / Dienstleister INF

1

Vertreter Wohnungseigentümer INF

1

Gewerblicher Vertreter Handschuhsheimer Feld (z.B. Ortsverein Handschuhsheim des Kreisbauernverbands oder Gärtnervereinigung Handschuhsheim)

1

Vertreter kleingärtnerischer Freizeitnutzung (Verein der Gartenfreunde Handschuhsheim oder Obst- und Gartenbauverein Handschuhsheim oder Verein Handschuhsheimer Feldkultur)

1

Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Heidelberg

Bürgerschaft und stadtweite institutionelle Vertreter (18):

1

Architektenkammer

1

Umweltverbände (NABU oder BUND oder Ökostadt RheinNeckar)

1

Verkehrsclub Deutschland (VCD)

1

ADAC

1

rnv

1

Fahrgastbeirat

1

Stadtteilverein Wieblingen

1

Stadtteilverein Handschuhsheim

1

IG Handschuhsheim e.V.

1

Stadtteilverein Neuenheim

1

Stadtteilverein Bergheim

1

Sicheres Heidelberg e.V.

1

Sprecher der Schulleiter der Heidelberger Gymnasien

1

Bürger für Heidelberg

1

Bürgerstiftung

3

3 Bürgervertreter/innen (Verfahren: Es wird eine Zufallsstichprobe aus dem Melderegister gezogen. Diese Personen können sich bewerben. Gehen mehr als 3 Bewerbungen ein, entscheidet das Los.)

55

Diese vorgeschlagene Zusammensetzung der Gremien, die den Masterplan vorbereiten, diskutieren und Vorschläge erarbeiten sollen, erscheint nicht sehr ausgewogen. Während z.B. alle Institutionen, die bisher eine moderne Straßenbahn im Neuenheimer Feld verhinderten und stattdessen Straßenbauten fordern, voll mit je einer Stimme vertreten sind, sollen die Organisationen des Handschuhsheimer Feldes genauso wie die Umwelt- und Naturschutzorganisationen jeweils nur eine einzige Stimme für mehrere Organisationen erhalten.

Am 14.7.2016 legte die Verwaltung einen neuen Vorschlag für die Zusammensetzung des Forums vor. Auch nach diesem neuen Vorschlag wären gerade die wichtigen Organisationen von der Teilnahme ausgeschlossen, die schon seit Jahrzehnten an diesem Thema arbeiten wie  z.B. die Gärtnervereinigung Heidelberg-Handschuhsheim,  der Nutzwasserverband,  der Landesnaturschutzverband, der Kreisbauernverband Rhein-Neckar-Kreis, die Ortsgruppe Handschuhsheim des Kreisbauernverbandes Rhein-Neckar-Kreis, die Ortsgruppe Wieblingen des  BUND, das Umwelt- und Prognose-Institut (UPI) und der HTC.  Der Bereich "Campus" soll dagegen  mit  allen Institutionen vertreten sein, die überhaupt aufgeboten werden können.

Das Masterplanverfahren soll nach dem vorgelegten Konzept durch einen "Steuerungskreis" geleitet werden, in dem 2 Vertreter der Universität und 2 Vertreter der Stadtverwaltung Sitz und Stimme haben sollen, jedoch kein Vertreter der Bürgerschaft, der Umwelt- und Naturschutzorganisationen oder der Vertreter des Handschuhsheimer Feldes.

Diese geplante Zusammensetzung des "Steuerungskreises" ist nicht akzeptabel, in ihm müssen die divergierenden Interessen vertreten sein. Der Gemeinderat sollte dafür sorgen, dass  der Steuerungskreis paritätisch besetzt wird und sowohl beim Koordinationsbeirat  wie beim  „Forum Masterplan INF" - wie im Falle der Institutionen des Neuenheimer Felds - auch alle Organisationen des Handschuhsheimer Feldes und aus Wieblingen und alle Umwelt- und Naturschutzorganisationen in den Gremien mit je einer Stimme vertreten sind.

 Außerdem ist es nach dem Urteil des VGH gegen die Straßenbahnerschließung des Unicampus aus Gesamtverantwortung für die Stadt jetzt notwendig, dass die Praxis der Befreiungen von dem bestehenden Bebauungsplan unverzüglich beendet wird. Durch Befreiungen liegt die genehmigte Baudichte im Neuenheimer Feld heute bereits um 11% über dem gültigen Bebauungsplan. Nach der Planung wird es mindestens bis zum Jahr 2019 dauern, bis das Masterplanverfahren abgeschlossen ist und ein neuer Bebauungsplan in Kraft treten kann.

 Im Masterplanverfahren geht es darum, Planungsrecht zu schaffen (Bebauungsplan mit der in Zukunft zulässigen Verdichtung, Trasse einer Straßenbahn, Verkehrserschließung). Dies ist Hoheitsrecht der Gemeinde, bei der normalerweise die Stadtverwaltung das Verfahren durchführt und den Plan erstellt. Die Betroffenen werden im Verfahren gehört und können Einwendungen machen. Am Ende entscheidet der Gemeinderat.

In diesem Fall sitzt die Universität als Betroffene zusammen mit den beiden Projektträgern im Lenkungskreis und im Steuerungskreis und leitet das Verfahren zur Erstellung des Masterplans selbst mit. Die Bürgerbeteiligung dient dazu, Ideen zu sammeln und Anliegen einzubringen. Am Ende wird der Gemeinderat über den im Masterplanverfahren erstellten Masterplan entscheiden, ggfls. auch über Zwischenschritte, wobei offen ist, wie die aussehen können. Der Gemeinderat wird allerdings nur noch wenig Spielraum haben, eine ggfls. abweichende Entscheidung zu treffen, wenn diese "bisher größte Bürgerbeteiligung in Heidelberg" abgeschlossen ist.

Am Mittwoch, 28.6.2016, befasste sich der Stadtentwicklungsausschuss mit dem Thema. Es zeichnet sich ab, dass dies das größte Bürgerbeteiligungsverfahren in der Stadt Heidelberg werden wird. Es wird rund 1 Million Euro kosten. Der Leiter des Uni-Bauamts (Vermögen und Bau, Amt Mannheim und Heidelberg) erklärte, dass in seinem Amt 2-3 Mitarbeiter für den Masterplan arbeiten werden.  Die GRÜNEN, die SPD und die BL legten Anträge zu einer ausgewogeneren Besetzung der Gremien vor. Nach ausführlicher Diskussion wurden diese Anträge vertagt auf die nächste Gemeinderatssitzung.

Am Donnerstag, 21.7.2016, um 16 Uhr stand das Masterplanverfahren auf der Tagesordnung im  Gemeinderat. Nach längerer Diskussion wurden die vorliegenden Anträge und die Beschlussvorlage zu weiterer Beratung in den Stadtentwicklungs- und Verkehrsausschuss (voraussichtlich am 14.9.2016) zurückverwiesen. 

Am 2.7.2016 erschien ein bemerkenswerter Artikel in der RNZ: In einem Pressegespräch erläuterten Prof. Wolfgang Herzog, Dekan der Fakultät und  Prof. Guido Adler, Leitender Ärztlicher Direktor des Uniklinikums, dass "im Jahr 2050 der Campus 40 bis 50 Prozent größer sein als müsse als heute". In dem RNZ-Artikel heißt es weiter: "Dass dies alles noch mehr Verkehr ins Neuenheimer Feld bringt, ist den Verantwortlichen klar. "Wir machen alles, was möglich ist, um den Kreis derer, für die ein Jobticket interessant ist oder die mit dem Fahrrad fahren können, zu erweitern", kündigte die Kaufmännische Geschäftsführerin des Klinikums, Irmtraut Gürkan, an."

Zuletzt sah man das ja deutlich an der Verhinderung einer modernen Straßenbahnanbindung des Uni-Campus durch die Universität...

Am Mittwoch 14.9.2016 wurde das Verfahren zur Erstellung des Masterplans im Stadtentwicklungs- und Verkehrsausschuss im Rathaus behandelt und beschlossen. Zuvor stellte Prof. Dr. Meusburger von der Universität sein Strategiepapier  „Wissenschaftsstadt Heidelberg - Analysen und Strategien" vor. Darin kommt er für die Perspektiven der Uni u.a. zu dem Ergebnis: "Es muss in Zukunft auch im Neckarbogen und/oder Handschuhsheimer Feld Möglichkeiten einer Erweiterung geben."  Die Universität Heidelberg läge im deutschlandweiten Ranking nach den Drittmitteln der DFG an zweiter Stelle. Die Ursache seien u.a. die optimalen Bedingungen im Neuenheimer Feld, wo alle Institute zusammen lägen. Um diese exzellente Stellung zu halten, müssten die Uni und die Forschungsinstitute in Zukunft immer weiter wachsen. Dem widersprach Dr. Weiler-Lorentz (BL): Wenn man sich die besten Universitäten im internationalen Ranking anschaue, gäbe es ganz andere Faktoren: Die besten Universitäten wie CalTech, Oxford, Stanford,  Harvard,  MIT, Princeton, Cambridge u.a. seien wesentlich kleiner als die Uni Heidelberg, die in diesem internationalen Ranking erst an 41. Stelle kommt. Und die beste deutsche Universität im von Prof. Meusburger vorgestellten Ranking, die Uni München, sei über das ganze Stadtgebiet Münchens verteilt.

Anschließend begrüßte Bernd Müller von Vermögen und Bau Baden-Württemberg (vormals Unibauamt), dass es jetzt endlich losgeht, schon bisher habe man mit der Stadt gut zusammen gearbeitet. Birgit Müller-Reiss stellte dem Gemeinderat das Bündnis für Bürgerbeteiligung vor. Zum Beschlussvorschlag der Verwaltung zum Masterplan Neuenheimer Feld lagen mehrere Anträge vor. Am stärksten wehrten sich Oberbürgermeister Dr. Würzner und Bernd Müller vom Unibauamt gegen den SPD-Antrag, den Betrachtungsraum auf das ganze Stadtgebiet (also auch die Konversionsflächen) auszudehnen, falls  man zum Ergebnis kommt, dass das Neuenheimer Feld nicht mehr ausreichen wird. Nach der Verwaltungsvorlage sollte lediglich der rot umrandete Betrachtungsraum Gegenstand des Verfahrens sein.

Der OB machte die bemerkenswerte Aussage: "Wenn es nur um den blauen Bereich gehen würde, bräuchten wir keine Bürgerbeteiligung. Eine Bürgerbeteiligung brauchen wir nur für eine Entwicklung darüber hinaus."

Leider wurde der SPD-Antrag mit den Stimmen von CDU, HEIDELBERGERN, FWV, AfD und dem OB gegen die Stimmen der SPD, von Christoph Rothfuß und Peter Holschuh (GRÜNE), Alexander Schestag (Piraten) und Arnulf Weiler-Lorentz (BL) abgelehnt. Michael Pfeiifer (generation HD) und Manuel Steinbrenner (GRÜNE) hatten sich enthalten. Stattdessen wurde ein von Frau Friedrich, Leiterin des Stadtplanungsamtes, formulierter Antrag einstimmig verabschiedet, dass die rote Linie gelöscht wird und der Betrachtungsraum nach Bedarf erweitert wird.

Der gemeinsame Antrag von GRÜNEN, SPD, Linke/Piraten und Bunte Linke über eine neutralere Zusammensetzung des Forums fand dagegen eine Mehrheit von 9 zu 4.

Keine Mehrheit dagegen fand der Antrag, dass der Steuerungskreis um 2 Personen erweitert wird, die durch das Bündnis Bürgerbeteiligung Masterplan Neuenheimer Feld bestimmt werden, da sowohl die SPD als auch Manuel Steinbrenner (GRÜNE) mit dem OB, der CDU, den HEIDELBERGERN, der AfD  und der FWV dagegen stimmten. Lediglich Christoph Rothfuß (GRÜNE),  Dr. Weiler-Lorentz und Alexander Schestag (Piraten) stimmten dafür.

Heidelberger Verkehrsausschuss diskutiert den "Masterplan Neuenheimer Feld"

Suche nach Flächen für neue Wissenschafts- und Forschungsinstitute - Erweiterung ins Handschuhsheimer Feld?

Rhein-Neckar-Zeitung online 17.09.2016, 06:00 Uhr

Von Anica Edinger

Heidelberg. Es ist einer dieser Prozesse, der für Heidelberg "eine herausragende Bedeutung hat", wie es Oberbürgermeister Eckart Würzner formuliert. Mit dem "Masterplan Neuenheimer Feld" steht die Stadt vor einer Mammutaufgabe, die sie in den nächsten drei Jahren lösen will. Darüber diskutierte nun der Stadtentwicklungs- und Verkehrsausschuss.

Der Streit entzündete sich schon an Tagesordnungspunkt eins. Im Kreuzfeuer der Kritik: Prof. Peter Meusburger vom Geografischen Institut der Uni Heidelberg. Er informierte im Ausschuss im Auftrag der Stadt über Rahmenbedingungen, die Spitzenwissenschaftler in einer Wissenschaftsstadt wie Heidelberg benötigen. Und Meusburger kam zu einem entscheidenden Fazit: "Die Bedeutung von Face-to-Face-Kontakten war noch nie so hoch wie heute." Um Spitzenwissenschaftler in die Stadt zu locken, müssten die wissenschaftlichen Einrichtungen nah beieinander sein - so, wie das heute bereits im Neuenheimer Feld der Fall ist.

Aber dort ist nicht mehr viel Platz, in Zukunft wird man weitere Flächen für wissenschaftliche Einrichtungen benötigen. Der Masterplan soll da Abhilfe schaffen. Und Meusburger macht klar: Langfristig werde das Neuenheimer Feld nicht ausreichen - und dann müsse auch über die Möglichkeit einer Erweiterung ins Handschuhsheimer Feld nachgedacht werden. Ein Satz, den einige Stadträte nicht gerne hören. So etwa Alexander Schestag (Piraten): "Da haben die Handschuhsheimer auch noch ein Wort mitzureden." Die Analyse von Meusburger sei ihm nicht umfassend genug - "sie sind nicht auf die Gesamtstadt eingegangen". Arnulf Weiler-Lorentz (Bunte Linke) verwies zudem auf andere Spitzenhochschulen, etwa die Ludwig-Maximilians-Universität in München, "wo auch nicht alle auf einem Haufen sitzen". Es war der Anfang einer vierstündigen Mammutsitzung - und der Wegbereiter für die Diskussion, wie der "Masterplan" aufgestellt werden kann. Die Stadtverwaltung nennt es "Masterplanprozess". Dahinter verbirgt sich ein kompliziertes Konstrukt aus vier Phasen, mit Lenkungs- und Steuerungskreisen, Planungsateliers und natürlich mit Bürgerforen. Das sind die wichtigsten Punkte.

Die Ausgangslage: Der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg hat die Straßenbahn ins Neuenheimer Feld beerdigt. Für das Gebiet gilt der Bebauungsplan von 1961, der keine Bahn zulässt.

Das Ziel: Mit dem Masterplan sollen zum einen die Verkehrsprobleme gelöst werden. Zum anderen geht es auch um die planerische Neufassung des gesamten Neuenheimer Feldes. Im Mittelpunkt steht die Frage: Wo kann man Erweiterungsflächen für neue Wissenschafts- und Forschungsinstitute finden? Die Kosten für den Prozess belaufen sich auf rund 994.000 Euro, Stadt und Land übernehmen als Projektträger jeweils 50 Prozent davon.

Der Prozess: Die Planungsphase ist auf drei Jahre angelegt. Sie umfasst die wesentlichen Verfahrensschritte, definiert die Räume, die in den Blick genommen werden sollen, die organisatorische Arbeitsstruktur sowie die personelle Besetzung des Koordinationsbeirates und des "Forums". Vor allem der letzte Punkt sorgte für Diskussionen im Ausschuss.

Knackpunkt Nummer 1 - Das Forum: Es ist im Planungsprozess laut Verwaltungsvorlage "die Schnittstelle zwischen Bürgerschaft und Nutzern des Neuenheimer Feldes auf der einen Seite sowie den Projektträgern auf der anderen Seite". Es bildet also einen wesentlichen Baustein für die Bürgerbeteiligung. Laut Verwaltungsvorlage sollten insgesamt 67 Vertreter im Forum sitzen - nach der Ausschusssitzung sind es jetzt 82. Denn die Grünen, SPD, Linke/Piraten und die Bunte Linke beantragten, dass Vereine und Institutionen nicht nur einen, sondern zwei Vertreter entsenden können. Mit vier Gegenstimmen fand der Antrag eine Mehrheit - OB Würzner sagte dazu: "Damit haben wir jetzt Doppelbesetzungen im Forum - das halte ich für absoluten Quatsch." Und weil mit der Annahme dieses Antrags die drei "Zufallsbürger", die laut Vorlage auch im Forum sitzen sollten, weggefallen waren, beantragte CDU-Stadtrat Alexander Föhr, diese wieder aufzunehmen - was der Ausschuss mehrheitlich beschloss.

Knackpunkt Nummer 2 - Die rote Linie: In der gemeinsamen Vorlage von Stadt und Land wurden ein enger sowie ein erweiterter Betrachtungsraum definiert. Das heißt: Wenn im eigentlichen Neuenheimer Feld kein Platz mehr für weitere Entwicklungen ist, wird der erweiterte Raum in den Blick genommen - der ist aber durch eine rote Linie begrenzt. Für die SPD-Fraktion ist das "eine Beschränkung des freien Denkens", so Fraktionsvorsitzende Anke Schuster. Sie stellte den Antrag, das gesamte Stadtgebiet zu betrachten. Der Leiterin des Stadtplanungsamtes, Annette Friedrich, trieb das Schweißperlen auf die Stirn: "Wir können keinen Stadtentwicklungsplan aufstellen." Genau darauf liefe der Vorschlag der SPD aber hinaus.

Am Ende wurde der Antrag mit sieben Ja-, acht Gegenstimmen und zwei Enthaltungen abgelehnt. Die Räte stimmten stattdessen ebenfalls knapp (10 : 7) für einen Kompromissvorschlag von Friedrich, die den erweiterten Raum als "Korridor" umschreibt, der "zur orientierenden Abgrenzung des erweiterten Betrachtungsraumes gezogen wurde" - und als "weiche Linie" zu verstehen sei. Wenn also in Zukunft auch im "Erweiterungskorridor" kein Platz für Neuentwicklungen ist, wird die ganze Stadt in den Blick genommen. Ob das tatsächlich so durchgeht, entscheidet der Gemeinderat am 6. Oktober.

3 Kommentare

Aboriginal

Warum wird eigentlich der massive Eingriff ins Handschuhsheimer Feld mit "Neuenheimer Feld" beschönigt? Warum wird das nicht klar benannt? Grenze ist nach wie vor der Klausenpfad, im Bild deutlich erkennbar als Trennlinie zwischen der nahezu geschlossenen vollflächigen Bebauung des Neuenheimer Felds und der kleinteiligen Garten- und landwirtschaftlichen Struktur des Handschuhsheimer Feldes. Was ist eigentlich daraus geworden?
https://www.heidelberg.de/site...
http://ww2.heidelberg.de/stadt...

Klaus Müller

Ich sehe nicht ein, dass die Stadt sich durch eine Uni, die gegen eine sinnvolle Verkehrsplanung des INF (Straßenbahn) geklagt hat, erpressen lassen sollte. Einfach nein sagen und Vorbedingungen stellen, was aktuell gemacht werden muss (Straßenbahn), damit man überhaupt über Erweiterungen nachdenkt. Ohne Festlegungen.

Hans

Warum soll man in diesem Prozess nicht von vornherein diskutieren dürfen, ob sich die Uni nicht auch anderswohin erweitern kann? Selbst wenn die Vertreter der Uni derzeit keine Alternativen sehen möchten: Andere Stadtteile könnten deutlich davon profitieren, wenn sich dort Einrichtungen der Uni neu ansiedeln. Was spricht dagegen, schon jetzt sämtliche Pro- und Contra-Argumente von Seiten aller Akteure sorgfältig zu prüfen und nicht erst als letzten Schritt, wenn sich eine Erweiterung ins Handschuhsheimer Feld als nicht realisierbar erwiesen hat?

Es ist doch absehbar, dass diese Erweiterungspläne, samt fünfter Neckarbrücke und Autobahnzubringer quer durchs Feld, scheitern werden. Dem stehen derart viele andere Funktionen des Feldes und rechtliche Rahmenbedingungen (Kleinklima für Handschuhsheim, Freizeitwert, regionale Lebensmittelproduktion, Naturschutz, zersplitterte Besitzstruktur, etc.) im Wege, dass sich die Befürworter daran leicht die Zähne ausbeißen können. Für diesen Erkenntnisprozess Jahre ins Land gehen zu lassen und dann erst zu prüfen, wo sich die Uni anderswohin erweitern könnte, scheint nicht sehr weitsichtig. Im Kleinen ist diese Strategie einst schon für den Reiterverein in einer Sackgasse geendet. Man fragt sich ohnehin, warum die Uni nicht schon vor Jahren Filetstücke auf den Flächen der Amerikaner beansprucht hat, die ihr zu Beginn des Verteilungsprozesses wohl niemand versagt hätte.

Im Detail sind die Argumente doch etwas kurios: Da wird einerseits der persönliche Austausch unter Wissenschaftlern als derart wertvoll definiert, dass sich die Uni gerade aus diesem Grund unbedingt ins Handschuhsheimer Feld erweitern müsse. Dem Rest der Bürgerschaft aber soll zugleich in dem anstehenden Entscheidungsprozess ein freier Dialog von vornherein versagt bleiben. Das hört sich nicht nach einer Bürgerbeteiligung „von unten" an, die diesen Namen noch verdient.

Sind denn nicht schon Stadthallenerweiterung und Neckarufertunnel daran gescheitert, dass man viel zu schnell nur eine denkbare Variante auf Biegen und Brechen durchsetzen wollte und die Bürger höchstens noch über Details diskutieren durften? Die spätere Standortsuche für die Stadthalle hat doch gezeigt, wie man einen solchen Prozess ergebnisoffen und damit letztlich auch erfolgreicher gestalten kann. Merkwürdig, dass das hier nicht als Vorbild taugen soll.

 

Am 6.10.2016 behandelte der Gemeinderat das Verfahren zur Erstellung des Masterplans. Zunächst stand noch einmal das Strategiepapier  von Prof. Dr. Meusburger auf der Tagesordnung, in dem dieser als Voraussetzungen für die weitere erfolgreiche Entwicklung der Elite-Universität ein weiteres erhebliches Wachstum und die Konzentration auf einen Standort behauptet hatte. Am Tag zuvor waren seine Thesen in einem Interview der Rhein-Neckar-Zeitung mit dem provokanten Titel "Was ist Heidelberg wichtiger: Forscher oder Gärtner?" veröffentlicht worden, in dem er auch das zugab, was die Universität seit Jahren wiederholt abgestritten hatte: Den Wunsch der Uni, sich ins Handschuhsheimer Feld auszudehnen. Dr. Arnulf Weiler-Lorentz nahm deshalb noch einmal ausführlich dazu Stellung und legte dar, dass die Aussagen von Herrn Prof. Meusburger nicht mit dem weltweiten Ranking der besten Universitäten übereinstimmen. Viele der Universitäten, die im Ranking besser als die Uni Heidelberg sind, sind viel kleiner als diese und etliche sind nicht auf einem Campus konzentriert.

Hauptdiskussionspunkt war anschließend, ob der Masterplanprozess nur auf die blauen und roten Linien (siehe Bild oben) konzentriert werden soll, wie es die Uni und die Verwaltung wollten. Damit wäre eine bauliche Entwicklung der Uni ins Handschuhsheimer Feld vorgezeichnet. Frau Prof. Dr. Anke Schuster (SPD) legte deshalb einen Antrag vor, nachdem zunächst das blau umrandete Gebiet behandelt werden soll. Und wenn man zum Schluss käme, dass dies in Zukunft nicht mehr ausreiche, sollten in dem Masterplanprozess keine  Denk- und  Diskussionsverbote erteilt werden, sondern das ganze Stadtgebiet betrachtet werden. Die rote Linie solle deshalb entrfallen und durch die Stadtgrenzen ersetzt werden. Christoph Rothfuss, Frank Wetzel und Manuel Steinbrenner (GRÜNE) und Dr. Arnulf Weiler-Lorentz (BL) argumentierten für den Antrag, Alexander Föhr (CDU), Dr. Simone Schenk (FWV) und Larisa Winter-Horn (HEIDELBERGER) gegen den Antrag. Nach längerer Diskussion stimmte eine Mehrheit von 23 zu 15 für den SPD-Antrag. Für den Antrag stimmten geschlossen die Faktionen der SPD, GRÜNEN, GAL, BL, Linke und Waseem Butt. Gegen den Antrag stimmten die CDU, HEIDELBERGER, FWV, FDP und AfD.  Daran anschließend wurden die Beschlüsse des SEVA, u.a. zur Zusammensetzung des Forums Masterplan, und der Grundsatzbeschluss zur Durchführung des Masterplanprozesses mit großer Mehrheit beschlossen.

Als nächstes wird jetzt eine vertragliche Rahmenvereinbarung zwischen den Projektträgern Land und Stadt erarbeitet. Diese muss vom Gemeinderat beschlossen werden. Dabei wird genau darauf zu achten sein, was in dieser Rahmenvereinbarung festgeschrieben werden soll.

Am 12. Januar 2017 erschien in der RNZ ein Leserbrief, der einen Teil des Problems gut zusammenfasst:

 

Wenn Gärtner wegen der Uni Heidelberg ihren Untergang fürchten

Handschuhsheimer Landwirte stellen sich gegen die Ausdehnung der wissenschaftlichen Institute - Die Vielfalt des Feldes sei einzigartig

Rhein-Neckar-Zeitung, 16.01.2017

Von Holger Buchwald

Die Diskussion um die Zukunft des Handschuhsheimer Feldes ist in vollem Gange. Während das Land Baden-Württemberg gerne einen Teil der Fläche als Erweiterungsgebiet für die wissenschaftlichen Einrichtungen im Neuenheimer Feld reservieren würde, fürchten die Gärtner dort um ihre Existenz - und dass ein einzigartiges Stück Natur für immer zerstört werden könnte. Erstmals nahmen sich nun acht Vertreter der Gärtnervereinigung, des Obst- und Gartenbauvereins, des Kreisbauernverbandes und der Hobbygärtnervereinigung "Handschuhsheimer Feldkultur" gemeinsam mehr als zwei Stunden Zeit, um zu erklären, warum sie am liebsten keinen einzigen Hektar zwischen B 3, Neuenheimer Feld, und Neckar hergeben würden.

> Ein Ausbau des Klausenpfades, sei es als Straßenbahntrasse, sei es als Autostraße, hätte für Hans Hornig, Vorsitzender der Gärtnervereinigung, etwas Bedrohliches. Denn dann wäre es nur eine Frage der Zeit, bis auch der Nordrand der Straße bebaut werden würde, meint er. Was mehrgeschossige Häuser für Konsequenzen haben können, zeige der Octapharma-Bau. Er grenzt im Süden an das Handschuhsheimer Feld. "Das Gebäude wirft gut und gerne 40 bis 50 Meter Schatten", macht Gärtner Peter Schlicksupp klar: "Der Boden dort ist immer noch gefroren. Das sind Flächen, die nicht bewirtschaftet werden können." Den Klausenpfad benötige man außerdem als Wirtschaftsweg, fügt Frank Wetzel, Grünen-Stadtrat und Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins, hinzu. "Fällt er weg, müssten wir 30 Meter gen Norden einen neuen Wirtschaftsweg anlegen." Für Peter Schlicksupp ist der Klausenpfad die "absolute Grenze".

> Die Vielfalt im Handschuhsheimer Feld sei einzigartig. Parzellen von Hobbygärtnern wechselten sich mit professionell bewirtschafteten Feldern ab. Angebaut werden dabei bei Weitem nicht nur die Klassiker Tomaten und Feldsalat. "Von Artischocken bis Blaubeeren gibt es alles hier", sagt Schlicksupp. "Und diese Artenvielfalt braucht Platz", warnt Heike Sauer vom Verein "Handschuhsheimer Feldkultur". Genau das, was ein Kandidat der Internationalen Bauausstellung mit einem Landwirtschaftspark im Südwesten der Stadt anstrebe, gebe es schon in Handschuhsheim. "Warum es zerstören?", fragen sich die Gärtner. "Wird ein Grundstück erst einmal bebaut, ist es für immer verloren", weiß Schlicksupp. "Diese Vielfalt gibt es vielleicht in ganz Deutschland nicht mehr", glaubt Robert Bechtel von der "Feldkultur".

> Nachwuchssorgen haben einige Betriebe, geben die Gärtner unumwunden zu. In den letzten Jahrzehnten hat ihre Anzahl stetig abgenommen. Doch mache ein Hof zu, übernehme ein anderer dessen Felder. Momentan bewirtschaftet ein Betrieb im Durchschnitt rund zehn Hektar. "Um Nachfolger zu finden, brauchen wir Planungssicherheit", sagt auch Claudia Weigold vom Kreisbauernverband. Wenn die Universität behaupte, nur in den nächsten 20 bis 30 Jahren keine zusätzlichen Flächen im Handschuhsheimer Feld zu benötigen, sei dies als Perspektive für junge Landwirte nicht genug.

> Die Wasserversorgung im Handschuhsheimer Feld funktioniert glänzend. Zuständig dafür ist der Nutzwasserverband mit 550 Mitgliedern. "Wir haben 14 Kilometer Leitungen und können 220 bis 230 Hektar bewässern", sagt Konrad Heck, Vorsitzender des Nutzwasserverbandes. Würde die Universität ins Handschuhsheimer Feld erweitern, müssten auch die Rohre, die in den 1930er Jahren verlegt wurden, weichen. "Dabei haben wir in den letzten zehn Jahren 500.000 Euro investiert", so Heck. Das Grundwasser stammt aus drei Brunnen. Pro Jahr werden 500.000 bis 600.000 Kubikmeter gefördert.

> Der fruchtbare Lössboden im Handschuhsheimer Feld liefert laut Wetzel beste Bedingungen für die Gärtner. Zudem halte der Odenwald den Ostwind ab. Wichtig sei das Feld auch aus klimatechnischen Gründen. Es sei nach dem Odenwald die wichtigste Kaltluftschneise Heidelbergs. "Wir sind für die Entlüftung Wieblingens zuständig."

> Alteingesessene Betriebe zu vertreiben, damit die Wissenschaftler näher beisammensitzen und kuscheln können, wäre ein Fehler, meint Wetzel: "Ein Institut kann man woanders hinbauen, doch den Handschuhsheimer Boden kann man nirgendwo mit hinnehmen." Und Schlicksupp fügt hinzu: "Dass man bereit sein sollte, für eine Kinderkrebsstation zwei Hektar zu opfern, klingt plausibel." Dabei bleibe es aber nicht, die Fläche würde immer kleiner. Land zu verkaufen, kommt hier für niemanden infrage. "Am Klausenpfad haben wir eine sehr kleinteilige Struktur, das ist fast schon ein Naturschutzgebiet", sagt Heinrich Schröder vom Obst- und Gartenbauverein.

Genauso sieht das auch Robert Bechtel: "Wir sind keine vernagelten Köpfe, die sich mit aller Kraft an die letzte Ackerscholle klammern. Für die Universität gibt es aber Entwicklungspotenzial auf Flächen außerhalb des Handschuhsheimer Feldes, für uns nicht."

Hintergrund

> Die Handschuhsheimer Gärtner bewirtschaften rund 130 Hektar Ackerland, um weitere 80 Hektar kümmern sich Hobby-Gärtner.

> Es gibt 20 Haupt- und Nebenerwerbsbetriebe. Die Fläche im "Feld" reicht laut Gärtnervereinigung bei Weitem nicht aus. Das habe auch dazu geführt, dass Handschuhsheimer Gärtner Flächen in Dossenheim und Schriesheim gepachtet hätten. Aber auch Auswärtige bewirtschaften Felder auf Heidelberger Gemarkung.

> 40 Familienangehörige, 60 Festangestellte, 50 Minijobber und 300 Saisonarbeiter werden im Handschuhsheimer Feld beschäftigt. Die Betriebsnachfolge sei bei 50 Prozent geplant oder bereits vollzogen, so die Gärtnervereinigung.

> Fruchtbarer Boden: Vier bis elf Meter stark ist die Schicht aus Schwemmlöss und Lehm mit einem Anteil an kalkhaltigem Kies. Der Ton hält das Wasser lange - für die Gärtner optimale Bedingungen.

> Das Obst und Gemüse wird über Hofläden, Wochenmarktstände und Abo-Kisten, aber auch über den Großhandel für Einzelhändler und Gastronomen vertrieben. hob

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